zur Navigation springen

Das gibt’s nicht oft : Weihnachten von finnisch bis jiddisch

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Duo „Sing Your Soul“ in der St. Nicolai-Kirche: Stimmungsvolles Weihnachtskonzert voller musikalischer Raritäten.

Eckernförde | Die Welt zu Gast in St. Nicolai: Das Duo „Sing your Soul“ spielte finnische, sächsische, spanische, jiddische und amerikanische Weihnachtslieder. Und das Programm war nicht das einzig Ungewöhnliche: Ulrich Lehna spielte auf fünf unterschiedlich gestimmten Klarinetten. „Das traut sich sonst niemand in der Musikszene, nicht einmal der große Klezmer-Klarinettist Giora Feidmann“, erläuterte Lehnas musikalische Partnerin, die Akkordeonistin Meike Salzmann. Sie führte mit Eleganz und Esprit durch das Programm des Abends. Klezmer-Legende Feidmann, so erfuhren die zahlreich gekommenen Gäste, spiele auch auf Klarinetten des französischen Spezialisten für Holzblasinstrumente Buffet Crampon, die sich das Duo extra angeschafft habe.

Neben weihnachtlichen Klassikern, wie „Santa Claus is comin’ to town“, Feliz Navidad“ und Louis Armstrongs „What a wonderful world“ hatte das Duo unter anderem auch einen der berühmtesten Klassiker der Klarinetten-Literatur, das Adagio aus Mozarts Klarinettenkonzert in A-Dur KV 622, in seinem überraschend arrangierten Potpourri. Hier kam eine der beiden neuen französischen Klarinetten, nämlich jene A-Klarinette, ganz meisterlich zum Einsatz. Lehner interpretierte das Stück, das cineastische Berühmtheit im Soundtrack zur Literaturverfilmung von Tania Blixens „Jenseits von Afrika“ erlangte, mit außerordentlich inniglicher lyrischer Qualität.

Salzmann hingegen wusste auf ihrem Akkordeon gekonnt die von Mozart komponierte Orchesterpartitur mit reduzierten Mittel so dicht darzustellen, dass sich der Kirchenraum kurzzeitig zu einem orchestralen Klangkörper verwandelte. Ihre musikalische Fähigkeit bewies das Duo mit einem selbstkomponierten Prelude zu Mozarts Adagio in D-Dur. Treibende Trommelrhythmen auf der Djembe, die Salzmann kurzerhand gegen ihr Akkordeon getauscht hatte, begleiteten eine Klarinette, die Elefantenfanfaren musikalisch interpretierte. Das Duo holte so kurzerhand auf ihre eigene Weise weltmusikalische Atmosphäre in den konzertanten Sakralraum. „Mozart“, so hoffte Salzmann, „hätte diesen Ausflug in afrikanische Gefilde vielleicht gemocht.“

Ebenfalls auf einer jener Auftragsklarinetten, der Bass-Klarinette, interpretierte das Duo mit „Oblivion“ eine der meisterhaften und weltberühmten „Tango argentino“- Kompositionen Astor Piazollas und zeigte eine weitere Facette seines musikalischen Ausdrucksvermögens, das ihm 2014 beim „Open Arccordion Contest“ die Höchstpunktzahl der Jurybewertung eingebracht hatte. Bei den Darbietungen jener Kompositionen, wie Tango oder auch Klezmer, in denen Kunstmusik mit Folklore verschmilzt, zeigte das Duo sein zu Recht prämiertes Können. Insbesondere Salzmanns Spiel überzeugte mit feinnuancierter und einer den Ausdruck Lehners gekonnt tragenden Interpretationsgabe, wohingegen Lehners Ansatz streckenweise Schwierigkeiten in einer sauberen Intonation aufwies. Der zauberhaft weihnachtliche Gesamteindruck des liebevoll arrangierten Programmes mit musikalischen Raritäten aus dem Erzgebirge, Finnland oder der Karibik erlitt dadurch jedoch keinen bleibenden negativen Eindruck und schenkte dem angetanen Eckernförder Publikum einen stimmungsvollen vorweihnachtlichen Abend.


Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen