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Derbe Weihnachten : Weihnachten auf dem Bolz-Platz

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Comedian Tim Bolz zeigte im Showpalast seine Sicht der Dinge auf Weihnachten. Der Humor verließ dabei oft den Äquator der Gürtellinie in Richtung Süden.

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2013 | 05:44 Uhr

Der Heilige Abend steht heute vor der Tür, es herrscht die pure Weihnachtsatmosphäre. Überlieferte Traditionen, neu belebt mit Weihnachtsmarkt, Tannenbaum, Geschenken, Familienkreis, Festessen… Wäre da nicht am Sonnabend das Kontrastprogramm in Carls Showpalast gelaufen, hätte man ungestört dem Fest des Jahres entgegen sehen können.

Hier durfte man jedoch bei schummrigem Licht den Gedanken des „Literatur“-Comedians Tim Bolz begegnen: „O Pannenbaum“ waren Titel, Motto und Programm.

Zunächst noch Bekanntes: Ein nadelfreier Weihnachtsbaum in letzter Minute; ein sogenannter „Bulimie-Tannenbaum“ - oder eine Familie am Heiligabend, die alle Negativ-Vorurteile bestätigt. Dann wurde es durchwachsen. Mit der „Weihnachtsgeschichte 2.0“ kommen die Heiligen drei Könige als Vertreter von Meldeamt, Jugendamt, Finanzamt zur Krippe. Mürrisch, der eine schläft „wie Sau“, weil da ein „Scheißstern am Himmel“ ist. Josef hat sich mit Maria – angeblich 14 – strafbar gemacht, während sich beim Jesuskind „die Muttermilch zu Gas verwandelt, mit einem großen Furz den Stall füllt – eine gasokönigliche Blasung.“

Beim Familienfestmahl wird es eklig: „Opas Hose hat schon Flecken“, er sieht „Eiter im Katheter“ – zu viel gegessen über die Feiertage? Auch vom „ADS-Heiland“ war zu hören, der in der Holzkrippe am ehesten abhanden kommt: „Scheiße, das Jesuskind ist weg!“ Das lässt sich aber notfalls durch Weingummi-Colafläschchen ersetzen.

Dann besucht der „Berliner“ Horst Gott und meckert ihn mal ordentlich aus. Da wird Gott ganz nachdenklich. Klar. Erstens beherrscht der „Berliner“ seinen Dialekt nicht, zweitens ist Eucharistie angeblich ein „Menschenopfer“, eine „Kanibalistensession“. Auferstehung nach einer Woche Höhle? „Wir beten einen Zombie an.“

Damit nicht genug: „Blitzkrieg im Darm“ nach dem Genuss von Stollen – wer wollte schonmal auf bildhaft unappetitliche Art erfahren, wie sich ein „Korinthenkacker“ mit seinem „Atom-U-Boot“ quält? Mit Nüssen, Sack und Schwengel ging es jedoch „weihnachtlich“ beim Schoko-Weihnachtsmann Rolli zu, der nicht jungfräulich sterben will. Corinna Fuhrmann am Klavier spielte – gar nicht passend – bekannte Weihnachtsmelodien.

Genug. Muss man noch das Tagebuch von Jens Zimmermann erwähnen, der sich als „Spermie mit Migrationshintergrund“ gleich neben Christus eingenistet hat? „Licht am Ende des Tunnels“: Männer in Weiß, die Jens als die erkennt, die Jesus gleich nach der Geburt in die „Klapse“ bringen werden.

Diese Veranstaltung war unter der Gürtellinie, maßlos daneben – und wofür? Witzig? Was zum Lachen? Ja – über die gröbsten Ungeheuerlichkeiten konnte man wohl zum Selbstschutz lachen. Ansonsten war man geschüttelt – nicht gerührt.



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