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workshop für kinder : Weglaufen, schreien, Hilfe suchen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

„Sicher nach Hause kommen“ – Die EWTO-Akademie veranstaltete für Grundschulkinder eine kostenlose Schulung. Rollenspiele veranschaulichten bedrohliche Situationen.

shz.de von
erstellt am 15.Jun.2016 | 05:46 Uhr

Eckernförde | Die beiden Freundinnen Lara und Mayra gehen gemeinsam spazieren. Auf ihrem Weg gehen sie auch an einem parkenden Auto vorbei. Als die Mädchen auf Höhe des dunkelblauen Wagens sind, streckt der Mann im Auto seinen linken Arm aus und spricht die beiden an. „Hallo Mädchen, könnt ihr bitte mal stehen bleiben und herkommen? Ich habe eine Frage und brauche eure Hilfe.“ Der Mann sieht nicht unfreundlich aus. Aber die beiden Achtjährigen zögern nicht und gehen zügig an dem Auto vorbei, dessen Fahrer mittlerweile mit aggressiver Stimme hinter ihnen herruft: „Stehenbleiben. Kommt her.“

„Alles richtig gemacht“, lobt Peter Thietje. Lara und Mayra nehmen an einem kostenlosen Workshop für Kinder, veranstaltet von der EWTO-Akademie, teil. WingTsun-Meister Peter Thietje, Cheftrainer für Kids-WingTsun (Selbstbehauptungskonzept für Kinder der Europäischen WingTsun-Organisation, EWTO) in Eckernförde, übt an diesem Nachmittag mit den Kindern das richtige Verhalten für den Fall, dass sie von Fremden angesprochen werden oder sie sich von Fremden beobachtet und verfolgt fühlen – wie jüngst am Schulhof der Gorch-Fock-Schule geschehen, wo ein bislang unbekannter Mann Schulkinder ansprach (wir berichteten).

Kinder müssten lernen, Nein zu sagen, auch wenn Erwachsene sie um Hilfe bitten, so Thietje. Sein Tipp: „Lasst euch auf keinen Fall in Gespräche verwickeln“, sagt der Trainer. In anschaulichen Rollenspielen lernen die Jungen und Mädchen, mit einer derartigen Situation umzugehen und vor allen Dingen sie zu beherrschen. Peter Thietje hat noch einen Tipp für Lara und Mayra parat: „Umdrehen! Immer gucken, was er macht, ob er hinter euch herkommt.“

Lucas und Rico sind gemeinsam unterwegs, als der Mann hinter dem Baum sie anspricht. Als die beiden Jungen nicht reagieren, springt der Mann hervor und läuft hinter den beiden hinterher. „Der Mann im roten T-Shirt verfolgt uns und wir haben furchtbare Angst“, wenden sich die Jungen an eine Passantin. „Genau richtig gemacht“, lobt Thietje. Er macht deutlich: „Ihr müsst in der Lage sein, euch Hilfe zu holen.“ Die Kinder lernen, vor dem Mann wegzurennen und gleichzeitig so laut wie möglich „Hilfe Überfall, Hilfe Feuer“ zu rufen.

Gar nicht so einfach, finden Greta und Leni. Nur Hilfe zu rufen, reiche nicht aus, erklärt der Trainer: „Allein darauf reagieren die Leute nicht.“ Besonders schwierig ist die Situation, wenn Erwachsene, die sich als Polizisten oder Zivilfahnder der Polizei ausgeben, Kinder ansprechen, um sie in ihr Auto zu locken. Sollte jemand zu den Kindern sagen: „Wir sind Zivilfahnder. Du darfst hier nicht spielen – sofort einsteigen“, rät Peter Thietje, auf der Stelle wegzurennen, in ein Geschäft zu gehen, oder wenn es möglich ist, nach Hause zu laufen. „Nein“ sagen können, sich nicht in Gespräche verwickeln lassen, zügig weitergehen, sich umdrehen, laut um Hilfe rufen – diese Kinder haben einige wertvolle Tipps erhalten.

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