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Flüchtlingshilfe : Wechsel bei den Integrationslotsen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Seit März haben Kansa Alkoba und Mohammed Abotaleb die Arbeit aufgenommen.

Eckernförde | Offenheit für die Probleme anderer, Neutralität, Gelassenheit, perfekte Kenntnisse der deutschen Sprache und die Tatsache, dass er selbst Flüchtling ist, kennzeichnen Mohammed Abotaleb. Der 34-jährige Jemenit begleitet Asylsuchende vom Tag ihrer Ankunft in Eckernförde und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Seit Anfang März ist der studierte Volkswirt als ehrenamtlicher Integrationslotse für Pro Regio und den Verein Umwelt, Technik und Soziales (UTS) tätig. Gemeinsam mit Kansa Alkoba hat er die Aufgaben der Vorgängerin Hanane Dhaibi übernommen.

Über 300 Flüchtlinge leben zurzeit in Eckernförde. „Wir empfangen Flüchtlinge bei der Ankunft mit Kollegen vom Rathaus, begleiten sie in ihre Wohnung und geben ihnen eine erste Orientierung“, sagt Mohammed Abotaleb. „Flüchtlinge haben viele Probleme“, erklärt Kansa Alkoba. Die 42-Jährige Apothekerin ist vor zweieinhalb Jahren mit ihren drei Kindern aus Syrien ihrem Ehemann nach Deutschland gefolgt und regulär eingereist. Im Gegensatz zu Mohammed Abotaleb ist sie hauptamtlich für 18 Stunden in der Woche angestellt. Erstorientierung in der neuen Umgebung, wie Einkaufsmöglichkeiten oder Vorstellen in der Nachbarschaft, Vermittlung von Ortskenntnissen, Begleitung bei Bankbesuchen zwecks Kontoeröffnung und Arztbesuchen gehören zum großen Aufgabenfeld von Abotaleb und Alkoba.

Wie ihr Kollege spricht auch Kansa Arabisch, Deutsch und Englisch. Sie werde besonders bei Arztbesuchen von Frauen um Unterstützung gebeten. „Frauen möchten nicht mit einem Mann zum Arzt gehen“, weiß sie aus Erfahrung.

Deutschland ist für Mohammed Abotaleb seine zweite Heimat, obwohl er nach Stellung seines Asylantrages im Sommer 2015 bis jetzt noch keinen Termin für eine Anhörung hat. Drei Jahre hat er als Student in Deutschland verbracht und dabei die deutsche Sprache gelernt. Zurück im Jemen ist Abotaleb in das Familienunternehmen, einen großen Reiseveranstalter in Sanaa, der mit westlichen Reiseorganisationen zusammengearbeitet hat, eingestiegen. 2014 veröffentlichte der IS eine Liste mit 1900 Namen – darauf standen auch Namen seiner Familie. Zwei Bombenattentate hat er überlebt, dann entschloss sich Abotaleb, sein Land zu verlassen. Im Jemen hat Mohammed Abotaleb seine Frau und drei Töchter (11, 8, 14 Monate) zurückgelassen. Seit acht Monaten hat er sie nicht mehr gesehen.

„Aus eigener Erfahrung verstehe ich die Situation der Flüchtlinge und was sie durchmachen müssen“, sagt Abotaleb. Er freue sich, wenn er helfen könne, gibt aber auch zu, dass die Arbeit für ihn eine willkommene Ablenkung darstelle – zu groß sei die Sehnsucht nach der Familie, die er nachzuholen hofft.

Familiennachzug spielt eine große Rolle bei den Flüchtlingen. Zurückgebliebene Partner und Kinder, mangelnde Sprachkenntnisse und vor allem die lange Wartezeit im Asylverfahren zermürben viele. „Ich weiß von einigen Irakern, dass sie wieder in ihre Heimat wollen“, verrät Abotaleb. Auch haben viele Kurden angesichts der Zurückdrängung des IS im Nordirak wieder Hoffnung geschöpft und wollen zurückkehren.

Der Geschäftsführer von UTS, Lutz Oetker, dankt sowohl der Vorgängerin Hanane Dhaibi als auch ihren beiden Nachfolgern für ihre Tätigkeit. „Ihre hervorragende Arbeit findet viel Zuspruch“, so Oetker. Neben ihrer Arbeit seien für die Integration der Flüchtlinge vor allem Deutschkenntnisse erforderlich, die in Integrations- und Einstiegskursen, Lernwerkstätten und Lerngruppen vermittelt werden – in Zusammenarbeit mit vielen Ehrenamtlern.

„Integration ist ein langwieriges Geschäft“, erklärt der UTS-Geschäftsführer. Der Wunsch nach Rückwanderung sei das Normalste der Welt, wenn die Situation vor Ort nicht so sei wie erhofft.

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erstellt am 06.Apr.2016 | 06:10 Uhr

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