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Eckernförder Zeitung

16. Dezember 2017 | 00:54 Uhr

Nachnutzung : Was wird aus der „Alten Post“?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Arbeitsgruppe „Rieseby 2025“ stellt Chancen und Risiken für potentielle Nachnutzung der Alten Post vor / Fraktionen beraten Vorschläge

von
erstellt am 11.Feb.2016 | 06:52 Uhr

Rieseby | Ein Grundstück in zentraler Lage mitten im Zentrum Riesebys – kein Wunder, dass die Deutsche Post AG dort ihre Filiale in der Schleigemeinde einrichtete. Doch die Post AG hat die Filiale längst geschlossen. Nun läuft Ende Februar auch der Mietvertrag für das Gebäude „Alte Post“ durch die Post aus. Zugleich ist die Zweckbindung des Gebäudes im Eigentum der Gemeinde ausgelaufen, so dass sie frei verfügen kann. Was wird also aus dem Gebäude, Baujahr 1972? Chancen und Risiken verschiedener Handlungsoptionen stellte die Arbeitsgruppe „Rieseby 2025“ Dienstagabend in der Gemeindevertretung vor. Vor einer Entscheidung haben die Fraktionen nun Zeit zur Beratung.

Handlungsbedarf besteht für die Riesebyer vor allem dadurch, dass durch den Wegfall der Post als Mieter mit Mindereinnahmen von rund 8000 Euro im Jahr gerechnet werden muss, erklärte Bernd Mordhorst, Sprecher der Arbeitsgruppe. Dadurch würden sich die Kosten des Gebäudes nicht mehr tragen.

Die Bandbreite der möglichen neuen Nutzungen des Gebäudes mit rund 285 Quadratmetern Wohnfläche ist groß, wie die Ausführung der Arbeitsgruppe mit Bernd Mordhorst, Frank Dreves, Enrique Ruiz-Hampel und Thomas Puphal ergab.

>Umbau des Gebäudes in den zwei Obergeschossen zu Wohnungen, unter anderem für Flüchtlinge, und Umbau im ebenerdigen Erdgeschoss für Gewerbe oder für eine gemeindliche Nutzung für Vereine.

>Abriss des Gebäudes auf dem rund 2770 Quadratmeter großen Grundstück. Gemeinde baut entweder ein Gebäude nach Art des Kieler Models für beispielsweise 48 Flüchtlinge oder aber Wohnungen für Riesebyer.

> Verkauf der Liegenschaft samt Grundstück an einen Dritten.

> Gewerbe- und Handwerkerhaus

> Planungsbüro für Breitbandversorgung

 > Verkauf des Gemeindehauses, Umzug von Bürgerbüro, Polizei und Christian-Kock-Stube in die Alte Post. „Die Reihenfolge der Präsentation und die Darstellung der Chancen und Risiken erfolgt ohne Wertung durch die Arbeitsgruppe “, stellte Mordhorst fest.

Wie jede Medaille hat auch die künftige Nutzung der Immobilie oder des Grundstücks zwei Seiten. Der Umbau in Wohnungen würde für sichere Mieteinnahmen sorgen. Die Unterbringung von Flüchtlingen im Zentrum sei mit Blick auf die Integration positiv. Außerdem bleibt die Immobilie im Gemeindebesitz und steht Vereinen und Verbänden weiterhin zur Verfügung.

Als Risiken zählt die Arbeitsgruppe auf, dass die Gemeinde den Umbau finanzieren muss und dass im Erdgeschoss nur eine geringe Auslastung zu erwarten ist. Zudem könnte es unerwartete Mehrkosten beim Umbau geben, die dem Alter des Hauses geschuldet sind.

Ein Umbau für Gewerbe im Erdgeschoss könnte zu mehr Mieteinnahmen und einer Verstärkung des Zentrums führen, sagte Mordhorst. Zu den bereits aufgeführten Risiken käme jedoch hinzu, dass Leerstand der Gewerberäume zu Mietausfall führen und außerdem die gemeindliche Nutzung wegfällt. Dies sei allerdings nicht zu schwerwiegend, da alle bisherigen Nutzer in der Alten Post durchaus Platz in der Schleischule finden würden, wie Mordhorst aufzählte. Die Auslastung der Alten Post sei zudem nicht so hoch.

Der Neubau nach dem Kieler Model für 48 Flüchtlinge sorgt für planbare Einnahmen und könnte die Integration fördern, so die Arbeitsgruppe. Optional könnte auch ein Bildungs- und Familienzentrum am Neubau realisiert werden, das zu einer Stärkung des Zentrums und der sozialen Infrastruktur führen könnte. Negativ stehen dem die hohen Investitionen durch die Gemeinde sowie eine nicht ausreichende Auslastung des Familienzentrums entgegen.

Der Verkauf der Immobilie, Bürgermeister Jens Kolls erhielt eine mündliche Schätzung des Verkaufserlöses zwischen 180  000 und 200  000 Euro, würde Geld in die Gemeindekasse spülen. Dieser Vorteil wäre allerdings nur einmalig, zudem bestünde dann kein Einfluss mehr auf die Nutzung und die Gemeinde verlöre ein Grundstück in Toplage, so die weiteren Risiken.

Auch wenn noch keine Diskussion über die vielen Optionen stattfand, so gab es schon einige Aussagen. So stellte Waltraut Folge für die SPD und als Mitkoordinatorin des Riesebyer Helferkreises fest, dass die Unterbringung von 48 Asylbewerbern auf so engem Raum nicht gut und vermutlich auch nicht gut für die Integration sei. Ganz ähnlich das Argument der WGR, für die Frank Dreves feststellte, dass die Unterbringung von Flüchtlingen sicher ehrenwert sei, aber eine solche zentrale Unterbringung zu Problemen führen könnte. Die WGR könne sich einen Verkauf vorstellen. Sie rechnet sogar mit bis zu 250  000 Euro Verkaufserlös für die Gemeindekasse. Hartmut Schmidt (CDU) warb dafür, das Areal unbedingt einer neuen Wohnbebauung zuzuführen. Der Bedarf Riesebyer nach Wohnraum sei sehr groß.

Bürgermeister Kolls dankte dem Arbeitskreis für seinen großen ehrenamtlichen Einsatz. Bürger, die Ideen zur Nachnutzung haben, können diese an die Gemeindevertretung weitereichen.

Standpunkt

Guter Rat  ist teuer

Zur Nachnutzung der Alten Post von : Dirk Steinmetz

Es stehen Rieseby nun alle Türen offen, nachdem die Post als Großmieter die Türen in der Alten Post endgültig  geschlossen hat und auszieht.  Das Gebäude von 1972 umbauen, abreißen  und etwas Neues dort bauen oder einfach nur alles an einen Dritten verkaufen und sich über den Erlös einmalig freuen? Gegensätzlicher könnten die Möglichkeiten nicht sein, deren Umsetzbarkeit  geprüft werden muss. Jede Idee für sich hat seine Vorteile, keine Frage. Doch ebenso weisen  alle Ideen Risiken auf, deren Tragweite auf die Gemeinde berücksichtigt werden muss. Anhand der von der Arbeitsgruppe „Rieseby 2025“ vorgestellten Handlungsmöglichkeiten ist ein Einstieg geschafft. Letztlich wird es eine politische Entscheidung sein zwischen zwei Polen: Geht es rein um die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens  oder geht es um  den Erhalt und Ausbau  der Ortsmitte für das Gemeinwohl (wenn es finanzierbar ist). Auf die Akteure in der Gemeinde, und dies sind nicht nur die Gemeindevertreter, kommt viel Arbeit zu, damit am Ende nicht ein Weiter-wie-bisher heraus kommt, bei dem das Gebäude zwar teuer modernisiert wurde, aber schlecht vermietet und durch Vereine und Verbände nicht ausgelastet wird.

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