Debatte : Was passiert mit dem Amtshaus ?

Defizitär und abschreckend: Was mit der Asylbewerberunterkunft in Schinkelhütten passieren wird, gilt es zu klären.
Defizitär und abschreckend: Was mit der Asylbewerberunterkunft in Schinkelhütten passieren wird, gilt es zu klären.

Gänzlich dezentrale Unterbringung der Asylbewerber angestrebt / Lösung für Kinderbetreuung gefordert / Soforthilfe trägt Früchte

von
27. Juni 2014, 15:49 Uhr

Die Soforthilfe zur Verbesserung der Situation der Asylbewerber in Schinkelhütten hat in der Region nicht nur wertschätzende Beachtung gefunden, sie hat vor allem ihren Zweck erfüllt – den Fremden das Einleben in die neue Umgebung zu erleichtern. Neben den Sportangeboten des GTV, der Taxi-Verbindung nach Gettorf zwei Mal in der Woche und den Deutschkursen ist es vor allem die dezentrale Unterbringung in Wohnungen, die die Integration der Flüchtlinge befördert. Die Betreuung der Kinder in den örtlichen Kitas ist neben den hohen Unterhaltungskosten des Asylbewerberhauses in Schinkelhütten jedoch ein Problem, das es noch zu lösen gilt.

Eine Familie aus Mazedonien konnte ebenso wie vier Männer in zwei Wohnungen in Gettorf untergebracht werden. Für eine Familie aus Syrien mit einem acht Wochen alten Baby und einem 16 Monate alten Jungen werde noch passender Wohnraum gesucht, berichtete Amtsdirektor Matthias Meins dem Amtsausschuss. Sie leben derzeit noch in Schinkelhütten, ebenso wie neun Männer die dort zwar ein Zimmer haben, es aber nicht nutzen – wiederholt hat der Flüchtlingsbeirat darauf hingewiesen, dass viele mit der abgeschiedenen Lage am Waldrand einfach nicht zurecht kommen. Neben der Tatsache, dass das Amtsgebäude pro Jahr rund 20 000 Euro Kosten für die Unterhaltung verursacht, die nicht nach dem Asylbewerberleistungsgesetz vom Bund erstattet werden, ein Grund, sich Gedanken über das Haus zu machen, wie Meins ausführte. „Jeder Euro, den wir in Schinkelhütten investieren, ist eigentlich fehlinvestiert“, machte Amtsvorsteher Kurt Arndt deutlich. Er appellierte auch an die Umlandgemeinden, geeigneten Wohnraum zur dezentralen Unterbringung der Asylbewerber anzubieten und forderte die Bürgermeister im Amtsbereich auf, sich Gedanken zu machen, wie weiter mit der Immobilie in Schinkelhütten verfahren werden soll.

Sabine Axmann-Bruckmüller, Bürgermeisterin aus Schinkel, bat weiter darum, eine Lösung für die Betreuung der Flüchtlingskinder in Kitas zu finden. Denn Anspruch auf einen Platz für sie bestehe – ähnlich wie bei den Deutschkursen – erst, wenn die Eltern einen Status hätten, machte Axmann-Bruckmüller, die sich auch im Flüchtlingsbeirat engagiert, deutlich. Die Integration sei zweifelsohne wichtig, entgegnete Gettorfs Bürgermeister Jürgen Baasch. Doch die Gemeinden stießen da auch an ihre Grenzen. Die Kita-Plätze in den Gettorfer Einrichtungen seien belegt, es gebe Wartelisten. Wie solle man Eltern, die beide darauf angewiesen sind zu arbeiten und die Betreuung für ihr Kind benötigen, erklären, dass sie nicht berücksichtigt werden können, dafür aber ein Kind von Flüchtlingen, die in der Regel den ganzen Tag zuhause seien, fragte Baasch. „Wir haben immer nach dem Wohl der Menschen gearbeitet“, erklärte Pastorin Claudia Bruweleit vom Flüchtlingsbeirat. „Ein Konkurrenzdenken ist nicht in unserem Sinne.“ Auf die Deutschkurse hätten die Asylbewerber auch noch keinen Anspruch, dennoch würden sie von den Amtsgemeinden bezahlt. „Gegenpole aufzubauen bringt uns nicht weiter“, sagte Wolfgang Kerber, Bürgermeister in Tüttendorf. Es müsse jedoch auch alles bezahlt werden, gab er zu bedenken und sprach sich dafür aus, das gegenüber dem Land entsprechend deutlich zu machen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen