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Kratzen, Zupfen, Verbrühen : Was hilft gegen Unkraut?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Fachleute erklären, welche ökologischen Alternativen es zu Herbiziden gibt. Von Essig und Salz wird allerdings abgeraten.

shz.de von
erstellt am 23.Apr.2014 | 06:29 Uhr

Der Frühling ist da und damit auch das Unkraut auf Terrassen, Garagenauffahrten und Gehwegen. Gräser und Löwenzahn sprießen aus den Ritzen, und der mühsame Kampf mit dem Fugenkratzer beginnt. Doch gibt es Alternativen zur Handarbeit? Die EZ hat sich umgehört.

Zuverlässig, aber mühsam ist das Auskratzen der Fugen und das Zupfen der Gräser. Als Alternative wird oft das Vernichten der Pflanzen mit einem Abflammgerät genannt. Damit entfällt das Bücken zwar, aber der Energieaufwand ist hoch, und es wird ein entsprechendes Gerät inklusive Gasbehälter benötigt. Dabei sollte der Heimwerker aufpassen, sich nicht die Gartenlaube abzufackeln.

Chemische Mittel werden in der zweifachen Umwelthauptstadt Eckernförde von vielen Menschen kritisch gesehen – die Stadtgärtnerei zum Beispiel verzichtet gänzlich darauf. Glyphosate wie Roundup bekämpfen Unkraut zwar effektiv, aber dafür auch andere Pflanzen, die mit dem Mittel in Kontakt kommen. Die Anwendung von Glyphosaten ist zudem nur für landwirtschaftliche und gärtnerische Zwecke erlaubt und auf befestigten Wegen und versiegelten Flächen verboten. Ihre schädigende Wirkung für die Natur ist umstritten.

Michael Packschies, Abteilungsleiter Naturschutz und Landschaftsplanung im Eckernförder Bauamt, rät davon ab, auch vom Gebrauch von Essig und Salz, deren Kombination immer wieder als Geheimtipp gehandelt werden. „Für die Umwelt ist das nicht wesentlich besser als Glyphosate“, sagt er. Die Konzentration der Substanzen kann im Boden nicht schnell genug abgebaut werden, so dass Boden, Pflanzen und Insekten durch die aggressiven Essenzen belastet werden. Nicht zu vergessen die Betonplatten: „Salz löst einen chemischen Prozess aus, der den Beton angreift“, weiß der ökologische Landschaftsarchitekt Rüdiger Ziegler. Ebenso verhalte es sich mit Essig. „Und der beschädigte Beton bietet den Pflanzen wieder mehr Halt für die Wurzeln.“

Während Michael Packschies als bestes Rezept eine saubere Verlegung der Terrassen- oder Gehwegplatten empfiehlt, geht Rüdiger Ziegler einen Schritt weiter: „Jede Pflanze braucht Licht, Wasser, Boden, Nährstoffe und Luft. Wenn man ihr eine dieser Zutaten vorenthält, geht sie ein.“ Menschen, die ihre Terrasse – zum Beispiel im Kleingarten – nur selten nutzen, rät er deshalb, diese mit einer Folie oder einem altem Teppich abzudecken und den Pflanzen damit das Licht zu nehmen. Aber auch unter der Terrasse kann eine Folie von Nutzen sein, wie Sabine Rief vom Umwelt-Info-Zentrum rät. Darauf kommen Sand und die Betonplatten. „In den Fugen wachsen dann nur Pflanzen, die sich mit Sand begnügen.“ Und die sind oft leichter herauszuziehen.

Rüdiger Ziegler bevorzugt einen „schön scharfen Besen“ aus Kunststoff. „Damit fege ich regelmäßig die Fläche ab. Junge Gräser in den Fugen werden damit gleich herausgezogen. Wichtig: Die Regelmäßigkeit macht es.“ Auf diese mechanische Wirkung der Kehrmaschine setzt auch die Leiterin der Stadtgärtnerei, Sylvia Bent. Und wo das Unkraut zu hartnäckig ist, wird mit dem Hacker gekratzt. Für den Hausgebrauch hat sie einen besonderen Tipp: „Man kann siedendes Wasser, das beim Kochen anfällt, über die Fugen auf der Terrasse kippen. Das verbrüht das Unkraut.“ Ob bei der Zubereitung von Kartoffeln oder beim Frühstücksei am Sonntag: Kochendes Wasser fällt immer mal an.

Am Ende haben aber viele die Erfahrung gemacht, dass das Jäten und Kratzen per Hand am effektivsten und ökologischsten ist. Und wenn alle Stricke reißen, haben Michael Packschies und Rüdiger Ziegler einen besonderen Tipp parat: Gelassenheit und einfach mal ein Auge zudrücken.

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