Warum wir spenden sollten

Plakate wie diese von „Brot für die Welt“ spiegeln den Zeitgeist wider.
Plakate wie diese von „Brot für die Welt“ spiegeln den Zeitgeist wider.

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11. Dezember 2017, 15:56 Uhr

Die Advents- und Weihnachtszeit ist die Zeit der Spendenaufrufe. Plakate sind dabei ein zentrales Medium, um Menschen anzusprechen Mit einprägsamen Bildern und wenigen Worten wird der Betrachter zur Spende aufgerufen und über deren Verwendungszweck informiert.

Wie dies die beiden großen christlichen Hilfsorganisationen „Brot für die Welt“ und „Misereor“ in den vergangenen 60 Jahren gelöst haben, zeigt eine Ausstellung im „Museum der Brotkultur“ in Ulm. Die Idee der weihnachtlichen Nächstenliebe wird verbunden mit dem Thema Welternährung. Bemerkenswert ist, wie sich die Diskussion um Hunger und Welternährung in den vergangenen Jahrzehnten geändert hat. Entsprechend haben sich auch die Ziele, Strategien und die Bildsprache der Plakate verändert. Anhand der Plakate lassen sich die jeweiligen Situationen, aus denen sie entstanden sind, gut nachvollziehen.

Die ersten Spendenaktionen der evangelischen Kirche „Brot für die Welt“ und des bischöflichen katholischen Hilfswerks „Misereor“ begannen 1959. Die damals entstandenen Plakate thematisierten Hunger und Not sehr konkret und mit zum Teil schockierenden Bildern. Die Christen in Deutschland waren aufgerufen Hilfe zu leisten, nachdem sie selbst in den Nachkriegsjahren Hilfe vor allem aus den USA erhalten hatten. Damals bestand noch die Vorstellung und Hoffnung, dass Armut und Krankheit durch den Einsatz entsprechender Mittel dauerhaft einzudämmen wäre.

In den 70-er und 80-er Jahren wird Armut, Hunger und Krankheit zunehmend als Folge von Ungerechtigkeit und Krieg verstanden. Die Werbekampagnen appellieren an die Mitverantwortung des reichen Nordens für die Armut der Südens. Die notleidenden Menschen sollen nicht mehr als unmündige Opfer und Almosenempfänger, sondern als gleichberechtigte Partner gesehen werden. Der Ruf nach mehr Gerechtigkeit bleibt auch im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts zentrale Botschaft der Plakate. Gleichzeitig wird aufgezeigt, wie die westliche Lebensweise die schlechten Lebensbedingungen in den armen Teilen der Welt mit verursacht. Um die Jahrtausendwende werden die weltweiten Zusammenhänge von Klimawandel, Ausbeutung und Endlichkeit der Ressourcen sowie Fluchtursachen zu Kernthemen. Es geht bei der Entwicklungshilfe auch um die eigenen Interessen des Westens.

Bei den Plakatmotiven der aktuellen Kampagne von „Brot für die Welt“ steht die Menschenwürde im Mittelpunkt, die im christlichen Verständnis jedem angeboren ist. Sie erzählen, was Menschen für ein menschenwürdiges Leben brauchen: gesunde Nahrung, sauberes Wasser, Bildung, medizinische Versorgung und eine Rechtsordnung, die die Menschenrechte achtet und schützt. „Misereor“ steht 2017 unter dem Leitwort „Die Welt ist voller guter Ideen, lass sie wachsen“. Menschen soll geholfen werden, die sich selbst und anderen helfen können.

So können Plakate auch Geschichte erzählen und aufzeigen, wie die Einsichten der Menschen sich verändern.

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