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Luthergestühl : Warum Martin Luther in die St.-Nicolai-Kirche kam

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Vortrag: Paul Rantzau und das Luthergestühl in St. Nicolai / Anschließend Mitgliederversammlung des Fördervereins

Eckernförde | Die St.-Nicolai-Kirche ist laut Pastor Manfred Adam wie ein Buch, denn anhand der Kunstwerke lasse sich die Geschichte Eckernfördes und des ganzen Landes in der Kirche ablesen. Eine Kostprobe gibt Adam morgen um 19 Uhr. Dann hält er in der Kirche einen Vortrag über das von Paul Rantzau im Jahr 1578 in Auftrag gegebene Kirchengestühl, das wegen der darin gezeigten Personen eine Besonderheit ist.

„Dass dieses Bilderbuch der Geschichte so gut erhalten ist, haben wir unter anderem dem Förderverein St. Nicolai zu verdanken“, sagt Manfred Adam. Der Verein mit seinen 125 Mitgliedern hat sich dem Erhalt der Kunstgegenstände und der Kirche verschrieben. Über Mitgliedsbeiträge, Spenden und den Erlös von Einzelaktionen hat er schon über 100  000 Euro beigesteuert, unter anderem für die Restaurierung mehrerer Epitaphien und der Orgel.

Dabei ist der Verein für alle offen, eine Kirchenmitgliedschaft ist nicht erforderlich. „Die Kirche ist nicht nur im religiösen Sinne wichtig, sondern auch für das gesellschaftliche und kulturelle Leben“, sagt Schriftführerin Ingrid Satriep. St. Nicolai biete einen „Raum für alle“, weshalb auch jeder Mitglied im Förderverein werden könne.

Einen Einblick in die geschichtliche Bedeutung der Kirche und in die Tätigkeit des Vereins können Interessierte morgen erhalten: Pastor Manfred Adam, gleichzeitig Vorsitzender des Vereins, hält ab 19 Uhr in der Kirche einen Vortrag über das Gestühl, bevor der Verein auf seiner Mitgliederversammlung ab 19.30 Uhr unter anderem über die Verwendung von 10  000 Euro an Spenden entscheidet.

„Als ich 2008 in St. Nicolai angefangen habe, waren alle Kunstwerke in der Kirche schon erforscht“, erinnert sich Manfred Adam. „Das Kirchengestühl jedoch hielt eine Überraschung bereit, die noch niemandem so sehr aufgefallen war: Die Holzschnitzereien zeigen nämlich nicht nur biblische Figuren, sondern auch den Reformator Martin Luther und den Gelehrten Philipp Melanchton.“ In Auftrag gegeben haben das Gestühl Paul Rantzau (1527-1579) und seine Frau Beate (geb. Sehestedt).

Manfred Adam hat sich seither mit Paul Rantzau beschäftigt, hat Matrikelregister gesichtet, Monografien gewälzt, Briefwechsel und Handbücher sowie Veröffentlichungen der Landesbibliothek gelesen. Er berichtet morgen in seinem Vortrag über das familiäre und geistesgeschichtliche Umfeld von Paul Rantzau, dessen Vater Johann (1492-1565) eine wichtige Figur in der Zeit zwischen Reformation und 30-jährigem Krieg war. Er nahm zum Beispiel entscheidenden Einfluss darauf, dass Friedrich I. König von Dänemark wurde und begleitete dessen Sohn Christian III. im Jahr 1521 zum Reichstag in Worms, wo sich Luther vor dem Kaiser verteidigen musste. Rantzau wurde zu einem Anhänger Luthers und Förderer der Reformation. Er schickte seine Söhne Heinrich und Paul an die Universität in Wittenberg. „Wahrscheinlich haben sie sogar in Luthers Haus gelebt“, sagt Manfred Adam. Unterrichtet wurde Paul Rantzau, der später als Statthalter, General und Amtmann wirkte, unter anderem auch von Johannes Saxonius aus Husum, den Luther bei seinen Tischreden „Magister Holstein“ nannte. Die Verewigung Luthers im Gebälkfries mögen Dank und Ehrerbietung gegenüber dem Reformator gewesen sein, vermutet Adam.

> Vortragsbeginn in St. Nicolai: 19 Uhr, Mitgliederversammlung: 19.30 Uhr

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erstellt am 25.Apr.2017 | 06:09 Uhr

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