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Kirchliches Neujahr : Warum es sich lohnt, in der Kirche zu sein

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Beim Neujahrsempfang des Kirchenkreises hat Propst Sönke Funck die Bedeutung der Kirche für die westliche Gesellschaft und ihre Menschen erklärt.

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erstellt am 01.Dez.2015 | 12:18 Uhr

Eckernförde | Kanzlerin Angela Merkel spielte gestern beim Empfang zum kirchlichen Neujahr des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde in der St.-Nicolai-Kirche eine zentrale Rolle: „Wir haben doch alle Chancen und alle Freiheiten, uns zu unserer Religion, sofern wir sie ausüben und an sie glauben, zu bekennen.“ Dieses Zitat stellte Propst Sönke Funck seiner Rede vor über 200 Gästen voran. Die zentrale Frage sei: „Warum lohnt es sich, in der Kirche zu sein?“

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte diese Worte, als sie im September die Ehrendoktorwürde der Universität Bern verliehen bekam. Dabei wurde sie gefragt, wie sie die Europäer in ihrer Angst vor dem Islam schützen wolle. Sie fügte hinzu, dass die Deutschen Mut haben müssten zu sagen, dass sie Christen sind. Dazu gehöre auch die Tradition, mal wieder in einen Gottesdienst zu gehen oder ein bisschen bibelfest zu sein. „enn Sie mal Aufsätze in Deutschland schreiben lassen, was Pfingsten bedeutet, da würde ich mal sagen, ist es mit der Kenntnis über das christliche Abendland nicht so weit her. Sich anschließend zu beklagen, dass Muslime sich im Koran besser auskennen, finde ich irgendwie komisch.“ Für Propst Sönke Funck war das „ein Aufruf, sich seiner eigenen kulturellen und religiösen Wurzeln und Geschichte bewusst zu werden, sie wertzuschätzen und zu pflegen.“

2014 seien fast 37  000 Kirchenglieder aus der Ev.-Luth. Kirche in Norddeutschland ausgetreten. Sönke Funcks erste These: „Beides hat miteinander zu tun: Der Rückgang der Kirchenmitgliedschaft und ein Relevanzverlust des christlichen Glaubens im privaten und öffentlichen Leben.“ Zum einen werde die Frage des „Sichlohnens“ zu sehr ökonomisch betrachtet: Für die Kirchensteuer bekomme niemand einen sicheren Kita-Platz oder eine ermäßigte Friedhofsgebühr. Aber „sich lohnen“ heiße auch, „es wert sein, Früchte tragen, sich entfalten, sich entwickeln“. Damit kam Funck auf die Geschichte und die Theologie: „Warum es sich lohnt, in der Kirche zu sein – ich finde, das ist eine typisch evangelische Frage.“

Zweite These: „Dass wir uns die Frage, ’Warum lohnt es sich, in der Kirche zu sein?’ stellen müssen, ist die Folge und das Ergebnis unserer eigenen protestantischen Grundüberzeugungen.“ Martin Luther setzte Gottes Gnade an die Stelle der Kirche zur Erlangung des Seelenheils. „Dieser Grundkonsens ist allerdings verloren gegangen.“ Heute würden andere Gründe für eine Kirchenmitgliedschaft wichtiger, zum Beispiel die Funktion der Kirche als freier Sozial- und Wohlfahrtsträger oder ihr Verdienst um Kunst, Kultur und Musik für die Gesellschaft. Immer wieder werde in Untersuchungen das sozial-diakonische Handeln der Kirche an oberste Stelle gestellt. „Religiöse Themen oder gar Fragen einer eigenen Glaubenspraxis spielen dagegen kaum eine Rolle.“

Dritte These: In der derzeitigen Zuspitzung der Fragen um die Flüchtlinge und die Zukunft Europas erhält die Suche nach einem tragfähigen gesellschaftlichen Konsens und dessen möglichen Begründungszusammenhängen neue drängende Bedeutung. Nach der Kieler Theologin Uta Pohl-Patalong beschrieb er sechs Bestimmungen, in denen die Grundaufgabe der Kirche konkretisiert wird:

1. Die Kirche bewahrt, vermittelt und deutet die christliche Botschaft.

2. Die Kirche eröffnet Räume für Religion, neben der Ortsgemeinde auch beispielsweise Räume der Stille in Krankenhäusern oder Urlauberseelsorge.

3. Die Kirche bietet individuelle Lebensbegleitung an – in Krisensituationen, bei Lebensfragen oder in ihren diakonischen Beratungsstellen.

4. Die Kirche eröffnet Gemeinschaft – zum Beispiel für den Austausch mit anderen.

5. Die Kirche hilft Menschen in ihren Lebensverhältnissen, zum Beispiel bei der Tafel-Arbeit oder den Bahnhofsmissionen.

6. Die Kirche erhebt die christliche Stimme in der Gesellschaft. Funck: „Es ist ihre Rolle, sich zu relevanten Themen zu äußern und die christliche Perspektive zu Gehör zu bringen. Sie übernimmt dabei eine Mitverantwortung für das Gemeinwesen und ergreift Partei: Sie vertritt vorrangig die Option für die Armen und Schwachen.“

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