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Eckernförder Zeitung

20. November 2017 | 09:06 Uhr

War der Brand eines Audi A 4 ein Racheakt?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Zwei Rendsburger stehen vor dem Schöffengericht

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2016 | 06:04 Uhr

Der ungeklärte Brand eines Audi A  4 TDI vor einem Jahr im Diestelkamp wird seit gestern vor dem Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Tiedemann verhandelt. Angeklagt sind zwei Rendsburger (38 und 32 Jahre). Der Staatsanwalt wirft ihnen vor, am 28. Mai 2015 gegen 2 Uhr in der Nacht auf dem Parkplatz vor einem Mehrfamilienhaus im Diestelkamp den Audi eines Eckernförders in Brand gesteckt zu haben.

Während der Beweisaufnahme wurde erkennbar, dass es am ersten Verhandlungstag nicht zu einem Urteil kommen würde, da einer der Angeklagten keine Angaben zur Sache machen wollte, die Aussagen des zweiten Angeklagten nur bruchstückhaft waren und die Hauptbelastungszeugin, die Ex-Freundin des 32-jährigen Angeklagten, trotz Ladung zur Verhandlung nicht erschienen war. Nach Auskunft eines Polizeioberkommissars ist die Ex-Freundin, die zu dem Zeitpunkt ebenfalls in Rendsburg wohnte, wenige Wochen nach dem Brand in der Nacht vom 7./8. Juni in der Dienststelle Eckernförde erschienen, um eine Anzeige wegen Bedrohung durch den 38-jährigen Angeklagten aufzugeben. Während der Aussage habe sie glaubhaft zu Protokoll gegeben, dass die beiden Rendsburger ihrer Kenntnis nach den Audi im Diestelkamp angezündet hätten. Nach der Anzeige vernahm der Polizist die Rendsburgerin, die mittlerweile in Hagen wohnt, als Zeugin. Sie selbst hat die beiden Männer am 28. Mai 2015 von Rendsburg nach Eckernförde gefahren. Zu diesem Zeitpunkt wohnte sie vorübergehend bei dem 38-jährigen Angeklagten mit in dessen Einzimmerwohnung. Vorher konsumierten die Männer in dessen Wohnung Alkohol. Das bestätigte der 38-Jährige vor Gericht und stritt jede Beteiligung an der Tat ab.

Der Angeklagte, der über eine massive Lese-, Rechtschreib- und Rechenschwäche und eingegrenzte Sprachfähigkeiten verfügt und unter Betreuung steht, bezeichnete den Brand des Audi als eine Rache an dem Audifahrer. „M. (die damalige Freundin) hatte Stress mit dem Autofahrer.“ Das hätten Tage vor dem Brand auch andere Personen gehört, so der 38-Jährige. Die Männer seien an einer Bushaltestelle an der Albert-Schweitzer-Schule ausgestiegen. Er selbst habe pinkeln müssen, der Mitangeklagte, sein damaliger Freund, sei eine halbe Stunde verschwunden. Auf dem Famila-Parkplatz sei er wieder ins Auto von M. eingestiegen, man sei nach Hause gefahren. Vom Brand habe er durch den Mitangeklagten erfahren. „Er hat mir gesagt, dass er sich gerächt hat.“ Wofür, wurde nicht deutlich.

WhatsApp-Sprachnachrichten spielen bei diesem Fall eine wichtige Rolle. Sie sollen am zweiten Verhandlungstag vor Gericht gehört werden. So haben die beiden Angeklagten und die Freundin M. miteinander kommuniziert, wo das Wort Brand gefallen sein soll. Auch der Geschädigte (25), der vor Gericht als Zeuge aussagte, dass er den Brand selbst bemerkt habe, benutzte WhatsApp, um seinen Freund (24) zur Hilfe zu rufen. Dieser hatte auf dem Weg zum Brandort zwei Eckernförderinnen ganz in der Nähe des Tatorts gesehen, wie er vor Gericht angab. Aufgrund privater Verflechtungen vermuteten die beiden Männer, dass die heute 19- und 20-Jährige etwas mit der Sache zu tun hätten und suchten sie noch in der Nacht auf. Beide traten vor Gericht als Zeugen auf. Niemand von ihnen kannte die Angeklagten. Die 19-Jährige berichtete, dass es vor einem Jahr jede Menge Gerüchte zum Autobrand gegeben habe: Das Auto habe sich selbst entzündet, oder der Geschädigte habe das Auto selbst angezündet, weil es einen Motorschaden hatte. „Er hat geprahlt, dass er sein Auto frisiert hat“, so die Zeugin.

Die Verhandlung wird fortgesetzt.

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