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Eckernförder Zeitung

23. Oktober 2017 | 04:43 Uhr

Wölfe : Wanderte ein Wolf durch Schwansen?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Dörphofer beobachtete vor zwei Jahren möglicherweise einen Wolf / Er schwieg bislang aus Sorge vor möglichen Nachstellungen des Tieres / Ministerium prüft Hinweis

von
erstellt am 14.Feb.2017 | 06:45 Uhr

Dörphof | Rund 100 Meter entfernt stand er, vermutlich ein junger Wolf und blickte zu Manuel Dittmers herüber. Machten er und seine Begleiterin einen Schritt auf ihn zu, so wich das Tier entsprechend zurück, berichtet Dittmers. Zeit für ein Foto der Szene war aber noch. Allerdings nur mit dem Mobiltelefon. „Der Wolf lief gerade in den Wald, die Begegnung war sehr überraschend für uns.“ Das Fotoergebnis ist allerdings auf die Distanz unbefriedigend, so Dittmers.

Die Begegnung fand bereits vor über zwei Jahren im Januar 2015 statt. Wo genau verrät der passionierte Naturfreund nicht. Es sei in der Außenlage der Gemeinde Dörphof gewesen. Bis heute habe er von der Begegnung nicht viel berichtet, sagt er im EZ-Gespräch. Als er nach seiner Beobachtung mal in Jägerkreisen davon etwas andeutete, da sei die Stimmung sehr negativ gewesen. Daher hielt er seine Beobachtung für sich. Er habe einfach zu große Sorgen gehabt, dass Menschen und Jäger dem Tier auf die Pelz rückten und ihn als vermeintlich streunenden Schäferhund erlegten. Dass es kein Schäferhund war, da ist sich Dittmers sicher. Mit Wölfen kenne er sich aus, sagt er. Er sprach mit Fachleuten und beschrieb seine Beobachtungen. Die Fachleute hätten seinen Verdacht bestätigt, sagt er. Vermutlich gehörte das Tier zum so genannten Niedersachsen-Rudel. Das junge Tier war auf der Wanderschaft Richtung Norden gewesen, so Dittmers Vermutung. Danach tauchte es nicht wieder auf.

Nicola Kabel, Pressesprecherin des Ministeriums für Energie, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, bestätigt auf Nachfrage der EZ, dass es einen entsprechenden Hinweis gibt. Im Ministerium laufen die Fäden zur Wolfsichtung im Land zusammen. Derzeit befinde man sich aber noch in der Klärung, sagt sie, daher könnte sie zu diesem Zeitpunkt nicht sagen, ob es sich um einen Wolf handelte oder nicht, sagt Kabel.

Aktuelle Wolfmeldungen liegen Jens Matzen, er ist Koordinator der Wolfbetreuer in Schleswig-Holstein, weder für das Land noch für Schwansen vor, sagt er auf EZ-Nachfrage.

Ungeachtet der ausstehenden offiziellen Bestätigung, kennt sich Dittmers mit Wölfen aus, wie er sagt. Wölfe hat er schon öfter gesehen und Erlebnisse mit ihnen gehabt. So hatte er vor Jahren auch eine Wolfbegegnung im Grenzbereich von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gehabt. Auch die sei spannend gewesen, aber harmlos und nicht bedrohlich.

Sehr viel bewegter war das Erlebnis, was Dittmers 1982/83 in Nordamerika hatte. Er war mit dem Auto wegen Benzinmangel liegen geblieben und musst zur nächsten Tankstelle laufen. Da wurde er von drei Wölfen in großer Entfernung begleitet. Die Distanz zwischen ihnen änderte sich über eine Stunde lang nicht. Dann waren es auf einmal fünf Timber Wölfe, die in nur etwa 200 Meter Entfernung am Waldrand in der Deckung standen und ihn beobachteten. „Das war dann nicht mehr so angenehm“, berichtet der Dörphofer. Es passierte aber nichts, nachdem Dittmers zweimal auf die Gruppe zugelaufen war. Dann hielten die Tiere den Abstand. „Als ich dann bei einem Haus war, zogen sie sich in den Wald zurück“. Auch wenn das alles lange her ist, die Erinnerung an die fünf Wölfe ist schon bewegend, berichtet Dittmers im Rückblick. Es sei definitiv dann lebensgefährlich, wenn man über länger als zehn Minuten von einem Rudel begleitet werde, vor allem im Winter. Dann würden auch schon zwei oder drei Tiere reichen, damit es kritisch werden könne, so Dittmers Einschätzung. „Grundsätzlich sind aber die Geschichten vom bösen Wolf nicht zutreffend“, sagt Dittmers.

Von einer Wolfmeldung in der Vergangenheit ist Friedrich von Ahlefeldt, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Damwild Schwansen, nichts bekannt. Auf EZ-Nachfrage betont er, dass er sich auch nicht vorstellen könne, dass sich im dicht besiedelten Schwansen so ein Tier aufhalte. „Da hätten wir auch keinerlei Handhabe“, sagt er. Und auch René Kinza, Leiter des Ordnungsamtes Schlei-Ostsee, der bei Schäden durch Wild bei landwirtschaftlichen Betrieben eingeschaltet wird, ist keine Wolfmeldung bekannt.

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