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Gütesiegel für den Wald : Wald-TÜV im Hüttener Forst

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ein Forstsachverständiger überprüft Einhaltung der PEFC-Vorgaben in den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten

von
erstellt am 04.Apr.2014 | 08:00 Uhr

PEFC. Die vier Buchstaben stehen für ein internationales Waldzertifizierungsprogramm (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes). Mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung kann jeder Waldeigentümer ein Bekenntnis zu den PEFC-Standards der Waldbewirtschaftung ablegen. Mit dem PEFC-Siegel werden Produkte gekennzeichnet, deren Holz aus umwelt- und sozialverträglicher Forstbewirtschaftung stammt. Auch die 48 000 Hektar der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten tragen das Gütesiegel. Verdient? Dieser Frage ging gestern Alfred Raunecker nach. Der Forstsachverständige war extra aus Augsburg angereist, um Reviere der Landesforsten auf Einhaltung der PEFC-Vorgaben zu überprüfen - darunter auch das rund 1200 Hektar große Revier von Thomas Kahn. Begleitet wurde Raunecker von Jens-Birger Bosse und Christiane Herty von den Landesforsten.

Anhand eines langen Vorschriftenkatalogs mit rund 60 Kriterien werden die Wälder jedes Jahr stichprobenartig überprüft. „Im Mittelpunkt steht die Nachhaltigkeit“, betonte Raunecker. Dabei gehe es nicht nur um den Zustand der Bäume, sondern auch um die Einhaltung ökologischer und ökonomischer sowie soziale Aspekte der Forstwirtschaft. „Kahlschläge ins nur in Ausnahmefällen erlaubt“, nannte Raunecker ein Beispiel. Bei den Waldeinsätzen dürfen zudem nur bodenschonende Maschinen zum Einsatz kommen und die vorgesehenen Rückeschneisen benutzt werden. Auch dürfen die Forstarbeiter nicht mit Dumpinglöhnen abgespeist werden und die Sicherheit bei der Arbeit muss gewährleistet sein. „Der Wald muss seine Erholungsfunktion erfüllen“, ergänzte Bosse.

Etwa zwei Drittel des deutschen Waldes sind nach PEFC zertifiziert. „Heute kommt kein Waldbesitzer mehr an PEFC vorbei, wenn er Holz verkaufen möchte“, sagt Bosse. Die Industrie achte beim Ankauf von Holz auf ein Zertifikat des Erzeugers. „Monetäre Vorteile habe die Selbstverpflichtung aber kaum“, sagt Bosse. Die Landesforsten hätten den Anspruch, nachhaltig zu wirtschaften, das wolle man durch das Gütesiegel nach außen demonstrieren. Ein hohes Niveau bei der Holzwirtschaft ist für Revierförster Thomas Kahn eine Herzensangelegenheit – ob mit oder ohne Zertifikat. „Eine vorbildliche und nachhaltige Waldwirtschaft ist die tägliche Praxis in Hütten“, so Kahn. Zur Nachhaltigkeit zähle auch die Arbeit von Thomas Kahn mit der Waldjugend und in den Waldkindergärten.

Interessiert am Besuch des Sachverständigers war gestern auch Lohnunternehmer Hans-Jürgen Plöhn aus Holzbunge. Seine Mitarbeiter seien regelmäßig für die Förstereien im Einsatz. „Jede Firma muss für Arbeiten im Wald zertifiziert sein“, erklärt er, das sei mittlerweile Voraussetzung, um überhaupt Aufträge zu erhalten. Anhand der Reifenspuren im Waldboden kann Raunecker nachvollziehen, ob die Forstarbeiter die vom Förster gekennzeichneten Rückewege eingehalten werden. Bei Verstößen gegen die PEFC-Vorgaben kann das Siegel aberkannt werden. Das Schlimmste sei die Hauptabweichung. „Hier wird von den Waldbesitzern systematisch gegen Vorgaben verstoßen“, erläutert Raunecker. In Hütten hat er so etwas nicht feststellen können. Ihm seien die vielen Verbissspuren und Schälschäden an den Bäume aufgefallen. Die Bemühungen der Försterei in Absprache mit den Jagdpächtern, das Problem in den Griff zu bekommen, sei aber vorhanden. Alles im grünen Bereich und Daumen hoch lautete letztlich das Fazit des Ortstermin, bei dem die gute fachliche Arbeit der Försterei bestätigt wurde.

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