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Wahrhaft großes Orchester und phänomenale Solisten

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Staatliches Sinfonie-Orchester Litauen und die Streichersolisten Janina Ruh und Noé Inui in der Stadthalle

von
erstellt am 19.Nov.2015 | 00:32 Uhr

Das November–Konzert der Konzertreihe Eckernförde bot eine erfreuliche Mischung aus Orchester– und Solo–Musik. Zu Gast war das Staatliche Sinfonie-Orchester Litauen mit seinem Dirigenten Gintaras Rinkevicius, der das Ensemble 1988 selbst gegründet hat. Die Litauer kamen mit einem Riesen-Ensemble: 66 Mitglieder insgesamt, davon allein 16 Erste Geigen, 8 Celli und 5 Kontrabässe. Wegen der Klangentfaltung hatte man die Seitenwände der bis auf den letzten Platz ausgebuchten Stadthalle beseitigt. Die Gäste aus Litauen hatten zwei hervorragende Streich-Solisten mitgebracht: Janina Ruh, Violoncello, und Noé Inui, Violine. Geboten wurden Werke von Jean Sibelius (1865-1957), Johannes Brahms (1833-1897) und Peter Tschaikowski (1840-1893). Von J. Brahms erklang als Hauptwerk des Abends das Doppelkonzert für Orchester, Violine und Violoncello in a-moll, op 102 aus dem Jahre 187l.

Die beiden hochkarätigen Solisten boten sowohl bei ihren Soli als auch im Zusammenspiel mit dem Orchester eine große Bandbreite der Interpretationsmöglichkeiten, sowohl bei ihren Soli als auch im Zusammenspiel mit dem Orchester. Es bestand stets eine vollkommene Harmonie. Die Musiker des Ensembles spielten exakt und doch geschmeidig, sauber und sicher; Dirigent Rinkevicius gab bei allen Werken des Abends klare Zeichen. Die große Zahl der Violinen brachte es mit sich, dass die Töne in der Höhe bisweilen etwas schrill klangen; trotzdem war der Ausdruck – ganz besonders bei den beiden großartigen Solisten – stets hervorragend.

Beim Andante erlebte man die typische Brahms-Seligkeit, die sowohl vom Orchester als auch von den beiden hervorragenden Solisten sicher aufgenommen und fortgeführt wurde; Violine und Violoncello glänzten bei ihren kadenzartigen Passagen, und die unisono-Takte hatten Leben und Ausdruck: selbst die höchsten Töne kamen absolut sauber. Im 3. Satz „Vivace non troppo“ gab es schwierige Doppelgriffe und immer wieder Klangfülle mit grandiosen Steigerungen – die beiden Solisten spielten phänomenal! Als Dank für den überaus reichen Beifall boten sie eine Variationsreihe von J. S. Bach.

Begonnen hatte das Konzert mit dem Tongedicht „Finlandia“ op. 26 Nr. 7 von J. Sibelius aus dem Jahre 1899. Fanfaren- und Trommelklänge stimmten ein, der große Bläser-Chor spielte majestätisch und akzentuiert. Bläser und Streicher boten gemeinsam einen abgezirkelten Wechsel und führten zu einer großen Klangentfaltung.

Nach der Pause hörte man die 5. Sinfonie in e–moll op. 64 von P. Tschaikowski. Nach dem zarten Beginn gab es auch hier eine große Klangentfaltung, die sogar in den exakten Synkopen zum Tragen kam. Faszinierend, wie sich die einzelnen Instrumentengruppen – Bläser, Streicher und das reich ausgestattete Schlagwerk – ablösten und sich ergänzten. Im 2. Satz „Andante cantabile“ – „mit gütiger Erlaubnis“, wie der Komponist bescheiden hinzufügt – erklang ein wunderschönes Hornsolo – hohes Lob!

Die eingängigen Melodien wurden vom großartig musizierenden Orchester voll ausgekostet. Nach dem heiteren und beschwingten Walzer, locker musiziert, folgte nahtlos das Finale mit dem behäbigen Andante, das bald ins lebendige und bizarre Allegro übergeht. Auch dieser Schlussteil wurde meisterlich und in voller Harmonie dargeboten – raumfüllende Klangsalven und bombastische Tongemälde inbegriffen!

Das Publikum war hellauf begeistert und sparte nicht mit Beifall. Das Staatliche Sinfonie-Orchester Litauen verabschiedete sich mit einem schwungvollen Tango.


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