Wahre Helden ohne völkische Misstöne

Das Kriegerdenkmal auf dem Friedhof am Mühlenberg in seiner vollen Ausdehnung.
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Das Kriegerdenkmal auf dem Friedhof am Mühlenberg in seiner vollen Ausdehnung.

Über den kritischen Umgang mit der eigenen Geschichte und dem grausamen Leid des Krieges: Das Kriegerdenkmal auf dem Mühlenbergfriedhof

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23. Dezember 2014, 06:17 Uhr

Geht man den Friedhofsweg vom Mühlenberg-Tor aus bis zu dem Obelisk der Borbyer Beliebung von 1827 und dort nach links, sieht man das Denkmal für „unsere gefallenen Helden 1914 – 1918“.

Erhöht auf einem Sockel steht die Kalksteinfigur eines gelassen und selbstbewusst wirkenden jungen Soldaten mit gesenktem Kopf und ernstem Gesichtsausdruck. Der muskulöse Körper ist nur mit einem breiten, locker auf den Hüften liegenden Schnallengürtel bekleidet. Die rechte Hand liegt auf dem Schwertknauf, die linke berührt die übergroße Schwinge eines Adlers, dessen Kopf die Blöße des Helden bedeckt. Eine seiner mächtigen Klauen umschließt den auf dem Sockel liegenden Soldatenhelm. Die kraftvolle Figur erhebt sich aus einem aus groben, viereckigen Steinen gemauerten Rund, das von nach oben führenden Stufen unterbrochen wird. Auf der Innenseite der Mauer sind 262 Namen der 'gefallenen' Eckernförder Soldaten eingemeißelt. Umrahmt wird das Ensemble von vier hoch gewachsenen Kastanien.

Es ist ein Platz greifendes, monumentales ’Kunstwerk’, das nach meinem Eindruck wenig beachtet wird. Vielleicht hat das mit der pathetischen, kriegsverherrlichenden Ideologie zu tun, die uns heute unangenehm berührt.

Antworten auf die Frage, was dem Betrachter 1924 mitgeteilt werden sollte, findet man in der Broschüre „Zur Erinnerung an die Denkmalsweihe in Eckernförde am 7. September 1924“. Danach trägt der junge Soldat die ganze Last und das ganze Weh seines Volkes. Der Adler symbolisiert das deutsche Volk. Er ist der kraftvolle Genius, der sich, wenn die Stunde geschlagen hat, zu neuem stolzen Fluge erheben wird (zitiert nach Seite 8). Diese Sätze tragen nicht zum Verständnis bei und lassen den Leser irritiert zurück. Es scheint so, als hätten wir heute nach 100 Jahren mit dieser unserer Vergangenheit nichts mehr zu tun, sie sei quasi aus dem Volksgedächtnis gestrichen, und das Denkmal wäre nur aus Versehen stehen geblieben.

Der Begriff „Helden“ für die Getöteten des Kaiserreichs wird allerdings auch heute noch missbraucht, um das Sterben in unsinnigen Kriegen zu glorifizieren. Viele der leidenden und sterbenden Soldaten von damals betrifft er nicht. Sie waren wahre Helden, weil sie ihr Schicksal auf sich genommen haben in Gedanken an Familie und Mitbürger, ohne völkische Misstöne, nur aus Verpflichtung für die Gemeinschaft und aus Dankbarkeit für das, was ihnen in ihrem oft sehr kurzen Leben zuteil wurde.

Einer dieser Helden war Asmus Witt, dessen Kriegstagebuch in der EZ vom 15.11.2014 abgedruckt wurde. Er berichtet in einfachen Worten ohne ideologische Überhöhung vom Leben und Sterben eines jungen Soldaten. Das Tagebuch liest man auch nach 100 Jahren mit innerer Beteiligung, Verständnis und Mitgefühl für die Generation, „die es ausfechten muss“ (Asmus Witt).

Die Erinnerung an ihr Schicksal bleibt Teil unserer Gegenwart und schützt unseren Friedenswillen.

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