Klimaschutzkonferenz : Wärmende Firmen und Stadtverwaldung

Rauchende Köpfe (v.l.): Sandra Giglmaier, Edgar Meyn (Grüne) und Martin Klimach-Dreger (SPD).
Rauchende Köpfe (v.l.): Sandra Giglmaier, Edgar Meyn (Grüne) und Martin Klimach-Dreger (SPD).

Bei der zweiten Klimaschutzkonferenz haben die Teilnehmer erste konkrete Ideen entwickelt.

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20. Juni 2015, 05:56 Uhr

Eckernförde | „2. Klimaschutzkonferenz eines integrierten Klimaschutzkonzeptes für die Stadt Eckernförde“: Ein inhaltsschwerer Titel, der es in sich hat. Gilt es doch, die fortschreitende Erderwärmung zu vermindern und den Anstieg des Meerespiegels – eine besondere Gefährdung für Eckernförde – mindestens zu verlangsamen. Was die Kommune vor Ort konkret zum Klimaschutz beitragen kann, wurde in der Sitzung des Umweltschutz-Arbeitskreises für vier Bereiche (Gebäude und Erneuerbare Energien, Kommune, Mobilitätswende und Wirtschaft) mittelfristig (bis 2030) und langfristig (bis 2050) festgelegt.

Gastgeber Dietmar Steffens, Geschäftsführer der Stadtwerke Eckernförde, zeigte am Donnerstagabend in seinem Begrüßungsvortrag, wie viel das Unternehmen durch verringerten CO2-Ausstoß bereits zum Klimaschutz beigetragen hat. Es gibt, wie die Vorschläge aus den Arbeitsgruppen zeigten, noch reichlich Potenzial, um den Verbrauch fossiler Energieträger und damit den Ausstoß von Treibhausgasen weiter zu verringern. Ideal, wenn dabei eine „win-win“-Situation herauskommt, die im Bereich der Rendsburger Straße durch eine Verbindung von Industrie und Einkaufszentrum denkbar wäre: Überflüssige Wärme aus industrieller Fertigung ließe sich durch Einspeisung in ein Nahwärmeversorgungsnetz für weitere Zwecke nutzen. Ideen gibt es genug, sie müssten nur koordiniert werden. So forderten die Teilnehmer einen Klimaschutz- und Energiemanager, der Umweltschutz und Kosteneinsparung verbindet.

Der Wärmeverbrauch spielt in der Kostenkalkulation von Herstellern, sei es Alkohol oder Gebläse, eine entscheidende Rolle. Gut, wenn man überflüssige „Reste“ aus der Fertigung preisgünstig weitergeben kann. Das entlastet die Kostenseite, noch besser ist der verringerte Ausstoß von Treibhausgasen. Auch wenn ein Energiemanager bezahlt werden muss – so stellten es sich die Teilnehmer der Arbeitsgruppe „Kommune“ vor – wäre ein Gewinn für alle Seiten, besonders die Umwelt, nicht ausgeschlossen.

Jeder kann etwas tun. Günther Ferch, Öko-Architekt aus Bornstein, ist von der Idee des Künstlers Joseph Beuys begeistert. Der hatte bereits 1982 als Kunstwerk auf der „documenta“ in Kassel damit begonnen, 7000 Eichen pflanzen zu lassen und damit seinen künstlerischen Beitrag zum Umweltschutz gezeigt. „Stadtverwaldung“ anstatt Stadtverwaltung und Kunst, die jeder im Kleinen nachahmen kann. Auch ein kleiner Ausgleich dafür, dass in dem eng bebauten Stadtgebiet Eckernfördes Windkraftanlagen zur Einsparung von Treibhausgasen keinen Platz haben.

An Ideen fehlte es nicht (siehe Info-Kasten). Sie werden nun von der Beraterfirma B.A.U.M.-Consult zusammengestellt und per E-Mail an die Teilnehmer geschickt. Gewünscht werden weitere Vorschläge. Der Terminplan steht schon fest: Nach der Ausarbeitung im Sommer und Präsentation im Umweltausschuss am 10. November kann die Ratsversammlung das bis dahin auf geschätzte 200 Seiten angewachsene Konzept am 15. Dezember beschließen.

Es gibt viele bekannte und noch nicht erkannte Möglichkeiten, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu vermindern. Bewusstes Verhalten zur Verminderung des Verbrauchs stehen an erster Stelle. Bei Neubauten und Neukauf von Verbrauchsgütern nimmt in Zukunft die CO2- Belastung der Umwelt eine wichtige Rolle ein.

Die Vorschläge der Arbeitsgruppen:

> Gebäude und Erneuerbare Energien
Ausbau von Photovoltaik-Anlagen auf Bundeswehr-Liegenschaften, Energie-Effizienz im Beherbergungsgewerbe, Photovoltaik-Kataster, Wärme-Rückkopplung am Meer
> Kommune
Klimaschutz- oder Energiemanager, Klimaschutzkommission, Nachhaltige und regionale Beschaffung, Slow City, Stadtverwaldung, Vorbildliches Verhalten und Bauen
> Mobilitätswende
Apps, um Parkplätze zu finden, Autofreier Urlaub, Bushaltestellen in den Stadtplan eintragen, Buslinie zum Strand (im Sommer), Fahrradparkhaus am Bahnhof, Fahrradrikschas am Bahnhof, Fahrradstraßen, Stauvermeidung, Trampstellen, Vernetzte Mobilität
> Wirtschaft
Ausbau von „Grüner“ Stromerzeugung, Grüner Strom - Vorteile bei Verträgen mit den Stadtwerken, Bildung von Energiepools, Erhöhung der Strompreise, die mit CO2-Ausstoß verbunden sind

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