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Eckernförder Zeitung

24. Oktober 2017 | 00:43 Uhr

Wachsame Engel über Eckernförde

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Engel begleiten die Menschen in Eckernförde an mehreren Stellen – nicht nur in den Kirchen

von
erstellt am 21.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Bürger und Gäste unserer Stadt haben sich an das schöne Bild zweier Engel gewöhnt, die hoch über Eckernförde schweben. Die bunt bemalte Statue auf dem Postgebäude ist von Otmar Alt gestaltet; sie blickt in Richtung Hafen, wo auf dem Rundspeicher eine von Firma Klinck vergoldete Statue den Blick erwidert. Initiator des „Engel-Jahres“ 2003 war Jochen Hillers, gemeinsam mit Norbert Weber hat er namhafte Künstler sowie Studenten der Muthesius Kunsthochschule gewonnen, die in Neuss vorgefertigte „Weihnachtsengel“ aus Polyesterharz phantasievoll bemalten. 2004 wurden die Engel für Unicef öffentlich versteigert, aber besonders interessante Arbeiten sind in Eckernförde heute noch aufzuspüren.

Dies sind aber nicht die einzigen Engel, die unsere Stadt prägen. Renaissance-Meister Michel Dibler hat 1588 an der Bronze-Taufe in St. Nicolai einen den Leidenskelch übergebenden Engel geschaffen, Bildhauer Hans Gudewerdt d. Ä. hat seiner Kanzel von 1605 in der Kirche ins Holz geschnitzte Engel zugeordnet, und von Hans Gudewerdt d. J. stammt der wundervolle Hauptaltar mit seinen Engeln in verschiedenen Formen und Funktionen. Diese Arbeit von 1640 zeigt „erwachsene“ Engelgestalten, die Leiter, Kreuz, Schwert und Waage halten, und sie lässt geflügelte Putten den barocken Rahmen des Altars stützen. Ungewöhnlich „menschlich“ sind diese Figuren gehalten, der Bildschnitzer formt meisterlich tapsige Kinderbeinchen und Gesichter mit selig aufgeblasenen Backen.

Das faszinierendste Engelbild begegnet uns, auf den ersten Blick ganz unscheinbar, im Rest eines Altar aus der ehemaligen St. Nicolaikirche in Schleswig. Das erhaltene Mittelstück eines holzgeschnitzten und bemalten Altaraufsatzes aus der Zeit um 1410 hatte laut Kirchenbuch-Aufzeichnung Clara Sehestedt einem Pastor Manitz geschenkt, der es an die Wand links von der Kanzel aufstellte. Dargestellt ist die Geburt Christi in Bethlehems Stall, zu sehen sind Maria, drei Hirten und im Hintergrund der Wirt, der mit einer Laterne drei Frauen (die Stifterinnen?) in den Stall geleitet. Die Krippe mit dem Jesuskind ist von einer Kinderschar umgeben – so formulierte lange Jahre die Kirchengemeinde. Karl-Friedrich Schinkel hat festgestellt, dass diese „Kinder“ einmal Engel waren, denen man nur vorsichtig die Flügel genommen hat - die Vertiefungen an den Schulterblättern sind noch deutlich zu ertasten. War dieses Bild erst einmal neu gedeutet, erkannte man dann auch – in Resten - die himmlischen Musikinstrumente, die die Englein einmal zu spielen hatten. Sollte diese Umwandlung des Bildinhaltes mit der Versetzung des Altars von einer katholischen Kirche in das protestantische St. Nicolai zusammenhängen?

Engel als preiswerte Massenware gibt es auch in Eckernförde. Auf den Friedhöfen haben Trauernde das Grab ihre Lieben mit kleinen Figuren aus Porzellan oder gar Plastik geschmückt. Auch diese Engel können ihre Aufgabe erfüllen: zu wachen und zu schützen und an die Endlichkeit unseres Lebens zu erinnern.

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