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Eckernförder Zeitung

23. Oktober 2017 | 19:25 Uhr

Wechsel : Waabs Mühle statt Bühne und Film

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Dieter Kirsten und Uschi Topp haben der Filmwelt den Rücken gekehrt und den Gasthof Waabs Mühle übernommen

von
erstellt am 16.Jan.2016 | 06:22 Uhr

Waabs | Karibik, Martinique, St. Lucia, USA, Kanada oder Europa – viele Länder auf der ganzen Welt haben sie gesehen, zuhause aber sind Dieter Kirsten und seine Partnerin Uschi Topp in Waabs. Seit Januar 2014 sind sie Eigentümer und Betreiber des Landgasthofs „Waabs Mühle“. Mit dem Einstieg in die Gastronomie haben sich die beiden einen kleinen Traum erfüllt.

Von der Pike auf gelernt haben sie das Gewerbe nicht, wenngleich Topp (62) Hauswirtschaftsmeisterin ist und Kirsten (68) im gastwirtschaftlichen Betrieb der Eltern im Erzgebirge groß wurde. Kirsten war jahrzehntelange freiberuflich als Produktions- oder Aufnahmeleiter bei Film und Fernsehen, während seine Partnerin Uschi Topp als Sekretärin, ebenfalls in der Film- und Medienbranche, tätig war.

Es sei eine tolle Zeit gewesen, sagt Kirsten, und blickt zurück. 1956 ist seine Familie aus der DDR nach Bremen gezogen. Dort machte er eine Ausbildung zum Dekorateur und Plakatmaler. Ein schöner Beruf, aber nicht sein Ding, wie Kirsten nach einigen Jahren feststellte. Sein Ziel war das Theater. Über einen Bekannten, den er in der Pension seiner Mutter kennen lernte, gelang im 1969 als Bühnenhandwerker der Einstieg in das Bremer Theater. Kirsten wollte mehr, mehr eigenverantwortlich arbeiten und zog 1972 nach Berlin. An der freien Volksbühne am Halleschen Ufer fand er Arbeit, nun als Requisiteur. 1976 sollte das Theaterstück Gorki verfilmt werden, Kameramann war damals Michael Ballhaus, berichtet Kirsten. An verschieden Drehorten in Berlin wurde gefilmt. Und es wurde jemand gesucht, der die Filmsets vorbereitet. Kirsten war zu Stelle. „Es war eine ganz andere Perspektive“, sagt Kirsten. Zwei Jahre lang macht er den Job und sprang auch immer mal für den Aufnahmeleiter ein. Das gefiel seinen Auftraggebern und so wurde er Aufnahmeleiter. Zu seinen ersten Produktionen gehörten Folgen der Serie „Neues aus Uhlenbusch“. Gut die Hälfte der rund 50 Folgen leitete er. Dabei lernte er auch Moritz Bleibtreu als Kind kennen, der mit seiner Mutter Monica Bleibtreu oft am Set war. Sie war eine der Autoren der Serien.

Inzwischen arbeitete Kirsten als so genannter Freelancer, also freiberuflich. Er war in Berlin ebenso zu Hause wie in Hamburg und reiste zu Drehorten durch die ganze Welt. Ein großer Kinofilm war 1995 „Stadtgespräch“. Produktionen, vor allem für öffentlich rechtliche Sender, reihten sich aneinander. Ob die Serie „Lisa Falk - Eine Frau für alle Fälle“, oder „Onkel Bräsig erzählt“ bis hin zu Reportagen und Dokumentationen, Kirsten liebte seine Arbeit.

Geschockt sei er gewesen als er Anfang des Jahres vom Tod von Maja Maranow hörte. Mit ihr arbeitete er bei der ZDF-Serie „Rivalen der Rennbahn“. Viele große Namen habe er kennen gelernt. So habe er mal Eddie Constantine vom Flughafen abholen dürfen und ein anders mal fuhr er Inge Meysel in ihr Hamburger Haus.

2011 stieg Kirsten aus, war 2012 noch als Gastdozent an der Filmhochschule Hamburg tätig, aber gemeinsam mit Uschi Topp schon auf der Suche nach einer neuen Aufgabe. Ihr Zwischenziel war Seedorf am Borgdorfer See, nordöstlich von Nortorf. Sie hatten genug von Großstädten und lieben die Natur. Denn nur zu Hause sitzen oder durch die Welt reisen, dazu hatten sie keine Lust. „Wir haben mehr als genug Urlaub gemacht“, sagt Topp, denn gedreht wurde immer in den Sommermonaten, den Herbst und Winter hatten sie viel Zeit zum Reisen.

Lange spielten sie mit dem Gedanken eine Fischzucht zu betreiben, hatten auch schon diverse Lehrgänge besucht, doch aus verschiedenen Gründen wurde es nichts. Von einem Filmdreh her kannte Kirsten Angeln und Schwansen und als sie Bekannte in Fleckeby besuchten, reifte bei ihnen der Wunsch nach Schwansen zu kommen. Gezielt suchten sie Gastronomiebetriebe und wurden in Waabs fündig.

Dort erwarben sie am 1. Januar 2014 den Gasthof mit Nebengebäude. Im Nebengebäude wollen sie nach dessen Sanierung wohnen. Zwei Monate lang renovierten und bauten sie das Restaurant um. Inzwischen bieten sie sieben schicke Doppelzimmer und ein Einzelzimmer an. Der Gastraum wurde umfangreich modernisiert und liebevoll gestaltet. Serviert wird frische deutsche Küche, wobei sie auf Konvenienz-Produkte verzichten. Frischer Fisch und regionale Produkte stehen auf ihrer Karte. Bei Bedarf steht Kirsten auch in der Küche, denn Kochen hat er über alle die Jahrzehnte gelernt. Uschi Topp, die seit 1998 mit Kirsten zusammen ist, hat als Hauswirtschaftsmeisterin den Überblick. Ihre Entscheidung für Waabs haben sie nicht bereut. Jetzt ist aber erstmal Ruhepause, bevor am 1. März der Betrieb wieder anläuft.

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