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Brunftzeit und Wildunfälle : Vorsicht vor liebestollen Hirschen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Brunftzeit hat begonnen. Bereits nach zwei Wochen verzeichnen Jäger und Jagdpächter einen hohen Anstieg der Wildunfälle auf den Straßen in SH. Autofahrer sollten ihre Fahrweise anpassen.

Sobald die Dämmerung eintritt und die Nacht hereinbricht, gehört die Straße nicht mehr nur den Autofahrern. Uralte Wildwechsel und Brunftplätze, die das Damwild schon seit ewigen Zeiten auf seinen Wanderungen benutzt, lange bevor es asphaltierte Wege gab, queren Land- und Kreisstraßen. Es ist der Monat Oktober – die Brunftzeit. Eine hoch aktive Zeit, nicht nur für die Damwildhirsche, die zu dieser Zeit gefährlich leben, sondern auch für die Jäger in den Revieren. Trotz zahlreicher Warnschilder, die an den Hauptwildwechseln seit rund drei Wochen aufgestellt wurden, kommt es beinahe in jeder Nacht zu Wildunfällen auf den Straßen Schwansens. Holger Andersch, Hegeringleiter des Hegerings Schwansen-Süd, weiß von 13 belegten schweren Verkehrsunfällen mit Wildbeteiligung – die Dunkelziffer nicht mitgezählt.

11 000 Hektar umfasst das Gebiet des Hegerings drei, das in 34 Reviere aufgeteilt ist und sich von der Schlei bis zur Eckernförder Bucht erstreckt. „Die Brunft hat angefangen, die Hauptbrunft steht kurz bevor“, erklärt Andersch den verstärkten Wildwechsel auf den Straßen, „die Hirsche sind jetzt am Ziehen.“ Rund sechs Wochen müssten die Tiere jetzt körperliche Hochleistung vollbringen, so Andersch. In dieser intensiven Zeit verlassen sie ihren Einstand und ziehen zu den Brunftplätzen, wo die Damtiere bereits warten. Rivalitätskämpfe mit Artgenossen sind an der Tagesordnung. „In dieser Zeit fressen die Hirsche so gut wie gar nicht“, sagt der 48-Jährige. Sie folgten in der Brunftzeit einzig und allein ihrem Instinkt, sich mit den Damtieren zu paaren – ein Auto auf der Straße halte sie nicht von ihrem Weg ab.

Wie in den anderen drei Hegeringen Schwansens ist auch im Hegering drei das Damwild in hoher Zahl vertreten. Zwischen den Gebieten findet ein reger Austausch statt. „Ein Hirsch wandert schon mal bis zu 20 Kilometer zu einem Brunftplatz“, beschreibt der Barkelsbyer, der seit 27 Jahren den Jagdschein hat und seit elf Jahren das Amt des Hegeringleiters innehat.

„Wenn diese Schilder am Straßenrand stehen, sollten sie wirklich Ernst genommen und die Fahrweise angepasst werden“, rät Andersch. Sein Tipp an die Autofahrer: Mit 60 Stundenkilometer vor allem nachts auf den Straßen zu fahren. Dann habe der Fahrer noch einige Sekunden Zeit zum Reagieren. Sollte es dann doch zu einem Wildunfall kommen, sollte die Polizei über den Notruf 110 gerufen werden. Diese verfügt über eine Liste mit den zuständigen Jägern oder Jagdpächtern, die den Hirsch erlösen und von der Straße holen. Da ein angefahrenes Tier seinem Instinkt folgend häufig noch versuche zu flüchten, sei es zwecks schnellerer Auffindung des Wilds ratsam, ein Taschentuch oder ähnliches am Leitpfosten festzubinden oder sich eine Markierung am Straßenrand zu merken, empfiehlt der Hegeringleiter.

Andersch weiß um die möglichen Folgen eines Wildunfalls sowohl für das Tier als auch für den Menschen und das Fahrzeug. Er erinnert an den schweren Unfall vor Jahren auf der B203, als eine Frau beim Zusammenstoß mit einem Damwildhirsch ums Leben kam. Er selbst war damals für die Entsorgung des Kadavers zuständig. „Wenn man sieht, was geschehen kann, ist das schon eine harte Nummer“, sagt der Barkelsbyer.

Als besonders unfallträchtige Straßen, auf denen der Autofahrer auf jeden Fall zu jeder Zeit mit dem plötzlichen Auftauchen eines bis zu 80 Kilogramm schweren Hirschen rechnen muss – „da bleibt kein Auto heil“, so Andersch – nennt er die Landesstraße 27 zwischen Rieseby und Thumby im Bereich Hörst, im Revier Stubbe die Wechsel zu den Brunfplätzen, an der B 76 in Höhe des Truppenübungsplatzes, an der B 203 auf Höhe der Gemeinde Loose/Kasmarker Höhe, auf der Höhe des Kürbisfeldes und auf der Höhe Saxdorfer Moor/Moorbrücke.

Je niedriger die Temperaturen, desto liebeswütiger seien die Damwildhirsche und umso häufiger auf den Straßen anzutreffen, verrät Holger Andersch, da die Tiere es eher kalt mögen. Wer jetzt in den Wald geht, könne ihren Brunftschrei auch am Tage hören. Er erinnere eher an ein Rülpsen oder Schnarchen statt eines Röhrens wie beim Rotwild. Die Brunft selbst dauere noch rund vier Wochen, in denen der Autofahrer eine erhöhte Aufmerksamkeit zeigen müsse. „Denn wir können nicht alle Wildwechsel schließen“, so Anderschs Fazit.

 

 

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erstellt am 16.Okt.2014 | 07:58 Uhr

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