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verstärkter opferschutz : „Vorsicht ist keine Unhöflichkeit“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Seniorenbeirat der Gemeinde Gettorf informiert sich über das Thema „Gewalterfahrung im Alter“. Uwe Rath vom Weißen Ring, Außenstelle Kreis Rendsburg-Eckernförde, fordert verstärkten Opferschutz.

shz.de von
erstellt am 02.Apr.2014 | 06:07 Uhr

Jeden kann es treffen. Auf offener Straße, in der eigenen Wohnung, auch am hellen Tag. Besonders ältere Menschen werden immer wieder Opfer von Diebstahl und Trickkriminalität. Da ist der Enkeltrick, bei dem eine Dame einem ihr völlig unbekannten vermeintlichen Freund ihres Enkels 5000 Euro überlässt, der es angeblich dem Enkel übergibt. Oder die scheinbar schwangere Frau, die bei einem älteren Herrn an der Tür um ein Glas Wasser bittet, um die Wohnung nach Bargeld zu durchsuchen. Diese und noch andere Vorgehensweisen sind das tägliche Brot des Leiters der Außenstelle des Weißen Rings Rendsburg-Eckernförde, Uwe Rath. Im Rahmen der 38. Sitzung des Seniorenbeirats Gettorf berichtete er über „Gewalterfahrung im Alter“. Vorsitzender Prof. Dr. Roland Lauterbach wies auf die Dringlichkeit des Themas hin, obwohl die ländliche Gemeinde Gettorf im Vergleich zum Großstadtbereich weitaus weniger betroffen sei.

Ist ein älterer Mensch Opfer eines Trickbetrügers geworden, zählt neben dem materiellen Schaden vielmehr die seelische Verletzung. „Die psychischen Folgen sind die schlimmsten“, so Rath. Über die Täter werde ständig berichtet, beim Opfer bleibe niemand. Und genau hier sei der Weiße Ring zur Stelle. Seine ehrenamtlichen Mitarbeiter nehmen sich Zeit fürs Zuhören, wollen dem Opfer neuen Lebensmut vermitteln, leisten Unterstützung im Umgang mit Behörden und Gericht, suchen Therapeuten für psychotraumatologische Erstgespräche, falls erforderlich, und leisten auch ganz konkret finanzielle Hilfe in Form von Hilfeschecks. So habe der Weiße Ring allein im vergangenen Jahr im Kreisgebiet 40 000 Euro an 250 Opfer ausgeschüttet. Neben der Unterstützung eines jeden Einzelnen seien die wichtigste Aufgaben des Vereins die Prävention und die Lobbyarbeit zugunsten der Opfer von Straftaten, um ihre Rechte zu stärken. So tritt der Weiße Ring jetzt verstärkt für die Schaffung des Berufszweigs Fachanwalt für Opferrecht ein, um die Opfer nachhaltig vor Gericht vertreten zu können.

Älteren Menschen rät Rath, ein gesundes Misstrauen an den Tag zu legen: „Vorsicht ist keine Unhöflichkeit.“ Diese sei stets geboten, so auch beispielsweise beim Geldabheben. Man wisse nie, wer einem da gerade über die Schulter schaue. Rath empfiehlt beim jedem Bankgang nur zu einer niedrigen Summe. Als Opfer solle man sich nicht schämen, sondern sofort den Polizeiruf 110 wählen.

 

Weißer Ring, gegründet 1976, EU-weite Telefonummer: 116006

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50 000 Mitglieder, 420 Anlaufstellen, 30

 

00 Ehrenamtliche bundesweit, in Schleswig-Holstein: 16 Außenstellen

,

160 Mitarbeiter

 

 

www.weisser-ring.de

 

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