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Eckernförder Zeitung

23. Oktober 2017 | 01:16 Uhr

Vornehmer Bogenstrich bezaubert Publikum

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 16.Mai.2014 | 11:48 Uhr

Am Musikhimmel ist ein neuer Stern aufgegangen: das junge Ungarische Kammer-Orchester, gegründet 2011. Am Donnerstagabend war es auf Einladung der Konzertreihe zu Gast in der Stadthalle. Der künstlerische Leiter und gleichzeitig Violin-Solist, Kristóf Baráti, spielte auf einer Stradivari-Geige von 1703.

Auf diesem Instrument zelebrierte er zwei Violin-Konzerte, zuerst das bekannte Werk in E-Dur, BWV 1042 von J.S. Bach. Der 35-Jährige hat einen vornehmen Bogenstrich, mit dem er sehr unterschiedliche Klänge hervorzaubert. Das Kammer-Orchester spielte praktisch ohne Dirigent, nur der Konzertmeister am ersten Pult gab fast unmerkliche Zeichen. Im Adagio spielte der Solist andächtig, das stringente Tempo des Finalsatzes führte zu fast halsbrecherischen Figuren.

Auch im d-moll-Violin-Konzert von Felix Mendelssohn-Bartholy gab es viele Läufe und bewegte Figuren für ihn, aber auch die schwelgenden Passagen fanden den passenden Ausdruck. Im gesanglichen Andante gab es ein Violin-Solo, ausgezeichnet gestaltet. Nach dem letzten zarten Ton herrschte im vollbesetzten Saal atemlose Stille, bis das lebendige Final-Allegro die Spannung löste und mit heiteren Passagen einen bewegten Schlusspunkt setzte.

Von Felix Mendelssohn-Bartholy erklang auch die dreisätzige Streicher-Sinfonie in e-moll. Das angedeutete Fugen-Thema im Allegro di molto in allen Stimmen kam stets klar zum Ausdruck. Das Andante im Dreiertakt brachte farbige Harmonien, die das 16-köpfige Ensemble voll auskostete.

Im zweiten Teil des Konzertes erklang „Souvenir de Florence“ in d-moll, op. 70 von Peter Tschaikowsky . Bei den „Erinnerungen an Florenz“ erwartete man heitere Melodien, aber der Komponist hat sie in schwere russische Musik gepackt. Das viersätzige, 40-minütige Werk hat fast Sinfonie-Ausmaße, braucht aber keine Bläser. Die Taktverschiebungen im Allegro con spirito meisterten die jungen musici problemlos, und die Melodiebögen, die sich durch alle Stimmen hindurch zogen, kamen klangvoll und absolut exakt zur Geltung. Im Adagio cantabile traten auch ein Cellist und ein Bratscher als Solisten auf. Im Allegro moderato war das Ensemble durch virtuose Passagen hoch gefordert.

Im Finale gab es sowohl fein ziselierte als auch kompakte, volltönende Stellen – frappierend, welche unterschiedlichen Ausdrucksformen das junge Orchester bereits beherrscht. Der reichhaltige und andauernde Beifall animierte die jungen Ungarn zu einer schwungvollen Haydn–Zugabe.

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