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Suche nach Windeignungsflächen : Von Windrädern „umzingelt“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Landschaftsplaner Matthias Valkema und Frank Metasch zeigen sich im Umweltausschuss bestürzt über mögliche neue Windeignungsflächen am westlichen Noorufer und in der Goosseeniederung.

Eckernförde | Den Natur- und Landschaftsschützern schwant Böses. Rund um Eckernförde hat die Landesplanung großräumige Suchräume als potenzielle Windeignungsflächen und mögliche Standorte für weitere Windräder ausgewiesen. Das betrifft unter anderem die Halbinsel Schwansen, die Ausweitung des Bürgerwindparks Holtsee-Altenhof bis hinein in die Goosseeniederung und den Raum Windeby mit dem westlichen Noorufer. Sollten diese Gebiete tatsächlich mit 180 Meter-Windrädern bestückt werden, „wäre die Umzingelung Eckernfördes perfekt“, sagten die Landschaftsplaner Matthias Valkema und Frank Metasch am Mittwochabend im Umweltausschuss. Ihrer Überzeugung nach müssen die massiv in die charakteristischen Landschaftsräume und Vogelzuglinien platzierten Windeignungsflächen Goosseeniederung, westliches Noorufer, Habyer Berge und Südschwansen, die alle im Nahbereich der Stadt Eckernförde liegen, von Windrädern frei bleiben und auf der Übersichtskarte des Landes wieder gestrichen werden. Der ausgewiesene Flächenanteil von 7 Prozent der Landesfläche soll im Laufe des Beteiligungsverfahrens für den neuen Regionalplan bis 2017 auf 2 Prozent reduziert werden – der größte Teil der potenziellen Windeignungsflächen wird also sowieso gestrichen. Für die Natur- und Landschaftsschützer und Kommunen geht es jetzt darum, sich im Beteiligungsverfahren zu positionieren und Argumente für die Streichung der Windeignungsflächen zu finden. Der Umweltausschuss signalisierte am Mittwoch seine Unterstützung beim Kampf gegen den Bau weitere Windräder in der Umgebung Eckernfördes, um die Zerstörung sensibler Natur- und Landschaftsräume zu verhindern.

Frank Metasch ist selbst ein Windkraftpionier und hat schon Anfang der 90-er Jahren in Dithmarschen Fundamente für damals noch wesentlich kleinere Windräder gebaut. Matthias Valkema ist Landschaftsarchitekt, Natur- und Landschaftsführer und Vorsitzender des Naturschutzbundes Eckernförde. Beide sind nicht grundsätzlich gegen die Windenergie, allerdings gegen falsche Standorte getreu dem Motto von Hubert Weinzierl, dem Ehrenpräsidenten des Deutschen Naturschutzrings: „Es gibt keine schlechten Windräder, es gibt nur unpassende Standorte.“ Und davon, so Metasch und Valkema, gibt es in der sogenannten „Goldkarte“ des Landes – benannt nach den orange-goldfarbigen Markierungen für Windeignungsflächen – einige. „Wir befürworten die Windenergienutzung an passenden, also menschen- und naturverträglichen Standorten. Im Eckernförder Umland müssen unpassende Standorte jedoch noch verhindert werden“, fordern sie.

Die „unpassenden“ Standorte behinderten überregional wichtige Vogelzuglinien der Wasservögel im Frühjahr und Herbst im Bereich der Goosseeniederung und des westlichen Noorufers und zerstörten charakteristische Landschaftsräume wie in Südschwansen und in den Habyer Bergen, erklärten die Referenten. Beide Kriterien – Vogelzuglinien und charakteristische Landschaftsräume – seien allerdings keine Ausschlusskriterien für neue Windparks, sondern lediglich „wegwägbare Abwägungskriterien“ wie auch Landschaftsschutzgebiete, Naturparke oder die Umzingelungswirkung. Umso wichtiger sei es, Argumente für den Ausschluss dieser möglichen Windeignungsflächen zu entwickeln. Ausschlusskriterien sind z. B. FFH-Gebiete, geschützte Biotope oder Abstandsregelungen – Siedlungen + 800 Meter und Splittersiedlungen + 400 Meter (Frank Metasch:„Das ist menschenverachtend wenig.“).

Schleswig-Holstein ist Vogelzugland. Die trichterförmige Eckernförder Bucht sei der „Einflugkorridor für ziehende Wasservögel auf dem Fehmarn-Nordsee-Wasserweg, der sich in drei Zugrouten Richtung Föhr und Sylt sowie Husum und Richtung Eider aufteilt. Genau in diesen Zugrouten liegen die möglichen neuen Windeignungsflächen am westlichen Ufer des Windebyer Noores und die mögliche Erweiterung des Windparks Holtsee-Altenhof in der Goosseeniederung. „Wir haben die Landesplanung gebeten, diese Flächen herauszunehmen“, sagte Matthias Valkema. Ein großes Problem seien die vielen durch die langen und extrem schnellen Flügel der Windräder getöteten Vögel. Neben den klassischen Zugvögeln seien besonders Großvögel wie Seeadler, Rotmilan, Mäusebussard, Kranich, Gänse und Schwäne sowie Fledermäuse betroffen. 1600 Vögel sterben pro Jahr durch Windräder, sagte Valkema. „Die Population der Mäusebussarde ist gefährdet.“ Wie die EZ am 7. März („Problemvogel für die Windkraft“) berichtete, ist seit der Jahrtausendwende der Brutbestand des Mäusebussards im Norden laut Landes-Artenschutzbericht bereits um 70 Prozent zurückgegangen.

Metasch präsentierte drei Fotomontagen von Szenarien, die „im Bereich des Möglichen liegen. Es kann tatsächlich so kommen“, sagte Metasch. Er visualisierte Landschaftsbilder vor und nach der Aufstellung von Windrädern von drei Standorten aus: Habyer Berge bei Lehmsiek Richtung Eckernförder Bucht / Südschwansen, Altes Leuchtfeuer in Eckernförde Richtung Südschwansen und Blick auf das westliche Noorufer. Allein im Windpark Loose und Saxtorf im Raum Südschwansen seien elf Windräder geplant. Metasch rechnet mit weiteren Genehmigungen: „16 Windkraftanlagen sind im Bereich des Möglichen. Aus landschaftlicher Sicht ist das total unverständlich.“ Gleiches gelte für die Goosseeniederung, die für den Biotopverbund eine überragende Bedeutung habe. „Wir waren wirklich total schockiert. Die Goosseeniederung muss frei bleiben“, fordert der Landschaftsplaner. Und Windräder am Westufer des Windebyer Noores würden wie eine „Totalbarriere“ für den Vogelzug wirken. „Es ist uns schleierhaft, wieso dieser Bereich als Eignungsgebiet aufgeführt wird“, zeigte sich Metasch fassungslos.

Bürgermeister Jörg Sibbel merkte an, dass die Stadt im Januar bereits eine kritische Eingabe an die Landesplanung gemacht habe. Allein aus der Wilhelm-Lehmann-Straße am südlichen Stadtrand hätten zudem 42 Bürger gegen mögliche Windparkpläne protestiert. „Wir möchten die Eckernförder und die Bürger im Umland darauf aufmerksam machen, was ihnen blühen könnte“, begründete Valkema die Eindringlichkeit des Vortrags. Negative Auswirkungen sieht er auch für den Tourismus, wenn weitere 180 Meter hohe und bis in 20 Kilometer Entfernung sichtbare Windräder gebaut werden würden. Valkema regte eine Umfrage unter Urlaubern an, um ein Meinungsbild zu erhalten. „Wichtig ist, dass die richtigen Flächen genutzt werden“, erklärte sein Kollege Metasch. Entlang der A 7 gebe es genügend dünn besiedelte Flächen, wo dies möglich und auch die Akzeptanz in der Bevölkerung höher sei. Er hofft, dass die drei vom Land beauftragten Planungsbüros den Argumenten aus Eckernförde folgen und die monierten Flächen auf der „Goldkarte“ streichen.

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erstellt am 11.Mär.2016 | 06:31 Uhr

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