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Eckernförder Zeitung

20. August 2017 | 23:48 Uhr

Von U-Booten und der weißen Flotte

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Vortrag „Schiffe und Schifffahrt“ der Heimatgemeinschaft Eckernförde lockte rekordverdächtige 290 Besucher an

Das Interesse an der einst dänischen Segelfregatte Gefion war riesig. Nahezu jeder Zuhörer des Vortrags „Schiffe und Schifffahrt in Eckernförde“ von Dr. Jann Markus Witt wollte das Modell des Schiffes, das am 5. April 1849 von den schleswig-holsteinischen Truppen im Zuge des Gefechts in der Eckernförder Bucht gegen die Dänen erbeutet wurde, aus nächster Nähe betrachten. Detailgetreu nachgebaut von Peter Rinke entführte das Modell den Betrachter in vergangene, glorreiche Zeiten. Witts Referat in Carls Showpalast war eine Fortsetzung der monatlichen Vortragsreihe der Heimatgemeinschaft Eckernförde. „Rekordverdächtig“ nannte Vorstandsmitglied Dr. Heinrich Mehl die Besucherzahl: 290 Gäste wollten mehr über die Schifffahrt im Ostseebad wissen.

Witt bezeichnete das Sachgebiet als eines seiner „Leib- und Magenthemen“, vereinige es doch schleswig-holsteinische Landesgeschichte und die Historie der Seefahrt. Der Historiker betreut in Laboe das Marineehrenmal und ist Dozent am „Wehrgeschichtlichen Ausbildungszentrum der Marineschule Mürwik. Trotzdem gilt die Liebe des gebürtigen Eckernförders dem Ostseebad – was auch in seinem Buch „Seefahrtsgeschichte Schleswig-Holsteins in der Neuzeit“ zu lesen ist.

Witt spannte einen weiten Bogen von den Wikingern mit ihren Drachenbooten über die Hanse mit ihren Koggen bis Ende des 20. Jahrhunderts. Im 17. Jahrhundert seien die drei Wirtschaftszweige Fischerei, Seehandel und Brauerei des Kakabille-Bieres gleichrangig gewesen, am Ende des Jahrhunderts sei nur die Schifffahrt übrig geblieben, so Witt. Es war der Unternehmergeist von Eckernförder Kaufleuten, deren Name untrennbar mit der Blütezeit der Schifffahrt verbunden ist: die Reederei und das Handelshaus Otte. Nach 1730 war Christian Otte Alleinreeder seiner sieben Schiffe, die bis Norwegen, England und Frankreich fuhren.

Im 18. Jahrhundert befuhren Dreimastgalioten und einmastige Jagten die Ostseeküste. Unruhige Zeiten bescherten der Schifffahrt nicht nur Kriege oder Stürme, sondern auch Meutereien, die es selbst im kleinen Ostseebad gegeben hat. Das Handelsembargo Napoleons 1807 gegen England brachte die Schifffahrt im Laufe der Jahre völlig zum Erliegen. 1815 bestand die Handelsflotte nur noch aus 15 Schiffen mit einer Gesamttragfähigkeit von 305 Commerzlasten (eine Commerzlast entspricht rund zwei Tonnen).

Robbenschläger, Fischereiboote, sogenannte Quasen, um 1860, das U-Boot namens Forelle, das im Sommer 1903 in der Eckernförder Bucht unter strengster Geheimhaltung erprobt wurde und Butterschiffe – sie alle verkehrten in der Eckernförder Bucht. Letztere befuhren bis 1999 die Ostsee. „Die Einstellung der Butterfahrten bedeutete für viele Rentner Vereinsamung, da die Butterschiffe gerade für ältere Menschen ein wichtiger sozialer Treffpunkt gewesen sind“, sagte Jann Markus Witt.

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erstellt am 12.Feb.2014 | 16:39 Uhr

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