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Die singalesische Sichtweise : Von Sri Lanka nach Eckernförde

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die 16-jährige Lihini aus Sri Lanka war drei Monate zu Gast in Eckernförde. Deutschland sei schön und die Menschen freundlich, nur dem Essen fehle die Würze.

shz.de von
erstellt am 20.Jun.2017 | 06:15 Uhr

Eckernförde | Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht: dort das sonnendurchflutete Sri Lanka mit seinem Dschungel und exotischen Tieren, hier das kalte Deutschland mit seinen Autobahnen im Nieselregen. Für Lihini ist Deutschland dennoch ein „schönes Land“ mit „sehr freundlichen Menschen“. Die 16 Jahre alte Singalesin hat als erste Asiatin acht Wochen lang als Austauschschülerin die Jungmannschule besucht und keinen Tag ihres Aufenthalts in Eckernförde bereut. Allein: „Das Essen in Sri Lanka ist besser gewürzt.“

Lihini ist seit drei Monaten zu Gast bei Susanne Karau und Uwe Jöhnk. Die beiden haben im Urlaub im Südwesten Sri Lankas das Mädchen-Internat „KSF College“ besucht, in dem Lihini zur Schule geht, und wollten helfen. „Ein deutsches Ehepaar hat das Internat für Mädchen gegründet, weil Frauen in Sri Lanka immer noch unterpriviligiert sind“, sagt Susanne Karau. „Bildung ist der einzige Weg, um das zu ändern.“ Das Eckernförder Paar übernahm eine Schulpatenschaft für das Mädchen, das zweimal in der Woche Deutschunterricht hat, und lud es für drei Monate nach Eckernförde ein. Sie kam im April bei 4 Grad in Frankfurt an. Solche Temperaturen hat Lihini noch nicht erlebt. „Das war richtig kalt“, sagt sie.

Der Unterricht in Deutschland sei anders, es gebe nicht nur Frontalunterricht, sondern auch die Schüler halten Referate. So wie sie selbst. Für ihre Präsentation über ihr Heimatland hat sie sogar eine Eins bekommen. Dabei stellt die Sprache durchaus noch ein Problem dar. Nicht alle deutschen Wörter sind Lihini geläufig. „Aber dafür lernt sie unwahrscheinlich schnell und fleißig“, sagt Susanne Karau. Jeden Tag komme sie fröhlich aus der Schule und setze sich an die Hausaufgaben. „Dabei hat sie den Anspruch, alles perfekt zu erledigen.“ Wie ein Schwamm sauge sie Informationen auf, die Fragen gehen ihr nicht aus.

Zu Hause hat sie teilweise zwölf Stunden am Tag Unterricht, lernt in ihrem Schlafsaal auf der Bettkante weiter und steht schon früh wieder auf, um noch vor der Schule weiterzulernen. Lihini weiß, wie wichtig Bildung ist. Und Unabhängigkeit. „Ich will nicht heiraten“, sagt sie. „Ich möchte frei bleiben und Professorin für englische Literatur werden.“ Eine moderne Einstellung in einem Land, in dem viele Frauen früh heiraten und sich um Haus und Familie kümmern.

Der Besuch in Deutschland hat ihr Einblicke in eine andere Welt gewährt. Eine Welt, in der sich Jungs und Mädchen auf offener Straße küssen. „Das war anfangs merkwürdig, aber jetzt habe ich mich daran gewöhnt“, sagt sie. Und sie weiß es zu schätzen, dass sie allein oder zusammen mit Schulfreundinnen durch die Straßen gehen kann, ohne Angst vor einem Überfall haben zu müssen. Aber auch für Susanne Karau und Uwe Jöhnk waren die drei Monate lehrreich: „Man ist immer wieder geerdet worden“, sagt Uwe Jöhnk. „Wenn wir zum Beispiel zum Frühstück richtig aufgefahren haben und sich Lihini mit einem einfachen Stück Toastbrot zufrieden gegeben hat.“ Susanne Karau hat besonders die Wissbegierigkeit und der enorme Ehrgeiz beeindruckt.

Am besten gefallen hat Lihini Hagenbecks Tierpark, wo sie zum ersten Mal Eisbären und Pinguine gesehen hat. In Eckernförde hat sie den Hafen lieben gelernt. „Und Quallen.“ Die Tiere faszinieren Lihini, der sonst Elefanten und Cobras in freier Wildbahn über den Weg laufen. Und auch mit dem für ihren Gaumen nur schwach gewürzten Essen hat sie sich arrangiert, besonders mit Currywurst und Pommes. Allerdings nur noch wenige Tage, denn dann fliegt sie wieder zurück in ihre Heimat.

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