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Ihre Namen sind Legenden : Von Schwanenvater, Kaptain Souvenirs und Seegras-Paule

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Einige unvergessene Eckernförder Originale haben die Zeit überdauert. Legenden ranken sich um ihre Lebensgeschichten. Auch heute leben in Eckernförde Menschen mit besonders markanten Erscheinungsbild.

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erstellt am 31.Okt.2013 | 06:42 Uhr

Auch heute treffen wir auf Eckernfördes Straßen und Plätzen Persönlichkeiten, die durch Originalität, seltsames Verhalten, rätselhafte Kleidung auffallen. Da ist der Mann mit Pfeife, der ständig nach der Uhrzeit fragt, da ist die Frau, die rückwärts geht, das Mädchen im Rokoko-Kostüm, der „Künstler ganz in Weiß“, die Dame mit „Rikscha“, in der ihr Hündchen sitzt. Die Höflichkeit gebietet, dass wir solche Begegnungen nicht publizistisch ausmalen.

Aus der Vergangenheit aber sind Originale bekannt, über die man schreiben darf - sie sollten gewürdigt werden, ehe die Erinnerung an sie verblasst. So war jahrzehntelang ein Mann unterwegs, den alle „Schwanenvater“ nannten. Eine rote Mütze auf dem Kopf, manchmal ein Kaninchen in der Jackentasche, besuchte er Eckernfördes Bäcker, um altes Brot und Brötchen einzusammeln. Damit fütterte er die Schwäne, „seine Schwäne“, am Noor und am Lachsenbach - sahen sie ihren Freund schon von Weitem, schwammen sie ihm freudig entgegen. Erst nach seinem Tod 1982 erfuhren die Eckernförder, dass der „Schwanenvater“ Sepp Bernard hieß, aus Österreich stammte, Ingenieur bei der TVA und Kunstmaler gewesen war.

Noch rätselhafter erschien den Bürgern, vor allem auch den Kindern Eckernfördes, die Figur des „Seegras-Paule“. Der Mann, wohl aus Russland stammend, lebte an der Süderhake in Nähe des einstigen Parkgebietes „Kamerun“, hatte dort eine Hütte und schnitt das Seegras an den Ufern des Noors. Er verkaufte es als Füllmaterial für Matratzen. Da er russisch klingendes Deutsch sprach, wurde er von den Kindern gehänselt und verspottet. Nach Ausbruch des Krieges mit Russland verschwand diese rätselhafte Gestalt — seine Deportation in ein KZ erscheint wahrscheinlich.

Eine verehrte Persönlichkeit war Erich Straßburger, der „blinde Klavierstimmer“ Er besaß einen Hökerladen in der Gudewerdtstraße, den er, nach dem frühen Tod seiner Frau, trotz völliger Blindheit allein und erfolgreich betrieb. Bekannt aber war er durch seinen Nebenberuf des Klavierstimmers. Wenn der „Seegarten“ oder der „Kaiserhof‘ ein Klavier neu stimmen lassen mussten, rief man nach Straßburger. Bübi Gerdau, der ihn als Junge dorthin begleitete, bewunderte, „mit wat för Geschick de Mann dorbi to wark güng. Dat eenzige, wat op de Nerven güng weer dat Geklimper“ (aus einem Brief).

Vor einem Haus in der Käthe-Kollwitz-Straße steht die Figur eines Seemannes, aus Zement geformt und farbig bemalt. Bekannt ist diese naive Volkskunstarbeit unter dem Namen „Käpt‘n Ewald Sägebarth“, und die Bewohner der Straße erzählen, dass er sich 1958 selbst dieses Denkmal gesetzt habe. Die Hände in den Hosentaschen, blickt er unter seinem Südwester von der Anhöhe herab auf die Ostsee, wie wenn er Sehnsucht nach der Weite des Meeres habe.

Schließlich sei ein fünftes Original genannt, an das sich viele Eckernförder erinnern. Werner „Katze“ Brügmann. Bis etwa 1989 stand am Hafen sein Backsteinladen, angefüllt mit Krimskrams: Muscheln, Seesternen, Trockenfische, Schiffsmodellen, Postkarten und anderen Erinnerungen an Meer und Hafen. Ein Werbeschild nannte das Angebot des beliebten Händlers: „Käptain Souvenirs“.

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