Pastorin verlässt Schinkel : Von Schinkel gestärkt nach Kiel

Gut viereinhalb Jahre hat Pastorin Claudia Bruweleit die Pfarrstelle in Schinkel mit Leben erfüllt. Die Gottesdienste in der Kirche Zum Guten Hirten werden ihr fehlen, sagt sie.
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Gut viereinhalb Jahre hat Pastorin Claudia Bruweleit die Pfarrstelle in Schinkel mit Leben erfüllt. Die Gottesdienste in der Kirche Zum Guten Hirten werden ihr fehlen, sagt sie.

Pastorin Claudia Bruweleit wird Landeskirchliche Beauftragte / Verabschiedungsgottesdienst am Sonntag, 18. Januar

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14. Januar 2015, 06:24 Uhr

Vor viereinhalb Jahren trat Pastorin Claudia Bruweleit die Nachfolge von Wiebke Keller an und erfüllte die dritte Pfarrstelle der Kirchengemeinde Gettorf von Schinkel aus mit Leben. Ende des Monats wird sie Schinkel den Rücken kehren und sich neuen Aufgaben in Kiel widmen: Die 49-Jährige wird als Landeskirchliche Beauftragte zwischen Nordkirche und Landesregierung vermitteln.

Frau Bruweleit, bevor sie nach Schinkel kamen, waren sie zwölf Jahre in der Heiligengeistgemeinde in Kiel tätig. Fällt es ihnen nach so langer Zeit nicht schwer, aus der Gemeindearbeit herauszugehen?

Es schmerzt. Ich bin gern nah an den Menschen und ihren alltäglichen Lebensfragen. Was mich erwartet, ist eher ein diplomatischer Dienst. Die Beziehungen, die im Staatskirchenvertrag festgelegt sind, sind zu pflegen, Gesetzgebungen, die kirchliche Handlungsfelder betreffen, zu begleiten und Gespräche zu führen. Das ist eine Aufgabe, die mich schon seit vielen Jahren angesprochen hat. Als die Stelle im Sommer ausgeschrieben wurde, habe ich schon überlegt. Aber das ist jetzt die Chance – ich werde im nächsten Jahr 50.

Ist Ihre Nachfolge schon geklärt? Werden Sie den neuen Pastor für Schinkel noch einarbeiten können?

Nein. Es war gerade erst Bewerbungsschluss. Es ist schon schade, dass ich nicht weiß, wer hierher kommt. Es wäre schön gewesen, ich hätte ihn oder sie einweisen können. Aber in Kiel bin ich ja nicht aus der Welt (lacht).

Sie haben den Flüchtlingsbeirat im Amtsbereich Dänischer Wohld aufgebaut, der anderen Ämtern Vorbild gewesen ist. Wie geht es ohne Sie weiter?

Wir haben 2012 mit sechs Helfern angefangen, jetzt sind es fast 40 Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Im letzten halben Jahr hat sich ein gutes Leitungsteam aufgebaut. Ich habe mich darum bemüht, dass die Strukturen so fest sind, dass sie belastbar sind. Bürgermeisterin Sabine Axmann-Bruckmüller wird in der Zeit, in der die Pastorenstelle vakant ist, die Leitung übernehmen. Schön finde ich, dass die Arbeit im Flüchtlingsbeirat als ein Schwerpunkt in der Stellenausschreibung genannt wurde.

Werden Sie mit ihren Konfirmanden noch die Einsegnung feiern können?

Ein neuer Job und die Konfis nebenher – das funktioniert nicht. Ein Teil der Jugendlichen geht zu Pastorin Christa Loose-Stolten, die auch einen Konfirmationsgottesdienst in Schinkel halten wird, der andere zu Pastor Frank Boysen und Ulla Leuschner.

Der Austausch mit den Jugendlichen über religiöse Dinge war Ihnen immer sehr wichtig. Wird Ihnen das fehlen?

Die Gespräche mit den jungen Leuten, ja, aber auch die zwischen Tür und Angel, beim Bäcker, auf der Straße. Ich werde gucken, dass ich irgendwann einen Ersatz finde, um in geerdeten Bezügen zu sein. Aber erstmal muss ich das aushalten.

Und die Gottesdienste?

Ich hoffe, ein paar Mal im Jahr einen Gottesdienst halten zu können. Sonst würde mir wirklich etwas fehlen. Die Rundfunkandachten auf NDR  1 und NDR Kultur werde ich auf jeden Fall weitermachen.

Was erwartet Sie im Februar in Kiel?

Ich habe mir schon einige Termine notiert, und es werden schnell mehr werden, eine Menge auslotende Gespräche zwischen der Kirche und der Landesregierung stehen an, an denen ich teilnehmen werde. Außerdem steht die Auswertung der Studie zum Religionsunterricht in der Schule bevor – da muss man ganz ausführlich drüber sprechen. Und alles andere wird sich zeigen.

Was nehmen Sie aus Schinkel mit für Ihre Arbeit in Kiel?

Ich gehe mit einem geschärften Blick für die Besonderheiten des Landlebens mit der Entfernung zur Stadt auf der einen Seite und der wunderbaren Weite und Stille auf der anderen. Ich habe sehr engagierte Ehrenamtler erlebt und dörfliche Gemeinschaften, die sich sehr um das Gemeinwohl bemühen und für einander einstehen. Die Arbeit im Flüchtlingsbeirat hat mir sehr viel Freude gemacht, weil sich die Menschen von Anfang an mit viel Energie in den Dienst der Sache gestellt haben. Und ich nehme ein Stück von der Ökoregion Schinkel mit – die wunderbaren Projekte zum nachhaltigen Backen und Leben bei Kornkraft mit den Konfirmanden werden mir in Erinnerung bleiben. Durch die Zeit hier gehe ich gestärkt nach Kiel.


>Die Gemeinde verabschiedet ihre Pastorin mit einem Gottesdienst am Sonntag, 18. Januar, um 17 Uhr in der Kirche Zum Guten Hirten.

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