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Eckernförder Zeitung

20. August 2017 | 04:53 Uhr

Von Liebe, Gott und Küchenschaben

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Acht leidenschaftlicher Sänger aus Dresden boten gewagten Stilmix in der Borbyer Kirche

Borbyer Kirche am Montagabend: Keine Orgel, keine Instrumente waren zu hören sondern acht junge Männer im Alter zwischen 22 und 28 Jahren. Es waren ganz besondere Sänger, die knapp zwei Stunden lang à capella sangen. Man mochte sich über die Schönheit dieser Stimmen wundern, ihren wunderbaren Zusammenklang, über die Qualität der Darbietung. Erfuhren dann die zahlreichen Konzertbesucher, dass diese Dresdner Vokalgruppe VIP aus ehemaligen Mitgliedern des Dresdner Kreuzchores und des Leipziger Thomanerchores zusammengesetzt ist, dann wurde deutlich: Hier waren Kenner und Könner am Werk.

Zum einen zeigten sich die jungen Sänger sattelfest in der Vokalmusik von der Renaissance über Barock bis in die Romantik. Kompositionen von Jacobus Gallus (1550-1591) standen hier ebenso auf dem Programm wie Giovanni Gabrieli (1556-1612) und Leonhard Lechner (1553-1606). In lateinischer wie auch deutscher Sprache gesungen, interpretierte die Vokalgruppe die Texte stimmgewaltig, beherrschte die kraftvollen wie die sehr leisen Töne und lobte Gott wie die Dreifaltigkeit voller Innigkeit.

Im nächsten Dreierblock stellte VIP drei Dresdner Großmeister vor mit Kompositionen von Heinrich Schütz, Felix Mendelssohn Bartholdy und Rudolf Mauersberger. Vor allem beim Psalm 43 zeigte das Ensemble seine großen Fähigkeiten. Wechselnd mit Solo und Tutti sorgte es für Gänsehaut und emotionale Betroffenheit. „Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott!“

Doch mit geistlicher Musik nicht genug - in lockerer Moderation schwenkte die Vokalgruppe über zur Musik der Gegenwart: ein leichtherziges französisches Kunstlied, vergnügt gesungen, ein englischer Song über den Nachklang guten Erlebens und schließlich hinreißende Liebeslieder von Billy Joel, Queen, und The Turtles in bester Tradition. Da lachte das Herz und die Füße tappten zum akkuraten Rhythmus. Zu „Vergammelte Speisen“ von den Prinzen wurde in der Kirche sogar laut gelacht: Küchenschaben in der Leberwurst - das stellte zumindest die Vielseitigkeit der Sänger unter Beweis. Countertenor Martin Neumann punktete mit seiner seidenweichen Stimme vor allem bei „Over the Rainbow“.

Die meisten Sänger sind noch Studenten, manche haben ihr Studium bereits abgeschlossen, keiner hat „Musik“ studiert.

 

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erstellt am 19.Aug.2014 | 13:30 Uhr

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