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Von „kaltem Semester“ und „wilden Umzügen“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

„Bauschüler“ lassen 50 Jahre nach ihrem Examen an alter Wirkungsstätte alte Zeiten wieder lebendig werden

von
erstellt am 28.Dez.2013 | 00:33 Uhr

Sie werden einfach nicht müde, sich zu treffen. Der Kreis allerdings ist mit den Jahren etwas geschrumpft, aber immerhin: Gestern beim 51. Semestertreffen am „dritten Weihnachtstag“ waren es noch neun von einst 20 examinierten Absolventen der Staatsbauschule Eckernförde – Ingenieurschule für Bauwesen wie die frühere Städtische Baugewerkeschule in der Kieler Straße 78 seit 1960 hieß. Im Sommer 1963 legten die jungen Bauingenieure, die heute im Alter von 70 bis 75 Jahren über viel Lebenserfahrung verfügen, ihr Examen ab. Anlass genug, die seit 1963 alljährlich ununterbrochen stattfindenden Treffen mit einer besonderen Note zu versehen: Die Geschäftsführerin des Baltic Sea International Campus (BSIC), Wei Qian, und Galerist Falko Windhaus begrüßten die Herrenrunde in der früheren Aula der Bauschule, der heutigen Galerie 66.

„Hier haben wir unser ersten, kaltes Semester erlebt“, erinnert sich Siegfried Schimmelpfennig. Der Bauingenieur hat nach dem Studium in Altenholz ein Tiefbauunternehmen mit bis zu 44 Beschäftigten „aus dem Nichts“ aufgebaut und fast 40 Jahre erfolgreich geführt. Heute lebt er in direkter Nachbarschaft der früheren Bauschule und organisiert die Semestertreffen. Viele seiner einstigen Kommilitonen sind nach wie vor in Reichweite. Ein Heimspiel hat Jahr und Jahr der Ur-Borbyer Karl-Heinz Warner, der in Bauingenieurskreisen nur „Charly“ heißt. Die meisten seiner Kollegen sind ebenfalls nah dran, leben in Altenholz, Schleswig. Flensburg, Kiel oder Rellingen – sie sind dem Norden treu geblieben. Eine weitere Anreise hatte hingegen Uwe „Pauli“ Schröder, den es beruflich wie privat nach Essen verschlagen hat, und der die Treffen mit seinen „alten Jungs“ kurz vor dem Jahreswechsel besonders genießt. Fünf frühere Studienkollegen sind verstorben.

Ihr Studium nahmen die jungen Männer von einst am 20. September 1960 in der Aula der alten Bauschule und nicht wie geplant im nicht rechtzeitig fertig gewordenen Neubau im Lorenz-von-Stein-Ring auf. Der Unterricht erfolgte in der durch Stellwände notdürftig abgeteilten, „etwas kalten“ Aula. Nach dem Vorexamen waren es nur noch 20 von vormals 32 Studenten, „die dann aber eisern bis zum Examen durchhielten und im Juni/Juli 1963 die Diplomurkunde ausgehändigt bekamen“, wie Siggi Schimmelpfennig zu erzählen weiß. Die Erinnerungen an das traditionelle Verbrennen der Zeichnungen vor der Treppe des alten Rathauses (heute Museum) und den „wilden Umzug“ nach bestandenem Examen mit schwarzem Anzug, Zylinder und Musik durch die Kieler Straße im Sommer 1963 sind noch sehr lebendig. „Wir haben jede Kneipe angelaufen und überall einen Schnaps bekommen – das war selbst für uns zu viel“. „Da war noch was los in Eckernförde“, schwärmt Uwe „Pauli“ Schröder. Und so rankten sich auch gestern wieder viele Geschichten um das Studium, die Professoren, die Streiche, aber auch um die Eckernförder Mädels und die legendären studentischen Anlaufstellen wie das Café Knutsch (Café Meeves) oder Dehn’s Gasthof.

Auch die Gastgeber im BSIC genossen die humorvollen Plaudereien bei Tee und Gebäck.

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