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Schifffahrt in Eckernförde : Von Großseglern, U-Booten und der weißen Flotte

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Rekordverdächtig: 290 Besucher beim Vortrag der Heimatgemeinschaft Eckernförde in Carls Showpalast. Dr. Jann Markus Witt referierte über Schiffe und Schifffahrt im Ostseebad und spannte einen Bogen von den Wikingern bis Ende des 20. Jahrhunderts.

Das Interesse an der einst dänischen Segelfregatte Gefion war riesig. Nahezu jeder Zuhörer des Vortrags „Schiffe und Schifffahrt in Eckernförde“ von Dr. Jann Markus Witt wollte das Modell des Schiffes, das am 5. April 1849 von den schleswig-holsteinischen Truppen im Zuge des Gefechts in der Eckernförder Bucht gegen die Dänen erbeutet wurde, aus nächster Nähe betrachten. Detailgetreu nachgebaut von Peter Rinke entführte das Modell den Betrachter in vergangene, glorreiche Zeiten. Witts Referat in Carls Showpalast war eine Fortsetzung der monatlichen Vortragsreihe der Heimatgemeinschaft Eckernförde. „Rekordverdächtig“ nannte Vorstandsmitglied Dr. Heinrich Mehl von der Heimatgemeinschaft die Besucherzahl: 290 Gäste wollten am Montagabend mehr über die Schifffahrt im Ostseebad wissen.

Witt bezeichnete das Sachgebiet als eines seiner „Leib- und Magenthemen“, vereinige es doch schleswig-holsteinische Landesgeschichte und die Historie der Seefahrt. Der Historiker betreut in Laboe das Marineehrenmal und ist Dozent am „Wehrgeschichtlichen Ausbildungszentrum der Marineschule Mürwik. Trotzdem gilt die Liebe des gebürtigen Eckernförders dem Ostseebad – was auch in seinem Buch „Seefahrtsgeschichte Schleswig-Holsteins in der Neuzeit“ zu lesen ist.

Witt spannte einen weiten Bogen von den Wikingern mit ihren Drachenbooten über die Hanse mit ihren Hansekoggen bis Ende des 20. Jahrhunderts. Im 17. Jahrhundert seien die drei Wirtschaftszweige Fischerei, Seehandel und Brauerei des Kakabille-Bieres gleichrangig gewesen, am Ende des Jahrhunderts sei nur die Schifffahrt übrig geblieben, so Witt. Es war der Unternehmergeist von Eckernförder Kaufleuten, deren Name untrennbar mit der Blütezeit der Schifffahrt verbunden ist: die Reederei und das Handelshaus Otte. Nach 1730 war Christian Otte Alleinreeder seiner sieben Schiffe, die bis Norwegen, England und Frankreich fuhren. Noch heute zeugt die Windfahne aus dem Jahre 1719 auf dem Dach des Hauses Krafft-Lorenzen in der Langebrückstraße von dieser Blütezeit. Aus dem Jahr 1739 stammt auch das Armenhaus der Otte’schen Stiftung, das immer noch in der Ottestraße an den berühmten Reeder und Kaufmann erinnert.

Im 18. Jahrhundert befuhren Dreimastgalioten und einmastige Jagten die Ostseeküste. Unruhige Zeiten bescherten der Schifffahrt nicht nur Kriege oder Stürme, sondern auch Meutereien, die es selbst im kleinen Ostseebad gegeben hat. Das Handelsembargo Napoleons 1807 gegen England brachte die Schifffahrt im Laufe der Jahre völlig zum Erliegen. 1815 bestand die Handelsflotte nur noch aus 15 Schiffen mit einer Gesamttragfähigkeit von 305 Commerzlasten (eine Commerzlast entspricht rund zweit Tonnen).

Robbenschläger, Fischereiboote, sogenannte Quasen, um 1860, das U-Boot namens Forelle, das im Sommer 1903 in der Eckernförder Bucht unter strengster Geheimhaltung erprobt wurde und Butterschiffe – sie alle verkehrten in der Eckernförder Bucht. Letztere befuhren bis 1999 die Ostsee. Jeder Eckernförder könne sich noch an die Fair Lady und an die Funny Girl erinnern, so Witt. „Die Einstellung der Butterfahrten bedeutete für viele Rentner Vereinsamung, da die Butterschiffe gerade für viele ältere Menschen ein wichtiger sozialer Treffpunkt gewesen ist“, so Witt. Auch er selbst habe als kleiner Junge häufig an den Butterfahrten teilgenommen.

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