Von gerasterten Schulbauten und dicken Betonwänden

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Wie das bauliche Umfeld Einfluss auf die Empfindungen der Menschen nimmt

von
08. März 2017, 14:17 Uhr

Das Schöne bewundern

Das Wahre behüten

Das Edle verehren

Das Gute beschließen

Es führet den Menschen

im Leben zu Zielen

Ich mache gar nicht erst den Versuch, die Bedeutung der ersten Zeilen des vorangestellten Gedichtes eines Philosophen, der bis etwa 1925 aktiv das Zeitgeschehen kommentiert hat, auf übergeordneter, will sagen: weltpolitischer Ebene, zu prüfen beziehungsweise verstehen zu wollen. Mein überschaubarer Ansatz ist das immerwährend erkennbare, aber kaum nachvollziehbare Verhalten von Mitmenschen – meist jüngeren –, die, wenn es harmlos verläuft, als auffällig bezeichnet werden.

Was führt in der Regel zu dem oft auch aktenkundigen Fehlverhalten? Nach meiner Einschätzung, die nicht gänzlich ungeprüft ist, entstehen sogenannte Defizite, wenn allgemeingültige Grundbedürfnisse des Heranwachsenden nicht oder nur sparsam befriedigt werden.

Nun ist der Inhalt des Gedichtes sehr hilfreich, allerdings bediene ich mich des sogenannten Negativbeweises. Wo finden wir außerhalb beziehungsweise neben der Natur noch das Schöne, das zu Bewundernde? Was oder wer wird als wahrhaftig – um es zu behüten – erlebt beziehungsweise empfunden? Vom Erleben des Edlen ganz zu schweigen! Welches sind die aktuellen Maßstäbe für das Gute? Das Schöne, das Wahre, das Edle und das Gute stehen für die Wunschinhalte jeder Individualität, also jedes Menschen, insbesondere des noch Suchenden. Wir alle sind lebenserfahren genug, um der Beispiele aus dem täglichen Leben zu bedürfen, und ich kann auf die Beschreibung all der Probleme aus aktuellem Zeitgeschehen verzichten.

Eine Betrachtung möchte ich aber kurz vertiefen: Es geht um die Baukunst. Und da mache ich es mir leicht: Friedrich Rittelmeyer hat in seinem Buch über die ästhetische Erziehung beschrieben, in welchem Maße zum Beispiel langweilige, also zum Beispiel gerasterte Schulbauten für Aggressionen, extreme Minderleistungen beziehungsweise ernst zu nehmende Erkrankungen der Schüler verantwortlich gemacht werden müssten. Bei Interesse möge man es nachlesen und die aufgeführten Beispiele auf sich wirken lassen.

Entsetzt war ich vor einiger Zeit über die euphorische Bewertung und Beschreibung eines zu Wohnzwecken umgestalteten Weltkrieg-II-Bunkers mit zum Teil mehr als einem Meter dicken Betonwänden. Sind die Milieu-Instinkte der zukünftigen Bewohner so degeneriert, wenn sie nicht merken, dass der Hinweis auf signifikante verlängerte Wundheilzeiten in modernen Krankenhäusern – eben auch aus Stahlbeton – im Vergleich zu Backsteinbauten mit Holzbalkendecken von großer Bedeutung ist? Man unterstelle mir bitte keine sentimentale Romantik.

Mein Motiv ist, die „Empfehlungen“ des Dichters in den täglichen Fokus des Bemühens zu stellen und das zielführend. Verhalten wir uns doch so, dass die Wirkung des Schönen, die Qualität des Guten, das Verehrungswürdige des Edlen jederzeit erlebbar wird. Ohne die zweifellos wünschenswerten (alternativlosen) Wahrnehmungen wird es kaum gelingen, eine beglückende Kultur des Lebens zu entwickeln beziehungsweise zu pflegen.

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