Heimatbesuch : Von der Ostsee ins Zentrum der Weltbank

Dr. Jan Walliser arbeitet seit 2002 für die Weltbank in Washington D.C..
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Dr. Jan Walliser arbeitet seit 2002 für die Weltbank in Washington D.C..

Der Eckernförder Jungmannschüler Dr. Jan Walliser (46) wurde zum Vize-Präsidenten der Weltbank berufen und kam für einen Vortrag bei Rotary und Lions in die alte Heimat.

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23. Juli 2015, 06:11 Uhr

Eckernförde | Die 54 Eckernförder Rotarier waren diesmal nicht allein, dafür war der Referent des wöchentlichen Meetings einfach zu interessant und hochkarätig. Dr. Jan Walliser, frischgebackener Vizepräsident der Weltbank mit Sitz in Washington D.C., sprach über den Aufbau der 1945 gegründeten Institution zum Wiederaufbau zerstörter Länder nach dem Zweiten Weltkrieg und ihre heutige Rolle in der Welt. Referent und Thema lockten über 50 weitere Gäste von den Rotary Clubs Kiel, Rendsburg, Schleswig, Schleswig-Gottorf, Mittelholstein und Eckernförde-Dänischer Wohld sowie Mitglieder der Lions Clubs Eckernförde und Kiel, des Round Table 80 sowie des Rotaract Club Eckernförde ins vollbesetzte Stadthallenrestaurant.

Jan Walliser (46) ist gebürtiger Eckernförder, machte 1988 sein Abitur an der Jungmannschule, studierte dann in Kiel Volkswirtschaft und promovierte anschließend in Boston. Der Sprung über den Teich sollte sich als wegweisend für den jungen, begabten Mann aus Eckernförde erweisen. Er bekam die Chance, als Nicht-Amerikaner zwei Jahre für den US-Kongress zu arbeiten, wechselte dann für dreieinhalb Jahre zum Internationalen Währungsfonds (IWF), um dann 2002 als Ökonom für Burkina Faso für die Weltbank zu arbeiten. Afrika wurde zu seinem Schwerpunkt, seine Karriere entwickelte sich. Dreieinhalb Jahre war er Stellvertreter des Weltbank-Vizepräsidenten für Afrika, nun ist er selbst zu einem der engsten Vertrauten von Weltbank-Präsident Jim Yong Kim geworden.

Jan Walliser ging auf die Entstehungsgeschichte und die Entwicklung der Weltbank ein, die 1945 als Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung gegründet wurde und 1947 ihren ersten Kredit an Frankreich vergeben hat. Die Weltbank mit ihren 10  000 Angestellten vergibt Kredite mit minimalen Zinsen und langer Laufzeit ausschließlich an Niedrigeinkommensländer, die vor allem in Afrika, Asien und Lateinamerika zu finden sind. 1960 kam als weiterer Part die Internationale Entwicklungsorganisation (IDA) dazu, die Projekte zur Armutsbekämpfung betreut. Das geschieht vor allem durch zinslose Darlehen mit Laufzeiten von 35 bis 40 Jahren. Die IDA-Kredite sind nach den Ausführungen Wallisers an das Pro-Kopf-Einkommen gebunden, die praktizierte Obergrenze liegt bei 885 US-Dollar pro Jahr. Jüngstes Mitglied der Weltbankgruppe ist die 1988 gegründete Multilaterale Investitions-Garantie-Agentur (MIGA). Ihr Ziel ist es, durch die Übernahme von Garantien gegen Risiken wie Unruhen, Krieg oder Enteignung den Einstieg privater Investoren in den Armutsländern zu fördern. Mit dem IWF ist die Weltbank allerdings nicht verbunden. Nach dem Wiederaufbau und neben der Armutsbekämpfung widme sich die Weltbank verstärkt den Themen Klimawandel, Elektrifizierung und Landwirtschaft, um die Grundlagen für Wachstum in den Entwicklungsländern zu fördern, sagte der Vizepräsident.

Finanziert wird die Weltbank von den 188 Anteilseignern, die für eine Eigenkapitaldecke von 40 Milliarden Dollar sorgen. Deutschland ist mit 1,6 Milliarden Dollar in drei Jahren viertgrößter Anteilseigner. 2014 habe die Weltbank 52 Milliarden Dollar an Darlehen, Zuschüssen, Investitionen und Garantien vergeben. Es sind also nicht die Riesensummen, mit denen die Weltbank Entwicklungsländer fördert. Allerdings entfalteten die zinsgünstigen Kredite über die Beteiligung privater Investoren eine Hebelwirkung, sagte Walliser. Jeder von der Weltbank investierte Dollar sorge derzeit für Investitionen von 2 bis 5 Dollar. Die Weltbank wolle diese Hebelwirkung auf 7 bis 8 Dollar erhöhen. Er machte aber auch klar, dass Empfängerländer, die in Zahlungsverzug geraten oder deren Rückzahlungen ganz ausfallen, keine Berücksichtigung mehr finden. „Wir sind keine großen Geldgeber, wichtiger ist für uns die Kopplung der Finanzierung mit der Beratung“, so der Weltbank-Vize.

Fundamental wichtig für die Entwicklung in den ärmsten Ländern der Welt sei der Aufbau der Elektrizität, und zwar mit Wasserkraft, Gas und Solarenergie und ohne das Weltklima zu belasten. Walliser hat großes Potenzial in Ländern wie Kamerun, Äthiopien, Ghana, Kongo, Niger oder Mali ausgemacht. Für die Erschließung eines Gasfeldes in Ghana seien beispielsweise 700 Millionen Dollar an Garantien vergeben worden, die zu Investitionen in Höhe von 7 Milliarden Dollar geführt hätten. Wichtig für die Grundversorgung sei ebenfalls die Förderung der Landwirtschaft und der Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur für Transport, Lagerung und Verkauf sowie die Entwicklung von Bewässerungssystemen.

In der Fragerunde betonte Jan Walliser, das die Weltbank versuche, „fragile Staaten“ zu stabilisieren und Einkommen für die Bürger zu generieren, auch um Flüchtlingsströme zu minimieren. Investitionen in Bildung, Klimaschutz und die Einhaltung von Umweltstandards bei ihren Projekten seien unerlässlich. Bei allem Einsatz für die Bekämpfung der Armut und der Entwicklung armer Länder sei der Einfluss der Weltbank auf die Ökonomie beschränkt, sagte Vizepräsident Walliser. Im Rahmen ihrer darüber hinausgehenden Möglichkeiten achte die Weltbank allerdings auch auf transparente Geldflüsse und saubere Finanzierungen.

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