Eckernförde : Von der Jungmannschule zum Mars

Dr. Jan Köhler mit dem Prototyp des RAD, dessen Gewichts- und Größenbeschränkung die Wissenschaftler vor große Herausforderungen stellte.  Foto: peters
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Dr. Jan Köhler mit dem Prototyp des RAD, dessen Gewichts- und Größenbeschränkung die Wissenschaftler vor große Herausforderungen stellte. Foto: peters

Ehemaliger Eckernförder Schüler wirkt an der Marsmission mit / Strahlungsexperte Jan Köhler entwickelt neue Art der Strahlenmessung

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28. Juli 2012, 07:30 Uhr

Eckernförde/Kiel | Wenn am 6. August die Nasa-Raumsonde Mars Science Laboratory (MSL) auf dem roten Planeten aufsetzt, bricht für Dr. Jan Köhler von der Kieler Christian-Albrechts-Universität die Sternstunde seiner Karriere an. Der 30-jährige ehemalige Eckernförder ist Mitglied des Teams, das die kosmische Strahlung auf dem Mars untersucht. Jan Köhler hat sein Abitur vor zehn Jahren an der Jungmannschule abgelegt - mit einem Durchschnitt von 3,0.

Der ruhige junge Mann sagt von sich selbst, dass er ein eher unauffälliger Schüler war, kein Fan von Raumschiff Enterprise und Star Trek. "An der Raumfahrt hatte ich nie ein besonderes Interesse." Stattdessen hat er viel programmiert: Spiele und Internetseiten. Zehn Jahre später ist er derjenige, der die mathematischen Berechnungen durchführt, mit denen eine neue Art der Strahlenmessung möglich wird. Sein Diplom hat er vor vier Jahren mit Auszeichnung abgelegt, ebenso seine Doktorarbeit vor wenigen Monaten.

Vielleicht haben die Jungmannlehrer Schlotfeldt und Vogel mit ihrem Unterricht in den Mathe- und Physik-Leistungskursen mehr bewirkt als sie gedacht haben - auch wenn Jan Köhlers Leistung durchschnittlich war. "Mir war schon klar, dass meine Talente in den Naturwissenschaften, speziell der Physik liegen", sagt er, der erst während des Studiums der Neuro physik zum fleißigen Lerner wurde. Nach seinem Diplom 2008 arbeitete der damals 26-Jährige als wissenschaftlicher Mitarbeiter am deutschen Mondprojekt "Luna Exploration Orbiter", das aber nie umgesetzt wurde. Dann kam die Marsmission.

Seine Arbeitswelt ist geprägt von dem schnöden Charme einer typischen deutschen Universität. In dem Zweckbau aus den 70er-Jahren ist alles auf Praxis ausgerichtet. An den Türen der wissenschaftlichen Mitarbeiter stehen mit Kreide geschriebene Nachrichten der Kollegen oder Berechnungen. Auch das Büro des Strahlenprofis ist praktisch eingerichtet - ein Tisch, ein Sofa, ein Schreibtisch. Im Fenster steht eine Rakete und ein paar Astronauten aus Lego.

Während Kollegen das Strahlenmessgerät "Radiation Assessment Detector"-Instrument (RAD) gebaut haben, beschäftigte sich Jan Köhler mit der Messung und der Auswertung der Daten. "Der Mars hat eine sehr dünne Atmosphäre und kein Magnetfeld", erklärt Jan Köhler. "Das bedeutet weniger Schutz für die Menschen einer bemannten Mission. Von der Wirkung kann man die kosmische Strahlung mit Radioaktivität vergleichen." Die gewonnenen Erkenntnisse sind auch für Hypothesen zu Leben auf dem Mars wichtig.

Das RAD-Instrument ist in dem rund 900 Kilogramm schweren Rover untergebracht, der am 6. August auf dem Mars landen soll. Es wiegt nur 1,56 Kilogramm. Entwickelt wurde es in einem Gemeinschaftsprojekt des Southwest Research Institute, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Jan Köhler fiebert der Landung schon entgegen. "Man wünscht sich natürlich, etwas Bedeutendes zur Mission beizutragen", sagt er. "Es ist ein gutes Gefühl, dass etwas auf dem Mars steht, an dem man mitgearbeitet hat." Seine Arbeit ist für Laien nicht zu verstehen. "Jedes Strahlungsteilchen verhält sich anders als andere", versucht der Doktor der Physik zu erklären. "Einen Teil davon kann man nur mit mathematischen Methoden unterscheiden." Dabei habe er eine neue Methode entwickelt, die so noch nicht angewendet wurde.

Am Montag, 6. August, wenn der Roboter Curiosity auf dem Mars landet, ist Jan Köhler im Max-Planck-Hörsaal der Universität und erklärt Besuchern, wie die Marsmission und die in Kiel entwickelte Technik funktioniert - eine Sternstunde für den ehemaligen Eckernförder Schüler und seine extraterrestrische Laufbahn: In Zukunft wird Jan Köhler Projektmanager für die Entwicklung eines Instruments der neuen Mission "Solar Orbiter", einer Sonde, die so nah an die Sonne fliegen soll, wie keine Sonde zuvor.

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