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Eckernförder Zeitung

11. Dezember 2017 | 09:00 Uhr

Wassersport : Von den Kapverden an die Ostsee

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ricardo Bettencourt arbeitet als erster Kapverdier in der Kiteschule am Campingplatz Gut Ludwigsburg. Bis zu seinem sechsten Lebensjahr wohnte er in Hamburg, danach zog er mit seiner Mutter auf die afrikanischen Inseln.

shz.de von
erstellt am 16.Aug.2014 | 07:41 Uhr

Als Ricardo Bettencourt mit Benny Näthen von der Kitesurf-Schule „GlobalXTeam“ langsam mit dem Geländewagen über den Campingplatz Gut Ludwigsburg fährt, wird er von allen Seiten gegrüßt. Der junge Mann von der Kapverdischen Insel Sal ist dort unter den Touristen und Einheimischen bekannt. Und das nicht ohne Grund: Seit Juni arbeitet er als Kitesurf-Lehrer und bringt seinen Schülern die beliebte Wassersportart bei. Er und ein Freund sind die ersten Kapverdier, die an der Ostsee Unterricht geben.

Bettencourt wurde in Hamburg geboren und wuchs dort bis zu seinem sechsten Lebensjahr auf. Dann ging seine Mutter mit ihm zurück auf die Kapverdischen Inseln, der Vater blieb in der Hansestadt. Der 27-Jährige besuchte ihn und den Rest der Familie jedoch, so oft es ging. Die deutsche Sprache, die er sehr gut beherrscht, hat seine Mutter stets mit ihm gesprochen. „Irgendwann einmal wirst du dafür dankbar sein“, hat sie ihm immer gesagt. Und sie sollte Recht behalten.

Mit 13 Jahren begann der Kapverdier in seiner Heimat mit dem Wellenreiten, erlernte später auch das Wind- und Kitesurfen und brachte es Touristen bei. Vor einem Jahr bekam er die Möglichkeit, im Sommer bei einer Kiteschule in Dänemark zu arbeiten und nutze die Gelegenheit. Im November lernte er Benny Näthen kennen, der damals zum Kitesurfen auf die Insel Sal gereist war. Näthen schlug ihm vor, im Sommer an die Ostsee zu kommen und in seiner Kiteschule zu arbeiten. Gesagt, getan. Bittencourt kam im Mai nach Deutschland und bleibt noch bis Ende September.

In seiner Heimat ist der Sport sehr beliebt. „Zwei Kitesurf-Weltmeister kommen von den Kapverdischen Inseln“, erzählt er. Auch viele Touristen zieht das Archipel an, nicht zuletzt wegen des Wetters, der Strände und der guten Wassersportbedingungen. Auch Deutsche, Italiener, Engländer und Portugiesen sind unter den Urlauben.

Auf dem Campingplatz und in der Kiteschule gefällt es ihm sehr gut. „Die Leute sind total entspannt“, erzählt er. Überall wird er angesprochen, denn er fällt durch sein südländisches Erscheinungsbild sofort auf. Viele Urlauber fragen ihn, woher er kommt und was er in dem kleinen Ort an der Ostsee macht. Manchmal muss er ihnen erklären, wo die Kapverdischen Inseln liegen. Aber das macht ihm nichts aus – im Gegenteil. Er freut sich, dass sich die Menschen dafür interessieren.

Für die Zeit, in der er mal nicht auf einem Brett steht und den Kite in der Hand hält, hat er seit zwei Wochen eine neue Beschäftigung gefunden: Das Reiten. Das wollte er schon immer mal machen und hat es einfach ausprobiert, erzählt er. Dann leiht er sich ein Pferd von Familie Carl, die den Campingplatz leitet, und unternimmt einen Ausritt. „Einmal bin ich sogar am Strand galoppiert“, sagt er und lacht. Reiten sei eine gute Alternative zum Wassersport. Der größte Unterschied zwischen den beiden Sportarten ist seiner Meinung nach, dass das Pferd anhält, wenn man die Zügel zieht – der Kite dagegen nicht.

Wenn es möglich ist, möchte er im kommenden Jahr gerne wiederkommen. In Deutschland gebe es viele offene Türen. Der 27-Jährige könne sich auch vorstellen, im Tourismus zu arbeiten. Zunächst geht es aber zurück auf die Kapverden, wo neue Touristen das Kitesurfen lernen wollen.

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