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Eckernförder Zeitung

16. Dezember 2017 | 10:45 Uhr

Von Büchern und Schuhen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Mit Sana Gobbeh und Artur Dziuk sind zwei neue Stipendiaten in das Künstlerhaus in der Ottestraße eingezogen

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2015 | 13:34 Uhr

Eckernförde | Zwei neue Stipendiaten in „Otte 1“ – Künstlerhaus Eckernförde – stellen sich vor: Zum einen ist es Sana Gobbeh (31) aus Teheran – doch sie ist nicht wirklich neu in der Fördestadt. Sie musste ihre früheren Studien hier lediglich unterbrechen und nach Teheran fliegen, um dort an der deutschen Botschaft ihr Visum verlängern zu lassen. Ihre Performance am Eckernförder Strand – rot gekleidet, zwei rote Koffer an der Küste entlang schleppend – das wird vielen Lesern noch in Erinnerung sein. „Rot hinterlässt keine Spuren“ – so nannte Sana Gobbeh ihre Performance am Wasser, mit ihr machte sie Flüchtlingsprobleme sinnfällig. Seit Oktober ist sie wieder hier in Norddeutschland und bleibt für ihre weitere Arbeit bis zum Dezember, um dann in ihre Heimat zurückzukehren. Im Anschluss ist ein weiterer Aufenthalt in Brüssel/Belgien geplant, wo sie mit neuem Programm weiter arbeiten wird.

Arbeitsergebnisse von Sana Gobbeh werden am 28. November zu sehen sein. Zunächst in der Galerie Nemo mit dem Video „Lullaby“ als Gemeinschaftsarbeit von Sana Gobbeh und Huda Takriti aus Damaskus (20-22 Uhr). Danach gibt es im Künstlerhaus von 22 bis 24 Uhr eine Foto-Schau, Titel: „Ich habe meine Schuhe zurückgelassen.“ Es wird ein Paar Schuhe zu sehen sein, das Sana an verschiedenen Orten, in unterschiedlichen europäischen Städten wie Barcelona, Mailand, Stockholm, Berlin mit der Kamera aufnahm. Es sind Schuhe von Sanas Freundin aus Syrien, die – auch Künstlerin – aus Europa zurück ins Kriegsgebiet musste. Sana: „Ich nehme die Schuhe mit, wo immer ich hinreise und mache Fotos von Hudas Abwesenheit.“

Wirklich neu im Eckernförder Künstlerhaus ist Artur Dziuk (32), geboren in Polen, fünfjährig mit seinen Eltern nach Westberlin gezogen. Nach einem Archäologiestudium belegte er in Hildesheim „literarisches Schreiben“ und arbeitet nun an seinem ersten Roman. Der Arbeitstitel lautet „Aller Abend Tage“. Er reflektiert Themen, Stoffe, Erlebnisse der Gegenwart. Vier Figuren zwischen 18 und 35 Jahren erfinden gemeinsam ein Gerät, das körperliche Messdaten auswertet und dann Menschen in ihrer Lebenweise beeinflusst. Wie weit geht die Abhängigkeit von diesem „Berater“, wo bleiben Entscheidungsfreiheit und Selbstbestimmung? Gibt es einen Zwang zur Selbstoptimierung? Zehn Kapitel von geplanten zwölfen hat Artur Dziuk bereits geschrieben. Um eine Veröffentlichung wird sich seine Agentur kümmern.

Mit Jutta Johannsen, der Vorsitzenden des Fördervereins, sind sich beide Stipendiaten einig: Nach getaner, konzentrierter Arbeit ist ein Gang runter zum Meer wohltuend: Man bekommt wieder einen freien Kopf.

Auch die Atmosphäre in der eher ruhigen kleinen Stadt sei arbeitsfreundlich: Es gäbe nur wenig Ablenkung. Für zwei Monate hat der junge Schriftsteller nun viel Ruhe, um ungestört zu schreiben.

Viele Künstler haben sich schon für ein Stipendium 2016 in „Otte1“ beworben: rund 70 für Komposition, 40 für Literatur, 200 für Bildende Kunst.


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