zur Navigation springen

Botschafter zu Besuch : Von Beruf Botschafter – mehr als nur Sektfrühstücke

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der langjährige Botschafter aus Westafrika, Karl Prinz, besuchte seinen Schulfreund Karl-Heinz Rüter und trug sich ins Goldene Buch Habys ein

shz.de von
erstellt am 03.Nov.2015 | 06:02 Uhr

Als Infoveranstaltung hatte der frühere Bürgermeister Habys, Karl-Heinz Rüter, einen Abend mit dem frisch pensionierten Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Karl Prinz, angekündigt. Es wurde weitaus mehr, nicht nur der Eintrag ins „Goldene“ Buch“ der Gemeinde in Anwesenheit von Gesche Clasen, Bürgermeisterin der Gemeinde und Nachfolgerin Rüters. Nach ausführlicher Vorstellung des Gastes durch den Hausherrn - beide kennen sich aus ihrer gemeinsamen Schulzeit in Hagen /Westfalen - lud Rüter nach dem 50-Jährigen Klassentreffen seinen Klassenkameraden Prinz zu einem Besuch nach Haby ein. Nicht ohne Hintergedanken: Er wollte ihm schöne Seiten und Orte Schleswig-Holsteins zeigen und Prinz die Gelegenheit geben, Interessierte über den Beruf des Diplomaten aufzuklären.

Der Abend mit Karl Prinz wurde in fast familiärer „Duz-Atmosphäre“ zu einem nachhaltigen Erinnerungs-Erlebnis. Mit 37 Jahren als Diplomat im Auswärtigen Amt, Botschafter, Mitarbeiter im Generalkonsulat, in 22 Ländern und persönliche Kontakte in alle Welt war hier ein Mann hautnah zu erleben, der als Botschafter viele Jahre in verschiedenen Ländern Afrikas verbracht hat. Besonders Westafrika kennt er genau, hat im dienstlichen Auftrag viele Länder bereist. Seit einem Jahr ist Prinz im Ruhestand, wird aber als „Afrika-Prinz“ wegen seiner Kenntnisse des Kontinents und der Denkweise der Menschen dort gerne als „Grauer Bär“ in Notsituationen eingesetzt, um kurzfristig Lücken zu schließen.

Gewohnt, vor Menschen zu sprechen, plauderte er in großer Runde in Rüters wohnlich eingerichteter Tenne aus seinem Leben, teilte Erfahrungen und Erkenntnisse mit: Klarheit mit fundiertem Hintergrund-Wissen aus eigenem Erleben mit klug erläuterten Hintergründen, über die man üblicherweise spekuliert. Hier wurden lebendige Lebensgeschichten zu Tatsachen. Auch über das „merkwürdige, undurchsichtige Auswahlverfahren“ für die Karriere eines Botschafters berichtete Karl Prinz. „Jeder ist erstaunt, dass er den Job bekommen hat. Nicht nur Sektfrühstücke gehörten dazu, auch Kontakte zu halten und zu pflegen sowie Halbjahresberichte über die Stimmung im Land, Pläne und Entwicklungen aus allen Bereichen müssen verfasst werden.“ Auch bei Einweihungen von Projekten im Rahmen der Auswärtigen Kultur und Bildungspolitik dabei zu sein, zählten zu den Aufgaben eines Botschafters.

Prinz bemängelte auch, dass für Entwicklungshilfe nicht einmal der vorgesehene Prozentsatz des Bundeshaushaltes ausgegeben wird. Auch sei die Korruption ebenso wie das große Bevölkerungswachstum in Afrika nicht beherrschbar, es gäbe zu wenig verantwortungsvolle Führungseliten. „Wir verändern nicht den Einkommenszustand eines Landes. Da muss der Wille der Führungskräfte des Landes da sein. Zu uns kommen nicht die ärmsten, sondern die, die Kraft haben“, bewertete er die aktuelle Flüchtlingssituation und die dadurch mögliche gesellschaftliche Bereicherung. „Wir wissen zu wenig, kippen alles in einen Topf“, sagte Prinz. Grund für Auseinandersetzungen seien wirtschaftliche Verteilungskämpfe.

Die Ungleichheit der Verteilung der Erträge aus der Erdölproduktion und der Verwertung von Bodenschätzen erzeuge viele Arme in den Ländern. Und die wehren sich“, schloss der ehemalige Botschafter seine Einblicke in die Seele Afrikas ab und betonte: „Wir als westliche Welt haben eine gehörige Verantwortung.“

Auch von den Aufgaben und Funktionen eines Botschafters, der nach 14 Jahren Ausbildung „und Posten“ in den Rang des Botschafters befördert wurde, der aus Sierra Leone ausgewiesen wurde, weil er der Militärjunta klar gegenüber bekannte, dass er mit ihrem Umgang der Menschenrechte keinesfalls einverstanden war, erzählte Prinz. „Die Verteidigung von Menschenrechten ist und war für mich das Ziel in Afrika. Lampedusa, das ist eine Schande!“  



zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen