Vom Winde verweht

Geschäftsführer Sven Tietgen (re.) und Vorstandsvorsitzender Peter Nass sind mit dem Zahlenwerk 2012 zufrieden.
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Geschäftsführer Sven Tietgen (re.) und Vorstandsvorsitzender Peter Nass sind mit dem Zahlenwerk 2012 zufrieden.

Hüttener Versicherungsverein: 550 Schadensfälle durch „Christian“

shz.de von
19. November 2013, 13:59 Uhr

Noch immer gehen in der Geschäftsstelle des Hüttener Versicherungsvereins von 1892 die Schadensmeldungen ein. Auch drei Wochen nach Sturmtief „Christian“ haben die Mitarbeiter alle Hände voll zu tun, Schäden zu regulieren. „Jedes vierte Mitglied ist betroffen“, sagt der Vorstandsvorsitzende Peter Nass. Geschäftsführer Sven Tietgen geht von rund 550 Schadensfällen aus.

Von der heruntergefallenen Dachpfanne bis zum eingestürzten Hausgiebel reicht die Bandbreite. „Einige davon sind im hohen fünfstelligen Bereich“, berichtet Tietgen, der mit einer Gesamtschadenssumme von gut einer Millionen Euro rechnet. Für den kleinen Hüttener Versicherungsverein eine erhebliche Summe. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lagen 299 Schäden vor, die mit knapp 440 000 Euro reguliert wurden. „Sturm Kyril 2006 verursachte etwa 80 Schäden“, erinnert sich Peter Nass.

Für sturmbedingte Schäden am Haus – etwa durch abgedeckte Dächer, abgefallene Schornsteine oder umgeknickte Bäume – kommt die Wohngebäudeversicherung auf, erläutern die Experten. Andere Werte wie Gartenhäuschen oder Carport müssen im Vertrag aufgeführt sein. Für unmittelbar durch Sturm am Auto entstandene Schäden kommt die Kfz-Teilkaskoversicherung auf.

Die Hüttener Feuerversicherung wird aber die Schadenssumme von gut einer Million Euro nicht allein stemmen müssen. Die Kieler Rückversicherung tritt bei extrem hohen Schadensfällen für den Hüttener Verein mit ein. „Für rund 225 000 Euro wird die Hüttener aufkommen“, so Tietgen. Sorgen von Kunden, ein kleiner Versicherungsverein wäre für derartige Katastrophen nicht gerüstet, seien also unbegründet.

„Das Sturmtief hat uns alle vor große Herausforderungen gestellt“, betont Tietgen. Bis spät in die Nacht waren die Mitarbeiter im Büro, nahmen Schäden auf, informierten Handwerker, und kümmerten sich um schnelle Hilfe. „Unsere Versicherten haben alle besonnen reagiert“, stellt Nass fest. „Das Chaos in der Natur wurde nicht zum Chaos bei uns in der Geschäftsstelle“, lobt auch Karl-Friedrich Schafmeister vom Vereinsvorstand Mitarbeiter und Mitglieder gleichermaßen.

Das Versicherungsjahr 2013 wird mit einem Minus enden, so viel ist sicher. Gedeckt werde dieser Verlust aber durch die Rücklagen des Vereins. Neben den Sturmschäden belasten in diesem Jahr auch viele Brände die Bilanz der Hüttener. Hier ist eine Schadenssumme von rund 270 000 Euro, die zu Buche schlägt.

Wie sich die Schadenssumme auf die Beiträge auswirkt, stehe noch nicht fest, sagt Peter Nass. Das hänge auch davon ab, ob die Kieler Rückversicherung den Schutz erhöht. Zumindest für 2014 – hier gehen die Beitragsrechnungen in Kürze raus – werde es noch keine Erhöhungen geben.

Auch wenn hundertprozentiger Schutz gegen derartige Naturkräfte nicht möglich ist, ließen sich, wie Peter Nass und Sven Tietgen meinen, Vorsichtsmaßnahmen treffen: „Einmal im Jahr sollte ein Fachbetrieb die gesamte Dachfläche des Hauses auf Schäden überprüfen.“


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