Russische Studentin : Vom Ural nach Eckernförde

Im Ural zu Hause, in Eckernförde zu Besuch: Anna German (2.v.l.) und Yulia Arkhipova mit ihren Gastvätern Hellmut Cramer (l.) und  Dr. Uwe-Jens Müllenhoff.
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Im Ural zu Hause, in Eckernförde zu Besuch: Anna German (2.v.l.) und Yulia Arkhipova mit ihren Gastvätern Hellmut Cramer (l.) und Dr. Uwe-Jens Müllenhoff.

Der Rotary Club Eckernförde ermöglicht erneut einer russischen Studentin ein Stipendium für ein Semester an der Uni Kiel. Auch eine ehemalige Stipendiatin hat die Eckernförder besucht und erzählt, wie es ihr seither ergangen ist.

shz.de von
24. April 2014, 05:47 Uhr

Mit 21 Jahren für ein halbes Jahr 3200 Kilometer fern der Heimat – nicht vielen Menschen fällt das leicht. Anna German dagegen lächelt entspannt und stellt in einem Vortrag vor dem Rotary Club Eckernförde die Frage „Wie viel Heimat braucht der Mensch?“ Die 21 Jahre alte Germanistik-Studentin aus Russland verbringt zurzeit ein halbes Jahr in Norddeutschland.

Sie ist die sechste Stipendiatin aus Tscheljabinsk im Südural, die der Rotary Club Eckernförde aus eigenen Mitteln und mit Unterstützung der Stiftung „Der Rotarier“ fördert. Anna German studiert ein Semester Anglizistik, Slawistik und Germanistik an der Universität in Kiel und verbringt viel freie Zeit bei ihren Gasteltern Irene und Hellmut Cramer in Eckernförde. Auch wird sie ein mehrwöchiges Praktikum bei der Eckernförder Zeitung absolvieren.

Für die 20-Jährige ist es schon die fünfte Reise nach Deutschland. Der größte Teil ihrer Verwandtschaft ist in den 90er-Jahren als Spätaussiedler nach Deutschland gekommen und lebt im Süden der Republik. Ihre Urgroßeltern waren Wolgadeutsche, die Vorfahren hießen ursprünglich mit Nachnamen „Hermann“, woraus sich mit der Zeit „German“ entwickelte. Der größte Wunsch von Anna German ist es, eines Tages als Dolmetscherin und Übersetzerin zu arbeiten.

So ähnlich wie es Yulia Arkhipova schon getan hat. Die 25-Jährige war vor fünf Jahren die erste Studentin aus Tscheljabinsk, die der Rotary Club mit einem Stipendiat förderte. Auch sie hatte ein überdurchschnittliches Sprachtalent, schloss ihr Germanistik-Studium in Russland ab und arbeitete im Anschluss zwei Jahre lang als Fremdsparachenlehrerin und -sekretärin. In einem Unternehmen, das Messtechnik herstellt, bereitete sie Besuche deutscher Gäste vor, dolmetschte und unterrichtete die Mitarbeiter. Ihr Auslandssemester mit Praktikum bei der Eckernförder Zeitung kam ihr dabei zugute, so dass sie sich gegen die Mitbewerberinnen durchsetzen konnte. Doch jetzt geht es für sie weiter: Sie hat ein zweites Studium mit dem Titel „Ost-West-Studien“ an der Universität in Regensburg angehängt, das ebenfalls über ein Stipendium ermöglicht wird.

Über Ostern war sie nach fünf Jahren zum ersten Mal wieder in Eckernförde, wo sie 2009 so viel Zeit bei ihrer Gastfamilie um Dr. Uwe-Jens Müllenhoff verbracht hat. „Am Anfang habe ich nicht viel wiedererkannt, besonders am Hafen hat sich viel verändert“, sagt sie. Und an die anderen Sprachgewohnheiten musste sie sich wieder gewöhnen. „In Regensburg sagt man ’Grüß Gott’, hier ’Moin’.“ Für sie war es ein Abstecher in ein längst vergangenes Kapitel ihres Lebens, für die Rotarier ein Beleg dafür, dass sich ihr Einsatz für die jungen Studentinnen lohnt.

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