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Austauschsemester : Vom Ural an die Ostseeküste

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Wie ist das Leben in Deutschland und wie arbeitet eine Tageszeitung? Die russische Austauschstudentin Elena Udalova berichtet über ihre Erfahrungen.

Eckernförde | Jedes Jahr machen russische Studentischen aus Tscheljabinsk ein Praktikum bei der Eckernförder Zeitung und berichten hier über ihre Erfahrungen. In diesem Jahr die 19-jährige Elena Udalova.

 

Ich bin Elena Udalova (19), russische Austauschstudentin, und komme aus einem kleinen Dorf im Ural. Ich studiere an der Universität der Stadt Tscheljabinsk, die ungefähr 300 Kilometer von Ekaterinburg entfernt ist. Dank eines Stipendiums vom Rotary Club bin ich seit fünf Monaten in Deutschland und habe hier ein Semester Germanistik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel studiert. Das ist mein erster Aufenthalt außerhalb Russlands, deshalb habe ich viele unvergessliche Eindrücke bekommen und viel Neues für mich entdeckt.

Vor allem war das Studium an der Universität sehr ungewöhnlich für mich. Man muss sehr fleißig und selbstbewusst sein, um an einer deutschen Universität zu studieren. Der Student organisiert sein Studium selbst, seine Erfolge oder Misserfolge werden ihm selbst überlassen. In Russland ist das ein bisschen anders: Die Dozenten verfolgen einen zwar nicht, schenken einem aber mehr Aufmerksamkeit. Das Studium ist verschulter, die Professoren begleiten die Studenten intensiv.

Es gibt auch keine Wächter an deutschen Universitäten, die meine Kleidung kontrollieren, meinen Studentenausweis fordern und dann, wenn es etwas falsch ist, mich nicht hineingehen lassen.

Schade war, dass es hier nicht so viele Veranstaltungen an der Universität gibt, an denen die Studenten teilnehmen können. Wir haben in Russland jeden Monat verschiedene Song Contests, Wettbewerbe, Konzerte, poetische Versammlungen oder Humor-Veranstaltungen. Dafür ist das Studium in Deutschland kostenlos, während in Russland viele Studenten dafür bezahlen müssen.

Das Leben im Wohnheim unterscheidet sich auch: Ich wohne hier in der WG mit drei Mitbewohnerinnen, allein in einem Zimmer. Ganz üblich! Ja, für die Deutschen. In Russland wohnt niemand im eigenen Wohnheim-Zimmer. Pro Zimmer leben mindestens zwei Studenten – manchmal auch vier zusammen.

Die Lebensmittel in den Geschäften sind auch anders. In Deutschland gibt es eine große Auswahl an Käse, Bier und Pizza, in Russland an Pelmeni (Teigstückchen mit Fleisch) und Tee.

Was ich hier in den Supermärkten überhaupt nicht gefunden habe, sind die Kondensmilch und die Buchweizengrütze, die wir in Russland in jedem kleinen Laden haben.

Was die Menschen betrifft, so sind die meisten sehr nett und hilfsbereit. Am Anfang hatte ich Angst, dass ich alles allein nicht schaffe. Aber ich habe große Unterstützung vom Rotary Club bekommen, besonders von einem Mitglied und seiner Familie, die sich während des ganzen Semesters um mich kümmerten. Ich habe auch viele deutsche Freunde gefunden, die sehr nett zu mir sind. Ich möchte weiter mit ihnen Kontakt haben.

Ich bin außerdem ein bisschen gereist: Flensburg, Schleswig, Bremen, Hamburg, Sylt – ich habe fast ganz Norddeutschland kennengelernt.

Ich finde es toll, dass es in Kiel ein „International Center“ gibt, das diese Ausflüge, auch Theaterbesuche, Partys und verschiedene Abende für die ausländischen Studenten veranstaltet. Das ist sehr wichtig, wenn man in der Stadt neu ist und keine Bekannten hat. Dieses Semester war sehr spannend und beeindruckend für mich. Ich habe so viel erlebt wie nie zuvor.

Ich habe Deutsch in der Schule gelernt und später anderthalb Jahre an der Universität. Aber ich habe hier einen großen Fortschritt gemacht und meine Deutschkenntnisse wesentlich verbessert.

Jetzt mache ich ein Praktikum bei der Eckernförder Zeitung. Es ist sehr interessant für mich, eine Vorstellung davon zu bekommen, wie es täglich in einer deutschen Redaktion läuft. Ich glaube, die Arbeit bei einer täglich erscheinenden Zeitung ist anstrengend, weil man jeden Tag etwas Neues schaffen muss. Mir gefällt die Atmosphäre hier, alle sind sehr beschäftigt und trotzdem ganz freundlich. Ich würde gerne mehr Zeit hier verbringen. Ich finde es toll, dass es solche Möglichkeiten für junge Leute gibt, für eine längere Zeit mit einem fremden Land Bekanntschaft zumachen und dadurch ihre Fähigkeiten weiter zu entwickeln und ihren Horizont zu erweitern.

In einem Monat fliege ich nach Russland zurück. Ich bin mir aber sicher, dass ich Deutschland vermissen werde. Ich muss noch zwei Jahre an der Universität studieren und möchte später im Tourismus arbeiten, vielleicht auch in Deutschland. Ich hoffe, dass es nicht mein letzter Besuch hier war und ich einmal wiederkommen werde.

 

 

 

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erstellt am 11.Aug.2015 | 05:44 Uhr

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