Gelungene Integration : Vom Flüchtling zum Studenten

Ein Beispiel für echte HIlfe: AlAyham Mahfoud aus Syrien mit Monika Ipsen (l.) und Maria Zouaiter, die ihm und seinen Landsleuten zur Seite stehen.
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Ein Beispiel für echte HIlfe: AlAyham Mahfoud aus Syrien mit Monika Ipsen (l.) und Maria Zouaiter, die ihm und seinen Landsleuten zur Seite stehen.

AlAyham Mahfoud kam als syrischer Flüchtling ohne Deutschkenntnisse nach Eckernförde. Die Sprache lernte er so schnell und gut, dass er sich jetzt für ein Medizinstudium bewerben will.

shz.de von
06. Januar 2015, 06:04 Uhr

Eckernförde | Selten haben Flüchtlinge in Deutschland so viel Aufmerksamkeit erhalten wie zurzeit. Besonders auf die Asylsuchenden aus dem vom Bürgerkrieg erschütterten Syrien konzentriert sich die Öffentlichkeit – auch in Eckernförde. Ein Mann sticht dabei besonders hervor: der 20 Jahre alte AlAyham Mahfoud. Er hat in den zehn Monaten seines Aufenthalts in Deutschland so gut Deutsch sprechen gelernt, dass er sich jetzt an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel für ein Medizin-Studium einschreiben möchte.

Geboren wurde AlAyham Mahfoud zwar in den Vereinigten Arabischen Emiraten, doch als Sohn syrischer Eltern erhielt auch er die syrische Staatsbürgerschaft. In den Emiraten begann er Zahnmedizin zu studieren – bis sein Pass ablief, doch in der syrischen Botschaft wollte man ihn nicht verlängern. „Ich wurde zum Wehrdienst eingezogen“, erzählt der große junge Mann. „Aber wer damals in Syrien zum Wehrdienst eingezogen wurde, musste auch Menschen töten. Das wusste ich.“ Zudem stand sein Vater nach den Erzählungen AlAyhams auf der „schwarzen Liste“ der syrischen Regierung, weil er einigen Verfolgten des Regimes geholfen hatte. Nun stand AlAyham vor einem Dilemma: Sein Visum war abgelaufen, ohne Pass bekam er kein neues, und die Emirate gewähren kein Asyl. Und nach Syrien konnte er nicht, ohne gleich in die Armee eingezogen zu werden – da stand für ihn fest, dass er flüchten muss.

Schweden war sein Ziel, „weil es hieß, dass es dort sicher ist“, so AlAyham. Seine Reise führte ihn 2013 zunächst mit dem Flugzeug nach Italien als Tor zu Europa. Von dort ging es mit dem Zug nach Schweden, wo sein Asylantrag jedoch abgelehnt wurde und er in den Zug nach Bremen stieg. Warum Bremen? Eine Stadt war ihm so recht wie die andere. Dort ging er zur Polizeistation und beantragte Asyl. Schließlich landete er in Neumünster, wo er 40 Tage lang blieb, bevor er Ende Februar nach Eckernförde kam. Sein Asylverfahren läuft noch, seine Zukunft ist ungewiss.

Doch die Zeit in Deutschland hat der 20-Jährige genutzt: Anfangs konnte er nur drei Worte Deutsch aus einer Fernsehwerbung: „Volkswagen – das Auto“. Doch in Eckernförde lernte er durch Lektionen über das Internet Deutsch und konnte sich schon schnell besser verständigen als seine Landsleute. Dann nahm er an einem Kurs teil. „Aber den habe ich nicht zuende gemacht, weil er zu leicht war und es zu langsam voran ging“, sagt er. Schließlich konnte er in Kiel seinen B1-Kurs abschließen, der für das Arbeiten in Deutschland erforderlich ist. Privat will er sich jetzt weiterbilden, um sich an der Christian-Albrechts-Universität zu bewerben, wo er seinen C1-Abschluss machen möchte, den er für die Aufnahme eines Studiums in Deutschland benötigt. Eine ehrenamtliche Patin hilft ihm dabei.

Warum er so schnell Deutsch gelernt hat? „Weil ich den Willen habe und weil ich unterstützt wurde“, sagt er und meint damit in erster Linie die Eckernförderinnen Maria Zouaiter und Monika Ipsen, die sich von Anfang an ehrenamtlich um die syrischen Flüchtlinge kümmern. So auch um einen Landsmann, der in Syrien beschossen wurde und noch immer Granatsplitter in den Händen hat. Nach zehn Monaten und etlichen Besuchen bei Ärzten in Eckernförde, Rendsburg, Kiel und Hamburg ist es gelungen, einen Operationstermin auszumachen und die Kosten über die Krankenkasse abrechnen zu lassen.

Wie sich auch immer die Zukunft AlAyhams gestaltet – einen Wunsch hat er: „Sobald es wieder Frieden in Syrien gibt, möchte ich zurück in meine Heimat.“ Nur wie lange das dauern wird, weiß niemand. Eckernförde hat er zu schätzen gelernt: „Ich habe viele freundliche Menschen kennengelernt.“ Doch seine Familie mit Eltern, Bruder und Schwester sind ihm wichtiger.

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