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Eckernförder Zeitung

20. November 2017 | 18:39 Uhr

Vom Bauern zum Platt-Comedian

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Jens Wagner gab der Landwirtschaft 2008 den Laufpass und ist seither als plattdeutscher Komödiant unterwegs – auch in Eckernförde

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2017 | 10:41 Uhr

„Regine, bedenk, dat nach een Jahr din Smiley-„Tattoo“ op din Borst utkieken deit, as wenn Angela Merkel to lachen versökt.“ Schallendes Gelächter aus dem Publikum. Jens Wagner ist in Bestform und gerade beim Thema „Tätowierungen“ angekommen. Im Hause Wagner wird kein Platt, oh Pardon, „Blatt“ vor den Mund genommen. Alles und jeder ist Gegenstand der komödiantischen Alltagsreflexionen von Jens Wagner, seiner Zeit Landwirt, seit 2008 aber als plattdeutscher Comedian unterwegs in ganz Schleswig-Holstein.

Seinen neuesten komödiantischen Geniestreich „op Platt“ stellte er am Sonnabend im Carls einem begeisterten Publikum vor: „Dat Leven twüschen Melktähn un Gebiss“. Ob es nun die Töchter Julia und Nele sind, die ihr Fett wegkriegen, der Ehefrau Regine eine Liebeserklärung gemacht, der Sohn samt Ehefrau humorig-liebevoll durch den Quark gezogen wird, nostalgisch die eigene Jugendzeit verklärt oder über die gesellschaftlichen Veränderungen der Gegenwart philosophiert wird – klar ist, Jens Wagner hat was „to vertellen“ und zwar mit richtig gutem Humor.

Dabei ist die inhaltliche Klammer immer das landwirtschaftlich geprägte Alltagsleben des ehemaligen Milchviehbauern aus Kiebitzreihe, einer kleinen Gemeinde im Kreis Steinburg. Zugunsten der „Comedy op Platt“ hat er seinen elterlichen Betrieb mit 40 Milchkühen 2007 aufgegeben und widmet sich seitdem hingebungsvoll seinen kurzweiligen Bühnenprogrammen, und das mit großem Erfolg. Sogar der NDR zeichnete bereits seine humorigen Ergüsse für das Abendprogramm auf – solch einen Bekanntheitsgrad hat Wagner, der sich schon als junger Mann gerne auf der Theaterbühne versuchte, mittlerweile im Land zwischen den Meeren erreicht.

Als Relikt aus dieser Zeit stammt wohl auch seine Verkleidungslust, die er im Verlauf des Abends gerne auslebt. Immer wieder schlüpft er in die unterschiedlichsten Rollen: Vor allem gehe es ihm darum, das plattdeutsche Theater – und da zählt er Comedy mit dazu – wieder moderner zu machen, um ein Aussterben dieser Sprache und der damit verbundenen Kultur zu verhindern.

Mit seiner Art erreicht er sie alle – die 20-Jährigen genauso wie die 80-Jährigen. Wenn er loslegt, ist alles in Bewegung: Arme, Beine und eine unglaubliche Mimik, die an die eines Otto Walkes erinnert. Während seines zweistündigen Auftritts läuft er immer wieder durch den gut gefüllten Saal, nimmt Kontakt auf und holt Zuschauer auf die Bühne, um sie als Statisten einzukleiden und in seine Sketche zu integrieren.

Das Datinggebahren von Kai-Uwe, berühmt-berüchtigter Junggeselle aus Wagners Heimatdorf, ist so ein Fall. Schnell hat sich Jens Wagner zwei Statisten aus dem Publikum auf die Bühne organisiert, die „Jauche-Jochen“ und „Korn-Kuddel“ im Dorfkrug beim „Anschnacken“ der Dorfschönheit darstellen. Zu köstlich ist das, wie Jens Wagner zwischen der schrulligen „jungen Dame“ und „Kai-Uwe“ blitzschnell hin und her switcht und dabei den Bühnen-Neulingen Regieanweisungen gibt: „Nu mach man nich so wie Guido Kretschmer, dat wullt de Froonslüü nech.“ Allerlei solcher lebenstauglicher Weisheiten hat Wagner während seines Programms zu bieten - das Publikum bedankte sich, nicht nur hierfür, mit Standing Ovations.



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