LaLeLu : Vom Bauchtanz bis zur Oper

Eine vollständige Oper in sieben Minuten? Für die Mitglieder von LaLeLu kein Problem.
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Eine vollständige Oper in sieben Minuten? Für die Mitglieder von LaLeLu kein Problem.

A-capella-Gesangs- und Comedy-Gruppe reißt das Publikum in der Stadthalle von den Sitzen.

shz.de von
05. März 2018, 05:49 Uhr

Eckernförde | Seit der Gründung 1995 sind bereits 14 abendfüllende Programme von LaLeLu entstanden. Mit ihrem jüngsten, dem Trendprogramm „Muss das sein?“, touren sie zurzeit durch Deutschland. Am Freitag waren sie wieder einmal in Eckernförde und rockten die ausverkaufte Stadthalle: LaLeLu, die ultimative A-capella-Sensation aus Hamburg, in der Fördestadt immer wieder gern begrüßt und nach dem aktuellen Auftritt mit Bravo-Rufen und Standing Ovations bejubelt.

Man mag sich wundern: Standing ovations sind in Eckernförde keine Seltenheit mehr. Liegt es am vorzüglichen Programm der kulturaffinen Fördestadt oder am begeisterungswilligen Mitgehen des zumeist anspruchsvollen Publikums? Wie auch immer, LaLeLu riss am Freitag zu Recht sein Publikum von allen Sitzen. Der Auftritt war zu hundert Prozent und ohne Abstriche gelungen.

Jan Melzer, Sanna Nymann, Tobias Hanf und Frank Valet singen ohne instrumentale Begleitung. Ihre vier Stimmen bilden selber einen perfekten Klangkörper mit Bass, Bariton, Tenor und Sopran. Beim Singen ohne Instrumente verschmelzen die Stimmen zu einem akustischen Gesamteindruck, ganz gleich, ob sie Schlümpfe-Lied, große Oper oder arabische Bauchtanzbegleitung singen. Ihr A-capella-Gesang ist phänomenal und in allen Lagen wohltuend fest gefügt. Sie können’s halt und haben – und das ist sehr ansteckend – selber enorm Freude daran.

Zum A-capella-Gesang kommt intelligente, erfrischende und oft handfest freche Comedy. „Muss das sein?“ Hinter jedem oft sinnlosen Trend herzurennen? Vegane Schuhe gegen Käseduft? Modische Brillen mit Fensterglas? Elektroautos sind gut, aber auch dort kann man zurzeit bibbern. Bei 2 Grad „brustwarzenharter“ Temperatur sind alle vier erkältet – man niest, hustet, flucht, wünscht „Gesundheit“ – alles in rhythmisch einwandfreiem Geräusche-Rap. So hat man ein vertontes „Kratzen im Hals“ auch noch nicht erlebt. Und eine Oper in sieben Minuten? Mit allem, was bei LaLeLu dazugehört: Liebe, Inzest und flächendeckendem Mord. Alle vier haben dabei umwerfende Opernstimmen – zumindest sieben Minuten lang.

Imitiert und überspitzt: Astro TV gab es mit Zuschauerbeteiligung. Imitation von Stimmen ist obendrein eine besondere Gabe der wilden Vier. Ob Merkel, Seehofer oder andere „Verdächtige“ – plötzlich war Politik erleichternd komisch. Auch Sex durfte nicht fehlen: Sanna besingt ein freudloses eheliches „Aufhocken“ – mit Zähneputzen als Vorspiel. Alle haben da Mitleid. Warten beim Tierarzt oder sinnloses Ansammeln von „Zeug“ in Kellern, Schränken und Köpfen, dazu eine herrliche Persiflage von Afrikanern über weiße Europäer, „Oh Muzungu ist armes deutsches Schwein“, das vor lauter Arbeit sein Leben nicht genießen kann.

Viel Kritik gab’s – aber immer charmant verpackt.


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