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Veranstaltung im Ratssaal : Vom Badehaus bis zum Bewertungsportal

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Eindrucksvolle Einblicke in die schleswig-holsteinische Badekultur. Vorträge, Fotos, Filme und Diskussionen im gut gefüllten Ratssaal.

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2013 | 07:51 Uhr

Eckernförde | "Badekultur, gestern-heute-morgen" lautete der Titel einer Veranstaltung des Kulturforums Schleswig Holstein am Dienstagabend, die in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum und der Kulturbeauftragten Andrea Stephan rund 80 Zuhörer zu einem kurzweiligen Abend in den Ratssaal lockte. Ist das Strand- und Badeleben aus Eckernförde inzwischen nicht mehr wegzudenken, war das in früherer Zeit nicht immer so. "Hatten die Römer schon 200 Jahre n. C. schon Badelandschaften mit mehr als 100 000 Quadratmeter Grundflächen und dabei täglich bis zu 6000 Besucher, konnte man im Norden allenfalls von einer Randkultur zweiter Ordnung im damaligen Vergleich sprechen", sagte Dr. Wolfgang Meyer-Hesemann in seiner Einleitung.

Nicht immer ging mit dem Besuch einer Badeanstalt das heutige Verständnis von Spaß, Sport und Erholung einher. Als die ersten deutschen Volksbäder Ende des 19. Jahrhunderts öffneten, verfolgten diese vorwiegend hygienische und gesundheitliche Zwecke. Der besonderen Bedeutung der Bademode hierzu trug Dr. Uwe Beitz Rechnung, der anhand eines Exponats aus dem Museum die "Vorzüge" des Badeanzugs aus den späten 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts Rechnung trug. "Bei den Frauen musste Brust und Leib bis hin zu den Knien vollständig bedeckt, die Beine angeschnitten und mit einem Zwickel versehen sein", berichtete Beitz, der damit auf den Zwickelerlass von 1932 verwies, der nur zehn Jahre später durch die Nationalsozialisten aufgehoben und mit der propagandierten Freikörperkultur eine völlig neue Richtung erhielt.

In einer Zeitreise ging Dr. Stefan Deiters der Frage nach, wie aus der Ostseestadt ein Seebad wurde. "Vor 1830 gab es hier noch nichts, was mit einem Ostseebad in Verbindung zu bringen wäre, den Anfang machte damals allerdings Borby", erläuterte Deiters. Das erste Badehaus entstand 1831 als Warmbadeanstalt, zwei Badeflöße, nach Geschlechtern getrennt, folgten jeweils im jährlichen Abstand. Auch war seiner Zeit genau geregelt, wie das Baden zu erfolgen hat: "… Am besten ganz entkleidet, sensible, schwächliche Damen könnten eine Ausnahme machen … auch verweile man nur solange, bis der Schauder sich in ein angenehmes Gefühl der Wärme verändert hat", so das Zitat aus einem zeitgenössischen Bericht. Viel ist passiert, das Marien-Luisen-Bad entstand und wurde 1910 als "ältestes bestrenommiertes Badehotel in Borby" beworben, in das auch der Kaiser einkehrte. Die Zuhörer erfuhren auch, dass gegen Ende des 19. Jahrhunderts das Baden für Erwachsene außerhalb der Badeanstalt bei Strafe verboten war und in der Badeanstalt "Seegarten" durch eine Holzwand sichtverwehrt vor den Blicken des anderen Geschlechts, vom Stege aus gebadet wurde.

War der erste Teil noch der Vergangenheit gewidmet, ein Film aus den 30 Jahren machte nicht nur das Badeleben deutlich, gab die anschließende Gesprächsrunde mit Klaus Buß, Bürgermeister und Minister a. D., Werner Pötzsch, ehemaliger Leiter der Kurverwaltung, Stefan Borgmann, Geschäftsführer der Eckernförder Touristik und Marketing GmbH und dem Bürgermeister der Gemeinde Damp, Horst Böttcher, einen Ausblick in die neuzeitliche und zukünftige Entwicklung. Urlaub nur am Strand, dazu Strandburgen bauen, stand bis in die 70er Jahre im Vordergrund, danach war auch Kulturelles angesagt. Eckernförde hatte dafür Idealbedingungen. "Die Kombination Strand, Altstadt und Hafen findet man sonst kaum an der Ostsee", argumentierte Pötzsch, der diesen Wandel als Kurverantwortlicher miterlebte und den Bau des Meerwasserwellenbads 1972 als touristischen Meilenstein bezeichnete. Sah man sich früher im touristischen Angebot eher als Konkurrenten, ergänzt man sich. "Auch im Winter ist es wichtig Touristen zu bekommen", argumentierte Böttcher. Aus seiner Sicht seien Spaßbäder "out" und Themenbäder "in", mit einem kurzen Ausblick auf das in Damp entstehende Bad zum Thema Nordeuropa machte er neugierig. Touristen heute informierten sich über Bewertungsportale im Internet, sagte Eckernfördes Touristikchef Stefan Borgmann, das sei für die Zukunft handlungsbestimmend.

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