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Eckernförder Zeitung

21. Oktober 2017 | 19:48 Uhr

Auszeichnung : Vom Abhängigen zum Suchthelfer

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Klaus-Dieter Linke ist seit 20 Jahren als Suchthelfer tätig / Am Montag bekommt der Damendorfer in Kiel die Verdienstmedaille verliehen

von
erstellt am 20.Feb.2016 | 06:15 Uhr

Ohne die Selbsthilfe gruppe wäre Klaus-Dieter Linke nicht da, wo er jetzt ist. 20 Jahre lang war der heute 64-Jährige alkoholabhängig. Seit Mitte der 90er Jahre ist der Damendorfer „trocken“. Nicht nur das, er engagiert sich auch in der Suchthilfe, leitet eine Selbsthilfegruppe in Eckernförde. Für seinen ehrenamtlichen Einsatz wird Linke am Montag in Kiel von Ministerpräsident Torsten Albig die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Als junger Mann, mit gerade einmal 19 Jahren, litt Klaus-Dieter Linke an Depressionen. Er ging von Arzt zu Arzt, doch richtig helfen konnte ihm niemand. Er entdeckte dann die unheilvolle Wirkung des Alkohols. „Wenn ich trank, wurde der seelische Schwerz weniger“, sagt er, sank der Pegel, waren die Depressionen wieder da. Heute spricht man von Komorbidität oder Doppeldiagnose, wenn eine Wechselwirkung zwischen einer Suchterkrankung und schweren psychischen Störungen besteht. Der Angstlöser Alkohol hatte den Menschen Klaus Linke voll im Griff. Damals war die doppelte Belastung und das Nebeneinander beider Erkrankungen auch von Fachleuten nur schwer zu begreifen. Linke lernte schließlich den Psychotherapeuten Roland Teufel kennen, der ihm helfen konnte. Er erkannte auch, dass Linke gut mit Menschen umgehen konnte und nahm ihn mit zu Gruppensitzungen mit Menschen, die auch an Angstzuständen litten, um über sich, seine Krankheit und seinen Kampf dagegen zu sprechen.

In Jevenstedt gründete Klaus-Dieter Linke eine Selbsthilfegruppe. Er absolvierte mehrere Aus- und Fortbildungen zum Suchtkrankenhelfer außerdem eine zweijährige Ausbildung zum psychotherapeutischen Heilpraktiker. In Gettorf nahm er an Gruppensitzungen der Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe teil. In Eckernförde gründete er selbst eine Gruppe mit derzeit 14 Personen, denen er hilft, den Weg aus der Sucht zu finden. Stolz ist Linke darauf, dass er als einziger nicht Mediziner regelmäßig an einem Schmerzkolloquium in Rendsburg teilnehmen darf. Ein befreundeter Arzt hat ihm den Zugang ermöglicht, dort lerne er viel für seine Arbeit mit den Betroffenen. Außerdem arbeitet Linke als Nachtwache und Weckdienst im Heilpädagogium in Eckernförde.

Die Familie war Klaus-Dieter Linke während seiner schweren Zeit keine große Hilfe. Viele Kontakt sind mittlerweile abgerissen. „Ich musste mich von alten Zöpfen trennen und einen neuen Freundeskreis aufbauen“, erzählt er. Zu seinen beiden Kinder hat er aber noch guten Kontakt. Beide werden ihn, neben seiner Lebensgefährtin und auch einen Paar aus der Selbsthilfegruppe, bei der Verleihung am Montag begleiten.

Linke ist gelernter Koch. Ein besonderes Anliegen ist es ihm, gerade betroffenen Menschen für gesunde Ernährung zu sensibilisieren. „Der ganze Körper leidet unter der Sucht“, sagt Linke. Es habe sich gezeigt, dass es zu Hirnschädigungen komme, weil sich die Betroffenen schlecht ernährten, beispielsweise durch Thiamin-Mangel. Seine Leidenschaft, Menschen zu bekochen, konnte er auch bei der Unteroffizierkameradschaft Carlshöhe nachkommen. Als die Kaserne geräumt wurde, konnte Linke für die Gruppe einen Raum im ehemaligen Sporthotel Fellhorst organisieren und kochte dort für sie. Auch nachdem das Haus geschlossen wurde, riss der Kontakt nicht ab, so dass Linke nun sogar Mitglied im Vorstand ist.

Als passionierter Angler hat Linke, als er vor drei Jahren nach Damendorf zog, den Angelsportverein am Wittensee kennengelernt. Der Vorsitzende, Andreas Martens, der auch Fahrdienstleiter in den Eckernförder Werkstätten ist, suchte jemanden, der mit den Behinderten angeln geht und Linke war dafür genau der richtige. Mittlerweile ist er auch zum Jugendgruppenleiter des Vereins gewählt worden. „Das Angeln ist für mich ein Ausgleich zu der Arbeit in der Selbsthilfe und den Schicksalen der Menschen“, sagt er. Die Angeltouren ganz allein in seinem Boot auf dem Wittensee, das ist Entspannung pur für ihn.

Doch in Damendorf hat Linke noch einen anderen Ort gefunden, an dem er abschalten kann – den Reiterhof von Ingo Steinacker. Wenn immer er Zeit hat, hilft er mit und versorgt die Pferde.

 


>Informationen zur Suchtberatung beim Freundeskreis bei Klaus-Dieter Linke, Tel. 04353/9985051; rd-kg-16@gmx.de

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