zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

19. Oktober 2017 | 17:22 Uhr

Interview : Volles Haus im Damper Jugendtreff

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Seit 2001 betreut Barbara Wichert den kommunalen Jugendtreff am Sportheim des Vfl Damp mit zwei Gruppen / Gut 70 Kinder und Jugendliche nutzen das Angebot

von
erstellt am 23.Mär.2016 | 06:48 Uhr

Damp | Seit dem Jahr 1999 gibt es in Damp-Vogelsang einen Jugendtreff der Gemeinde, der zunächst von Christiane Krüger und seit 2001 von Barbara Wichert (59) betreut wird. Auf Grund der großen Nachfrage verfügt der Treff schon seit vielen Jahren über zwei Gruppen. Dienstags treffen sich die Acht- bis 14-Jährigen von 15 bis 18 Uhr . Das sind rund 45 verschiedene Personenvon denen im Schnitt zehn bis 25 an jeden Nachmittag kommen. Und es gibt die Gruppe der über 15-Jährigen, die sich mittwochs von 15 bis 20 Uhr trifft. Dies sind gut 30 verschiedene Personen, von denen zehn bis 20 an einem Nachmittag da sind. Über den anhaltenden Erfolg des Angebotes und über die Gründe dafür sprach Barbara Wichert mit dem Redakteur für Schwansen, Dirk Steinmetz.

Seit 2001 leiten Sie den Jugendtreff. Haben Sie erwartet, dass der Zuspruch und das Interesse von Anfang an bis heute ununterbrochen so groß sein würde und ja auch scheinbar anhält?
Nein, bestimmt nicht, weil wir zwischendurch auch immer mal eine Flaute hatten. Ich habe dann Flyer verteilt und Werbung gemacht. Danach ging es dann erst richtig los. Es kamen 30 Kinder zugleich in den Jugendraum, während dort dann auch die Großen waren. Ich habe mir das ein paar Monate angeschaut und habe dann im Sozialausschuss berichtet. Dort sah man den Bedarf, und die Gruppe wurde getrennt. Zusätzlich gab es dann einen zweiten Tag für die Großen.

Was macht den Jugendtreff denn aus? Jugendliche können sich ja auch woanders treffen und chillen, warum kommen sie zum Jugendtreff?
Tja, hier kann man sicher sein, dass keine Eltern plötzlich auftauchen. Das passiert hier auch nicht. Ich bin der einzige Erwachsene. Sie hören hier ihre Musik, sie dürfen es auch laut. Ich höre auch gerne laute Rockmusik. Manche Musik geht gar nicht, aber das muss man abkönnen. Die Jugendlichen gehen dann gerne zum Supermarkt und holen sich Pizza, die ich ihnen heiß mache, um so auch den Ofen sauber zu halten. Ich serviere dann wie im Restaurant. Sie spielen Kicker, Billard oder auch am Fernseher. Andere spielen Karten oder Brettspiele. Hier ist alles möglich.

Gibt es denn Regeln oder einen festen Rahmen, der für die Besucher gilt?
Ja. Die wissen ganz genau, sie dürfen ganz viel. Aber sie dürfen eben ganz bestimmte Dinge nicht. Rauchen und Alkohol sind hier nicht erlaubt. Angetrunken kommt auch keiner rein. Jungs kabbeln oder kämpfen ja immer. Dann rufe ich laut, „ich möchte hier keine gebrochenen Knochen haben“, dann habe ich die volle Aufmerksamkeit. Und wenn sie etwas vorhaben, was sie an sich nicht sollen, dann schauen sie schon zu mir. Die wissen genau, was geht und was nicht.

Und das stört die Jugendlichen auch nicht, dass Sie hier immer anwesend sind?
Nein, ich gehöre hier hin, das wissen sie.

Gibt es hier eine Gruppenbildung im Treff oder sind die Gruppen homogen?
Bei den Jugendlichen sind einige in der Ausbildung oder schon im Beruf, einige sind Studenten, andere noch Schüler. Die kennen sich zum Teil schon oder lernen sich hier aber auch kennen. Früher war die Gruppe homogen, aber zurzeit bildet sich bei den Großen eine zweite Gruppe heraus. Das müssen sie unter sich regeln. Dabei lernen sie, sich zu akzeptieren. Gerade bei der Musik müssen sie lernen, Zugeständnisse zu machen. Die Spannbreite bei der Musik ist gewaltig. Das geht von Helene Fischer bis ganz ins Gegenteil, zum Punk- und Hardrock.
Das sind ja ganz viele Fähigkeiten, die die Kinder hier nebenbei lernen, wie sozialer Umgang, Respekt und Kommunikation.
Ja. Der Raum hier ist nicht groß, da können sich die Jugendlichen nicht viel aus dem Weg gehen. Da müssen sie miteinander klar kommen. Einmal wollte einer jemanden hier raus schicken, da musste ich dazwischen gehen.

Gab es mal Streit?
Wenn es Streit gibt, dann meist nur Stress zwischen zwei Leuten. Dann gehen die schon mal vor die Tür und klären das.

Mischen Sie sich dann ein oder werden Sie dazu gerufen?
Teilweise kommen sie eine Woche später zu mir und erzählen: „Du, da war das und das“. Ich versuche dann schon zu schlichten. Dabei muss man wirklich beide Seiten hören und man muss Beiden zugestehen, dass sie eine andere Sicht dazu haben. Am Ende müssen sich die Beiden einigen. Und das klappt auch.

Die Gruppe der Älteren wächst derzeit. Warum und reicht der Platz überhaupt noch aus? Ist eine Ausweitung des Angebotes denkbar?
Wir haben ja erst von zwei Jahren den Jugendraum um einen kleinen Raum erweitert. Mehr geht nicht. Das reicht aber auch für die Großen. Und wenn hier Billard gespielt wird, dann achten sie schon darauf, dass keiner auf dem Sofa den Queue von hinten an den Kopf bekommt. Es ist eng, aber auch schön. Viele, die als Kinder hier herkamen, kommen heute als Jugendliche, daher wächst die Gruppe jetzt.

Wäre denn eine Erweiterung möglich, oder wäre das für die Atmosphäre und die Betreuungsleistung durch eine Person zu viel?
Ich glaube, es ist ein Limit erreicht. Bei den Jüngeren auf jeden Fall.

Machen die Kinder hier auch Hausaufgaben?
Nein. Ganz früher hatte ich das angeboten, aber es macht keiner. Die wollen hier abschalten. Manche Kinder kommen nach Schule für eine Stunde hier her und werden dann von den Eltern abgeholt. Wichtig ist ihnen, dass sie eine Stunde hier sein können, wie sie wollen, und sich austoben können. Viele nutzen den Treff auch, um alte Freunde zu treffen, deren Wege sich nach der Schule in Ausbildung, Beruf oder Studium trennten.

So wie Sie das hier beschreiben, und die Zahlen die Sie nennen, scheint das Angebot genau richtig zu sein.
Ja und es wird auf jeden Fall gebraucht. Und ich mache das sehr gerne weiter.

Vielen Dank für das Gespräch.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen