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Naturschule : Voller Einsatz für Schule in Norwegen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

36 Schüler aus ganz Deutschland haben an einem Auswahlworkshop für ein siebenmonatiges Outdoor College von Event Nature teilgenommen

von
erstellt am 12.Mai.2016 | 06:38 Uhr

Winnemark | Sie besuchen Gymnasien, Realschulen, aber auch Waldorfschulen und kommen aus ganz Deutschland, sogar aus dem österreichischen Salzburg. Zehn Mädchen und 24 Jungs im Alter von 14 Jahren haben sich vergangene Woche um 29 Plätze für ein siebenmonatiges Outdoor-College 2016/17 in Norwegen beworben. In einer Kennenlernwoche bei Event Nature in Sundsacker konnten die Schüler der 8. Klasse schon mal einen Hauch von Abenteuer auf der Schlei und im Biwak erleben. In dieser Woche wird Maike Hoffmann und ihr Trainerteam die Zu- und Absagen verschicken. Am 1. August wird die Gruppe dann für sieben Monate nach Lunde bei Sirdal in Südnorwegen reisen und im Outdoor-College leben und lernen.

Doch dieses Lernen wird ganz anders sein, als sie es aus ihren Schulen kennen. Zwar wird auf der Basis des Lehrplans für Schleswig-Holstein von vier Lehrern und drei Praktikanten den Schülern der Stoff des ersten Halbjahres der 9. Klasse vermittelt, aber es findet ein fächerübergreifendes Lernen – drinnen und draußen – statt.

Bevor die Schüler und ihre Lehrer unter der Projektleitung von Nis-Peter Simonsen inmitten einer atemberaubenden Landschaft mit Bergen, tiefen Tälern, Wäldern und Seen starten, müssen sie alle zusammen norwegische Schulbänke drücken, berichtet Mitinhaberin Maike Hoffmann. „Alle lernen zunächst 14 Tage lang Norwegisch“, sagt sie. Das bräuchten sie, um norwegische Traditionen kennenzulernen und auch um sich neben Englisch verständigen zu können. Das gemeinsame Lernen verbinde Lehrer und Schüler und sorge für eine gute Atmosphäre, das hätten sie in 20 Jahren Erlebnispädagogik immer wieder beobachtet, berichtet sie. In Norwegen wohnen die Schüler in zwei nach Geschlechtern getrennten Häusern. Alle vier Wochen wechselt die Belegungen der Zweibettzimmer, damit sich keine festen Gruppen bilden. „Das war nicht schlimm“, sagt Malene Rehlink (15), die im Vorjahr mitfuhr und im Februar zurückkam. Sie half bei der Kennenlernwoche, wie etwa ein Dutzend weitere Ehemalige, mit. „Viel schlimmer war, dass man sein ganzes Zeug immer zusammen suchen musste“, sagt sie und blickt voller Freude an die Zeit zurück.

2014/15 fand das erste Outdoor College statt, sagt Maike Hoffmann. Und jedes Jahr würden die Bewerberzahlen zur Teilnahme steigen. Ausbauen wollen sie das Naturschulprojekt in Sirdal aber nicht. Dann gehe die besondere Atmosphäre verloren. „Das ist in Norwegen wie eine Familie“, sagt sie. Neben dem Unterricht gibt es immer eine Gruppe, die monatlich auf einwöchige Exkursion geht. Dann heißt es mit Kajak, zu Fuß, mit Schneeschuhen oder mit dem Hundeschlitten der benachbarten Huskyfarm in der Natur zu lernen. Eine weitere Gruppe ist immer zuständig für den Haushalt. Sie kochen, sie waschen und haben immer etwas zu tun. Die Aufgaben wechseln regelmäßig.

In dem Projekt lernen die Kinder Freiheit kennen, aber auch, dass sie im gleichen Atemzug die Verantwortung dafür tragen. Sie erlebten in der Gruppe unmittelbar die Konsequenzen ihres Handelns, erklärt Maike Hoffmann den Ansatz, den der Erlebnispädagoge Kurt Hahn prägte.

Während der Kennenlernwoche waren zwei Gruppen mit Trainern der Akademie auf der Schlei unterwegs. Die eine Gruppe nutzte Kajaks, während die zweite Gruppe mit zwei Kuttern segelte. „Das Segeln war das Coolste“, sagt Karla Dettmann aus Berlin. Sie hatte im Internet nach Anbietern für Sprachaustauschen gesucht und war dabei auf das Outdoor-College gestoßen. Das gefiel ihr und so bewarb sie sich. Eine sehr weite Anreise hat Kilian Loebell. Er kommt aus Salzburg. Sein Vater bekam von seinem Arzt einen Flyer des College. Er möchte auf jeden Fall für ein halbes Schuljahr ins Ausland, wenn es nun nicht Norwegen wird, dann versucht er es woanders. Aber auch er war begeistert vom Kuttersegeln, vor allem am ersten Tag, als ein ordentlicher Wind die Kutter begleitete. Eine kurze Anreise hat Karl Toumbraegel. Er kommt aus Gettorf und ist immer schon gerne draußen und mag Tiere. Er würde es schade finden, wenn er nicht mit könnte.

Wer mit kommt, das beraten die Trainer und Projektleiter Simonsen, der bereits im Vorjahr die Leitung des College hatte. Zum Abschluss der Kennenlernwoche findet ein Abschlussgespräch mit jedem statt. Die Kinder können alle ganz verschieden sein, sagt Simonsen, aber es muss passen. Sie würden viele Aspekte betrachten. Wenn er jetzt die Ehemaligen aus dem Vorjahr sieht, dann freut er sich sehr. Sie alle kämen sehr selbstbewusst zurück und hätten alle eine beeindruckende Entwicklung gemacht.

Die Teilnahme am College ist wie eine Privatschule zu sehen, sagt Maike Hoffmann. Somit fallen monatliche Kosten an, die bei 2250 Euro liegen.

 

 

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