Tractor-Pulling : Volle Kraft für 16 Sekunden Fahrt

Haben ihren Silberfuchs den Winter über eingepackt. In diesem Jahr planen die Brodersbyer Harald Pohl (v.l.), Timo Blaase und Hartmut Pohl an sechs Tractor-Pulling-Veranstaltungen zu starten.
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Haben ihren Silberfuchs den Winter über eingepackt. In diesem Jahr planen die Brodersbyer Harald Pohl (v.l.), Timo Blaase und Hartmut Pohl an sechs Tractor-Pulling-Veranstaltungen zu starten.

Brodersbyer Tractor-Pulling-Team blickt auf erfolgreiches erstes Motorsportjahr. In 2018 sind sechs Starts geplant.

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06. Januar 2018, 06:51 Uhr

Brodersby | Auf der Bahn war ihr Silberfuchs immer nur wenige Sekunden lang. Meistens endete die Fahrt bereits kurz hinter 70 Metern. Und doch erfüllten sich die Brüder Harald und Hartmut Pohl und ihr Cousin Timo Blaase aus Brodersby ihren Traum. Ihr Silberfuchs, ausgestattet mit einem V 12 1000-PS Benzin Panzermotor, ging im Jahr 2017 bei vier Tractor-Pulling-Veranstaltungen an den Start.

„Wir sind sehr zufrieden“, stellen die drei beim Blick zurück auf das Jahr fest. Nachdem sie im September 2015 zwei alte M 48 US-Panzer Continental-Motoren erwarben hatten, hegten sie die Hoffnung, bereits in 2016 in Haßmoor beim Tractor-Pulling dabei zu sein. Doch daraus wurde nichts. „Erst einen Tag vor Haßmoor 2017 bekamen wir die technische Zulassung“, berichtet Harald Pohl. Zuviel Arbeit steckte in der Reparatur der 1984 zuletzt durchgecheckten US-Panzermotoren.

In Haßmoor trat das Silberfuchs-Team, unterstützt von Peter Marxen und Gunnar Reimer, an Pfingsten 2017 erstmals an. Sie starteten in der neuen Limitierten Klasse der DTTO (Deutsche Trecker-Treck Organisation) außer Konkurrenz. Kurz über 73 Meter schaffte es ihr Traktor, über 22 Tonnen Gewicht zu ziehen. Timo Blaase ist der Pilot im Team. „Ich war schon aufgeregt, Angst hatte ich aber nicht“, berichtet er. Kaum dass er die Startflagge sah, trat er das Gaspedal, erst etwas zu vorsichtig, wie er sagt, durch. Nach gut 60 Metern Strecke merkte er schon, dass „die Luft raus ist“. Nach 16 Sekunden Fahrt endete der erste „Pull“ dann abrupt. Doch das Team war begeistert. Weitere Starts folgten 14 Tage später in Grimmen, im August in Edewecht und im Herbst in einer Halle im dänischen Gamst.

„In Dänemark gibt es bereits eine eigene Klasse bis vier Tonnen, sie starten in der B-Division“, ergänzt Hartmut Pohl. Dort werden klassische Lkw-Dieselmotoren mit Turboladern und weiteren Finessen auf bis zu 1500 PS getunt.

Zur Freude des Brodersbyer Teams hat die DTTO für 2018 eine eigene Startklasse für die 3,5-Tonnen-Maschinen gebildet. Neu dabei ist unter anderem ein Team aus Ehlersdorf/Bovenau, das bei den Brodersbyern auf den Geschmack kam, wie Harald Pohl berichtet. Dort kommt ein alter russischen V12 Diesel T 55-Panzermotor, ein Transmash, zum Einsatz. Bedingung der DTTO für eine eigene Startklasse war, dass es fünf Teams bundesweit gibt. Die gibt es nun, denn im Veranstaltungsplan der DTTO für 2018 haben fünf Veranstalter die Limitierte Klasse als eigenen Wertungslauf geführt.

Auch wenn die Brodersbyer dank ihrer Sponsoren, das Fahrschulteam Kappeln mit Gunnar Reimer und Tiefbauer Matthias Iwersen aus Schönhagen, über Transportmöglichkeiten für ihre Ausrüstung verfügen, ist ihnen der Weg ganz in den Süden, beispielsweise ins bayrische Krumbach, doch zu weit. „Für nicht mal 20 Sekunden ziehen über 700 Kilometer je Richtung fahren, das steht in keinem Verhältnis“, sagt Hartmut Pohl. Die Brodersbyer planen daher relativ heimatnahe Starts in Volkmarst (12. und 13. Mai), in Anholt (9. und 10. Juni) sowie in Kalkar (15. und 16. September). Außerdem wollen sie außer Konkurrenz als Gäste natürlich im fast direkt benachbarten Haßmoor (21. Mai), in Grimmen (23. Juni) und Edewecht (21. Juli) starten.

Im Gegensatz zu 2017 können sie dieses Jahr viel entspannter ihr Hobby pflegen. 2017 verbrachten sie unendlich viele Stunden in der Werkstatt, um den Trecker aufzubauen. Im Vergleich dazu geht es jetzt nur noch um Feinheiten und Kleinigkeiten, um den Motor zu optimieren, erklärt Harald Pohl. Zurzeit haben sie ihre Kupplung demontiert. Teile mussten sie austauschen, denn die Kupplungsscheiben sind sehr hohen Kräften ausgesetzt. Kupplungen müssen nach den Statuten des DTTO jährlich durch einen technischen Kommissar überprüft werden. Hinzu kommt eine Auflage des Verbands, wonach sie zusätzliche Gewichte am Fahrzeug neu anbringen müssen. Ziel ist es, das Gewicht möglichst hinter die Hinterachse zu bekommen, damit die volle Kraft des Panzermotors auf die Räder und in den Vortrieb des Treckers gehen.

Um die Ergebnisse ihrer Zugversuche zu verbessern, bauen die Brodersbyer nun auf zahlreiche weitere Starts im neuen Jahr. Da wird dann in verschiedenen Gängen gezogen, der Reifendruck wird verändert und auch an anderen Stellen wird probiert und getestet. Anders als bei den Gastauftritten, wo sie nur einmal ziehen dürfen, haben sie in den Wettbewerben zwei Zugversuche. Kommen sie ins Finale, folgt ein weiterer Versuch. Ihre Chancen, dort aufs Podest zu kommen, hofft das Team durch den Einsatz von AV-Gas zu verbessern. Das Flugbenzin kostet zwar mit 2,60 Euro je Liter recht viel, aber sie benötigen je Start ja nur fünf bis knapp zehn Liter. Und wenn sie nicht aufs Treppchen kommen, ist das auch nicht schlimm, „es ist unser Hobby“, sagen die drei.

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