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Lange Nacht : Viva la musica im Kontrastprogramm

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die vierte und letzte Lange Nacht in diesem November zog besonders viele Besucher an – einhelliges Lob für die Vielfalt des Programms

Eckernförde, kleine Stadt am Meer, was hast du alles zu bieten. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus, vor allem wenn man das Kulturprogramm der Novemberwochenenden betrachtet. Während der vier Langen Nächte ging es auch diesmal wieder mit Aktionen, Ausstellungen, Lesungen, Musik, Tanz, Theater, Kunstperformances quer durch alle Facetten unserer reich blühenden Kulturlandschaft. Und nicht nur das vielfältige Angebot ist großartig. Auch die Menschen in Eckernförde und aus der Umgebung fühlen sich angesprochen: Immer mehr kommen zu den Veranstaltungen. Die Woge aus interessierter Anteilnahme und fröhlicher Begeisterung wächst stetig. Andrea Stephan, Kulturbeauftragte der Stadt, hat mit ihrer Idee viel Licht in die Dunkelheit der Novembernächte gebracht.

Das vergangene Wochenende war der Musik gewidmet. Da stand am Sonnabend so viel auf dem Programm, dass man im Angesicht der spannenden Möglichkeiten wohl Entscheidungsschwierigkeiten und Sitzplatzmangel befürchten mochte. Aber alles gut: Das Publikum sortierte sich ganz nach eigenen Interessen. Was dem einen sein altenglisches Liedgut in der Kirche, war des anderen Klezmer oder Jazz.

Nur auf der Carlshöhe wurde es wirklich eng. In Carls Showpalast gastierte „Magic 25 – die XXL Band“ – ein tolles Erlebnis, diese Big Band mit ihren attraktiven Solosängerinnen, mitreißenden Bläsereinsätzen und dem breitgefächerten Musikangebot zu sehen und zu hören. Die fröhlichen Moderationen machten gute Laune, bekannte Songs animierten zum Mitsingen, die heißen Rhythmen gingen ins Blut, und es dauerte nicht lang, bis die ersten tanzten. Bis hin zur Samba aus Rio, zum „Mambo Italia“ und zu „New York, New York“ ging es musikalisch global zu, waren die besten Songs aus Rock, Pop, Swing und Soul zu hören. Sehr animativ, denn Takte mitklatschen, Rhythmus stampfen, dabei Brezeln und Wein vertilgen – das war Feierstimmung pur, und alles strahlte.

Im Utgard präsentierte die Eckernförder Band „Sambafish“ ihre neue CD. „Let’s play“ nennt sie sich verheißungsvoll, und alle Musiker – altersmäßig erfreulich gestaffelt zwischen Grundschule und „Groß“ – gaben Kostproben ihres Könnens. Julius Mahon, Lennard Winkelmann, Jonah Zorn, Tjark Janzen. Jochen Püst, Frank Arf zeigten, welche musikalischen Zauberwelten man mit den unterschiedlichsten Percussions heraufbeschwören kann, wie sich mit Snare, Marimba, Surdo und Framedrum vielfarbige Klangteppiche weben lassen. Und wenn dann Linus Chaffe (8) noch Warders „Heute hier, morgen dort“ singt, dann wollte der Beifall gar nicht enden.

In der Borbyer Kirche ging es altenglisch zu: Zeitgerecht von Gero Parmentier auf der Laute begleitet, interpretierte Constanze Berger schönste Lieder von John Dowland und Henry Purcell, um nur einige zu nennen. Im Terzett oder Quartett wurde sie von Sonja Schmidt (Mezzosopran), Ulrike Kluge (Sopran) Thjorben Reese (Tenor) und Wolfgang Berger (Bass) begleitet.

Als weiteres Angebot im kontrastreichen Programm gab es Klezmer-Musik in der Galerie 66 – für ein großes und begeistertes Publikum. Mit „Sing Your Soul“ gingen Melancholie und Ausgelassenheit dieser so besonderen Musik sicher bei vielen tief ins Gemüt. Auch im Künstlerhaus gab es berührende Musik mit dem Milan-Quartett – zunächst klassisch mit Henry Purcell und später Joseph Haydn. Kombiniert mit diesen beiden klassischen Komponisten gab es eine Überraschung: Kay Kankowski stellte seine jüngste Tondichtung vor – ein Streichquartett. Diese Uraufführung brachte zeitgenössische Musikelemente in den Raum und regte – im Zusammenspiel mit den leidvollen Schwarz-weiß-Portraits an den Wänden – eher zum Nachdenken an als zum vergnüglichen Zuhören.

Fröhlich, locker, heiter ging es dann am späten Abend noch im „Spieker“ zu. Hier sorgten die Bob Cats mit 1A Jazz und Klaus Berger mit satirischen Anekdoten für eine warmherzige Atmosphäre. Der Jazz riss mit, viel Zwischenapplaus gab es und eines wurde schnell klar: Die Jazzer hatten mindestens ebenso viel Spaß an ihrer Musik wie das dicht gedrängte, bestens gelaunte Publikum. Und wenn dann Klaus Berger noch aus seiner Sammlung satirischer Histörchen vorlas, war alles nur noch am Giggeln und am Lachen.

„Im nächsten November wieder...“ versprach Andrea Stephan .


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