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Lange Nacht der Musik : „Viva la musica“ im dunklen November

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die zweite von „vier langen Nächten“ hatte mit Rock, Pop, Oldies but Goldies, mit Big-Band-Sound und Hafenmusik großen Erfolg. In der gesamten Stadt gab’s Konzerte.

November in Eckernförde - und wieder eine lange Nacht der Kultur. In der Reihe der „vier langen Nächte“ drehte sich am Sonnabend alles um die Musik. Auch diesmal fand fast jedes Angebot im vielseitigen Programm große Resonanz: Die anhänglichen Kulturfreaks aus Ostssestadt und weiterer Umgebung konnten bis Mitternacht vieles hautnah erleben. Dabei war ein ungefährdeter Zugang zu allen Veranstaltungen gewährleistet. Ob jemand an die vergangene Nacht in Paris dachte und an die unbekümmerte Freiheit, mit der wir die Musik genießen, von einem Ort zum anderen gehen konnten? Offiziell war das jedoch kein Thema.

In der Galerie 66 spielte die Big Band der „Förde Music Company“ mit 20 Instrumentalisten einen Sound, der in die Beine ging. Unter dem Motto „Alles aus Liebe“ gab es viel tanzbare Musik, mit „Rocking all over the world“ wackelte, schnippte dann alles mit und wippte vergnügt bei Cha-Cha-Rhythmen. Mit der Gruppe könnte man im nächsten November auch einen Ball bestücken – das überlegte nicht nur Andrea Stephan, die Kulturbeauftragte der Stadt und Organisatorin der „November-Nächte“.

Direkt ins Herz traf das Duo „Sing your Soul“ mit Meike Salzmann und Ulrich Lehna. Mit Konzertakkordeon und Klarinette/Bassklarinette verzauberten sie ihre große Zuhörerschaft mit „Romantic Moments“. Es wurde ganz leise in der Galerie 66, denn die instrumentale Liebeserklärung der beiden berührte alle sehr - hier ein Seufzer, dort ein verhaltenes Mitsummen. Meisterhaftes Können, eine gelungene Auswahl der Beiträge und nicht zuletzt die charmante Moderation der Akkordeonistin, das nahm alle gefangen und ließ sie schwelgen. Da hätte man noch stundenlang zuhören mögen - bei verträumtem „Plaisir d’amour“ und finnischem Tango.

So richtig „ausländisch“ wurde es dann mit dem „Ostangeliter Orientexpress“ im Haus. Das war zum Staunen und Lachen, Bewundern und Genießen. Mit Querflöte und Saxophon (Jörg Schümann), Drums (Jannick Loeck), Gitarre (Vincent Judith) und Bass (Finn Strothmann) ging es in die Vollen. Takte, bei denen man hätte mitzählen können? Eher nicht: Hier waren die ganz krummen Taktarten unterwegs zum Beispiel mit elf Achteln. Man konnte nur staunen, wie das zusammenging und obendrein noch fantastisch klang. Per „Rhythmussprache“ (2+1+3+2+3) gelang dann auch eine bulgarische „Copanizza“ oder mit einer ganz anderen schrägen Taktgebung eine lebhafte Volksweise aus Mazedonien. Das Publikum war „angefixt“, es gab viel Beifall und den großen Wohlfühlmodus mit orientalischer Musikherrlichkeit, einer arabischen Beschreibung von vielleicht Sheherazade inklusive. Faszinierend.

Die Siegfried Werft am Hafen wartete mit einer musikalischen „Hafennacht“ auf die Musikfans des Abends, und zahlreiche Gäste fanden sich im urigen Ambiente ein. Den (kleinen) Schiffen so nah, die Wasserspiegelungen hinter den Fenstern im Blick, erreichten die Musiker ihr Publikum im Handumdrehen. Mit nordisch klarer Stimme und angenehmer Gestik sang Uschi Wittich von Elbe, Schiffen und dem großen, weiten Meer. Sehnsuchtslieder, oft ein wenig schwermütig und immer nah an der See und bei den Matrosen, den unerschütterlich starken Seemännern, breitete sich eine salzhaltige Atmosphäre in der Werft aus. Das war authentisch.

Und was war im Utgard los? Da steppte der Bär, da ging sie ab, die Luzie - oder umgekehrt. Egal, denn hier brannte die Luft. Hoch die Tassen - im Utgard war high life. Durchkommen, Stehplatz finden? Das waren schon sportliche Disziplinen. Reden gegen „Up & Down“ an? Meisterleistung. Denn die vier Musiker machten eine so starke, eine so alles überschallende Musik, dass außer Bierglas-Festhalten eigentlich nur eines blieb: Tanzen. Und das klappte prima: Direkt vor der Musik war Platz für Eigenchoreografien zu Rockmusik. Das machte allen einen Mordsspaß, den tanzenden Leuten, den fröhlichen Zuschauern und auch den aufgeheizten Musikern. Eigentlich fehlten nur noch AC/DC, Van Haalen, Westernhagen oder Status Quo live. Aber wahrscheinlich hätten sie ins Utgard gar nicht mehr reingepasst.

Zu später Stunde noch ein bemerkenswertes Angebot zwischen 22 und 23.30 Uhr im Künstlerhaus . Hier warteten Gerrit Hoss und Band zunächst vergeblich auf Gäste. Bis 10 Minuten vor Beginn war die Haustür in der Ottestraße abgeschlossen, danach kamen nur ein paar vereinzelte „Nachtschwämer“. Damit es schließlich noch mehr „Schwärmer “ werden, setzte Organisatorin Andrea Stephan per Handy noch einen Rundruf an Freunde und Bekannte ab – und siehe da: Der Raum in Otte 1 wurde voll. Es wurde nicht nur voll, auch warm, die Luft knapp, die Musik sehr laut. Vermutlich ist der Raum im Künstlerhaus für eine solch klangstarke Musik mit drei Instrumenten plus Verstärker nicht besonders geeignet. Bedauerlich für Julia Schremer (Bassgitarre), Stefan Falk (Schlagzeug) sowie Gerrit Hoss (Gitarre, Gesang) und ausgesprochen schade für die Zuhörer: Die plattdeutschen Texte, auf die man sich so gefreut hatte, waren so gut wie nicht zu verstehen. Der Hamburger Gerrit Hoss - häufig zu hören im NDR-Radio - bringt in Bälde seine dritte CD heraus, eine mit dem passenden Titel „Platt“. Spätestens dort wird man dann verfolgen können, worüber er singt.

Eine gute zweiter Kulturnacht mit einem breiten Musikangebot - sie macht neugierig auf die nächsten zwei Events mit Bildender Kunst, Theater und Tanz

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