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zum Scheitern verurteilt? : Vision – Jugendtreff im eigenen Dorf

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Sozialausschuss erteilt Plänen engagierter Eltern eine Absage für die Einrichtung eines Jugendtreffs. Weder dem Amt noch dem Kreis liegen Unterlagen für die Genehmigung des früheren Jugendtreffs auf dem FlaRak-Gelände vor.

shz.de von
erstellt am 19.Feb.2015 | 07:33 Uhr

Ein Jugendtreff im Dorf, den die Kinder eigenständig zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen können und der dem Nachwuchs sinnvolle Beschäftigungsalternativen abseits vom Computer anbietet – diese Idee treibt Stefanie und Christian Netz sowie Judith und Oliver Behrend um. Die Waabser Ehepaare, selbst Eltern von zwei Töchtern und zwei Söhnen im Alter von fünf bis 16 Jahren, möchten sich in der Gemeinde engagieren und den ehemaligen Jugendtreff auf dem FlaRak-Gelände wieder beleben. Eine Vision, die sich aber so leicht nicht verwirklichen lässt, wie Christian und Stefanie Netz jetzt feststellen mussten.

Bereits von 2003 bis 2008 war auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände ein Jugendtreff untergebracht. Träger war ein Förderverein, der eigens zu diesem Zweck gegründet wurde. „Wir haben einfach nur einen Antrag an die Gemeinde gestellt“, erinnert sich Elvira Brief, Gründungsmitglied des Vereins, „es hat nie Probleme gegeben.“ Grund für die Schließung des Jugendtreffs sei auch keine Ablehnung vonseiten der Gemeinde gewesen, erklärt Udo Steinacker (CDU), der damals schon Bürgermeister der Gemeinde Waabs war, sondern die Tatsache, dass nicht mehr genügend Jugendliche gekommen seien. Auch heute, sieben Jahre später, sei die Gemeinde vom Grundsatz her nicht gegen einen Jugendtreff: „Wir werden uns nicht dagegen sperren“. Gleichwohl sei an ihn als Bürgermeister vor dem Antragsschreiben auf Nutzung der Räumlichkeiten des ehemaligen Jugendtreffs keinerlei Bedarf an einer derartigen Einrichtung gemeldet worden, erklärt Steinacker auf Nachfrage der EZ.

Auf der ersten Sitzung des Sozialausschusses in diesem Jahr, am 10. Februar, stellte Christian Netz das Konzept den Ausschussmitgliedern vor. Das zentrale Anliegen: „Die Jugendarbeit, Beziehungen und Kontakte von jungen Menschen untereinander zu fördern und ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten“ heißt es in dem Antrag. Eröffnet werden solle der Jugendtreff als Untersparte des DRK-Ortsvereins. Dieser hat seine grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, eine Jugendsparte des DRK zu gründen. „Wir stehen dem wirklich positiv gegenüber“, so DRK-Vorsitzende Anita Reeps auf Anfrage, verwies aber darauf, dass es noch einen „großen Klärungsbedarf zwischen Gemeinde und den Antragstellern“ gebe. Hinsichtlich der rechtlichen Seite habe man aber bereits Kontakt mit dem DRK-Landesverband aufgenommen.

Nach Darstellung der Ehepaare Netz und Behrend gebe es mit 15 Kindern wieder genügend Interessenten an einem Jugendtreff im Dorf. Sie und ihr Mann Christian Netz (35), von Beruf Maschinenbautechniker, sind bereit, auf eigene Kosten den Lehrgang für den Erwerb der Jugendleitercard zu besuchen. Die Arzthelferin (36) würde ein Mal in der Woche den Jugendtreff, der sich offen und überkonfessionell an alle Jugendlichen von acht bis 14 Jahre richtet, öffnen. Neben gemeinsamem Backen, Kochen und Spielen schweben ihr auch gemeinsame Aktivitäten mit dem DRK, wie Basteln oder Ausflüge, vor. All das sei möglich, wenn „die Gemeinde den Raum sponsert“, so Stefanie Netz. Küche, Elektrik und Toiletten seien vorhanden, die Gemeinde müsse nur noch die Kosten für Heizung und Nebenkosten übernehmen.

Der Antrag wurde auf der Sozialausschusssitzung mehrheitlich abgelehnt. Bürgermeister Steinacker verlangte ein „echtes Konzept“, das nachhaltig sei und klar erkennbare Strukturen, wie Öffnungszeit oder Qualifikation der Betreiber, aufweise. Für Verwirrung sorgte bei den Antragstellern Stefanie und Christian Netz der Umstand, dass ihr Antrag auf Nutzung des ehemaligen Jugendtreffs auf dem FlaRak-Gelände bereits 14 Tage vor der Sozialausschusssitzung vom Amt abgelehnt worden war. In einem Schreiben vom Bauamt, datiert vom 27. Januar, wurden ihnen mitgeteilt, dass es für „eine solche Nutzungsänderung der baurechtlichen Genehmigung“ bedarf. Da sich das Gelände im planungsrechtlichen Außenbereich befindet, könne zum jetzigen Zeitpunkt keine Genehmigung erteilt werden. „Ohne eine Bauleitplanung der Gemeinde ist eine Nutzung auf dem FlaRak-Gelände nicht möglich“, erklärt Gunnar Bock, Amtsdirektor des Amtes Schlei-Ostsee, auf Nachfrage.

Gerade hinsichtlich des Brandschutzes müssten strenge Gesetzesvorlagen eingehalten werden, so Bock. Des Weiteren wies der Leiter des Bauamtes, Norbert Jordan, in dem Schreiben darauf hin, dass weder der Verwaltung noch dem Kreis Unterlagen über eine baurechtliche Genehmigung vorliegen, „insbesondere nicht von einer Nutzung als Jugendtreff in der Vergangenheit.“

Eine Aussage, die bei den Antragstellern für Befremden sorgt, hat es den Jugendtreff doch von 2003 bis 2008 auf dem FlaRak-Gelände gegeben. „Es hat uns schockiert, dass unser Antrag im Vorfeld vor der Sitzung abgebügelt worden ist“, sagt Stefanie Netz. Ein Umstand, den auch Lothar Schaldach (SPD), Vorsitzender des Sozialausschusses und Mitbegründer des Jugendtreffs 2003, nicht versteht. Er persönlich unterstütze die Pläne eines neuen Jugendtreffs, so Schaldach.

Hinsichtlich der nichtvorliegenden Unterlagen des ehemaligen Jugendtreffs erklärt Amtsdirektor Bock auf Nachfrage, dass die Zuständigkeit damals bei dem Amt Schwansen, gelegen habe. „Für den Jugendtreff 2003 bis 2008 lag eine Zustimmung vor“, so Bock, „weder von der zuständigen Kreisbauaufsicht noch vom damaligen Amt Schwansen“. Es bleibt die Frage, wer 2003 für Nutzung des FlaRak-Geländes als Jugendtreff die Genehmigung erteilt hat und wo diese Unterlagen sind.

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