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Eckernförder Zeitung

20. September 2017 | 07:50 Uhr

Musik und Kirche : Vier Chöre und eine Orgel

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Seit drei Jahren ist Julia Uhlenwinkel Kantorin der Gettorfer Kirchengemeinde / Um ein Klavier musste sie als Kind kämpfen

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2017 | 06:49 Uhr

Gettorf | Sie war gerade einmal fünf Jahre alt, als sich Julia Uhlenwinkel ein Klavier wünschte. Ein Wunsch, den ihre Eltern ihr nicht sofort erfüllten. Ein so großes und teures Instrument, ohne zu wissen, wie lange der Kindheitstraum Bestand hat? Lieber nicht. Also lernte sie zunächst Blockflöte und sang gemeinsam mit ihrer Freundin im Kinderchor der Kirchengemeinde. Das Repertoire war sehr vielseitig. An ein Singspiel von der Heilung des Aussätzigen erinnert sie sich, aber auch an Max und Moritz und die Bremer Stadtmusikanten und natürlich an Krippenspiele. Um das Klavier kämpfte sie aber weiter.

Als sie zwölf war, hatte sie ihr Ziel endlich erreicht. Ihr Opa sprach ein Machtwort in der Familie. Ein Klavier kam ins Haus und ab jetzt nahm sie Klavierstunden beim Kantor ihrer Bassumer Kirchengemeinde, der auch den Kinderchor leitete. Er erkannte schnell das Talent seiner Schülerin und sagte zu ihr: „Wenn du noch ein bisschen besser Klavier spielst, dann kannst du an einem ‚richtigen‘ Instrument üben.“ So saß Julia Uhlenwinkel bald am ‚richtigen‘ Instrument, der Orgel. Ihr Kantor förderte sie nach Kräften und übertrug ihr später auch gelegentlich die Chorleitung.

Neben der Musik wurde Julia Uhlenwinkel durch die Jugendarbeit der Kirchengemeinde geprägt. Sie wurde Teamerin, arbeitete bei Freizeiten mit, leitete Kinder-und Jugendgruppen und wurde Mitglied im Jugendausschuss.

Was ihren Berufswunsch betraf, so war sie zunächst hin und her gerissen, zwischen Theologie und Kirchenmusik. „Eigentlich hatte ich mir auch gut vorstellen können, Pastorin zu werden. Doch mein Kantor meinte: „Meinst du, du schaffst beides, du schaffst es, immer die weiten Wege zwischen Orgel und Altar zurückzulegen? “ Julia Uhlenwinkel folgte seinem Rat und studierte Kirchenmusik statt Theologie. Bereut hat sie das bis heute nicht.

An der Kirchenmusikschule in Greifswald war die Studentin, die aus dem Westen kam, 1998 noch eine Exotin. Von der Hochschule weg wurde die junge Kirchenmusikerin von einer Gemeinde auf der Insel Usedom angeworben. Dort blieb sie allerdings nur vier Jahre. Mecklenburg-Vorpommern blieb Julia Uhlenwinkel aber trotzdem vorerst treu.

Stavenhagen war ihre zweite berufliche Station „mit einer einzigartigen und spannenden Stellenkonstruktion“, wie sie im Rückblick sagt. Sie war je zur Hälfte bei der Kirchengemeinde und bei der Stadt angestellt. Neben der klassischen Tätigkeit einer Kirchenmusikerin gehörten jetzt auch die Leitung des Schulchores und eine Musical-AG in der Ganztagsschule zur ihrern Tätigkeiten. Die finanzielle Situation der Stadt verschlechterte sich drastisch. Musikalische Nachmittagsangebote in der Ganztagsschule wurden zum Luxus, den sich die Kommune nicht mehr leisten konnte.

Seit drei Jahren lebt und arbeitet sie jetzt in Gettorf. Nach 15 Jahren Mecklenburg-Vorpommern kam sie wieder näher an ihre alte Heimat heran. War sie erst von West nach Ost gegangen, war es jetzt für ihren Mann der umgekehrte Weg. Ein bisschen Sorge habe sie schon gehabt, ob er vielleicht Heimweh haben könnte. Dies sei jedoch unberechtigt gewesen. „Er hatte sich schneller integriert als ich und auch gleich einen Job gefunden“, sagt die Kantorin.

Kirchenmusik ist für Julia Uhlenwinkel schon immer mehr als Orgel und Bach. Auch moderne Kirchenmusik, die Kinder und Jugendliche anspricht, ist ihr wichtig. Deshalb hat sie in den letzten beiden Jahren neben ihrem Beruf noch eine eineinhalb-jährige Fortbildung der Nordkirche zur Popularmusikerin gemacht. „Popularmusik hat es in der Kirche immer noch schwer, aber hier in der Landeskirche wurde gute Vorarbeit geleistet.“, sagt sie. Seit 15 Jahren gibt es diese Ausbildung immerhin schon. Popularmusik ist für Julia Uhlenwinkel etwas gut Lutherisches. „Dem Volk auf’s Maul schauen.“- Diese Kunst hat Martin Luther meisterhaft beherrscht. „Es gibt immer weniger Gemeinden, die sich musikalisch nur über Bach und Schütz definieren“, so Julia Uhlenwinkel. Die Prüfung hat sie übrigens mit sehr gut gemeistert.

In der Kirchengemeinde Gettorf gehört die Orgelbegleitung bei Gottesdiensten, Taufen, Trauungen und Beerdigungen, sowie die Leitung der vier Chöre der Kirchengemeinde zum Pflichtprogramm. Wer Julia Uhlenwinkel kennt, weiß, dass es beim Pflichtprogramm nicht bleibt, denn immer wieder gibt es Leute in der Gemeinde, die Lust haben, musikalisch etwas Neues zu machen. Nein zu sagen fällt ihr schwer.

Einige größere Projekte der Chöre der Gettorfer Kirchengemeinde in diesem Jahr werfen ihre Schatten voraus.

Am 8. und 9. Juli führen der Kinderchor und der Jugendchor Good news das Musical „Joseph“ auf. Kleine Sänger und Schauspieler zwischen sechs und zwölf Jahren und alle, die es werden wollen, können mitmachen. Der Kinderchor probt immer mittwochs von 15 bis 15.45 Uhr. Wer noch mitsingen will, kann einfach zu den Proben kommen.

Der Gospelchor Get Spirit wird 15 Jahre alt. Aus diesem Anlass wird es am 9. September ein Wunschkonzert geben. Die besten 15 Songwünsche wird der Chor am 9. September singen. Wer sein Lieblingslied hören möchte, sollte seinen Wunsch möglichst bald an den Chor senden: getspirit@kirche-gettorf.de

Gegen Ende des Lutherjahres wird am 19. November das Liedoratorium „Martin Luther“ aufgeführt. Dabei handelt es sich um ein gemeinsames Projekt der Kantorei und des Gospelchores. Das 90-minütige Konzert beinhaltet eine Mixtur aus klassischer und populärer Musik sowie gesprochenem Text.



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